Friedensnobelpreisträger Al Gore sieht Parallelen zwischen dem Klimawandel und der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten. In beiden Fällen hätten die westlichen Mächte, vor allem die USA, zu lange weggeschaut.
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Friedensnobelpreisträger Al Gore bei der Weltklimakonferenz auf Bali. Foto: dpa
Friedensnobelpreisträger Al Gore hat die USA auf der Weltklimakonferenz als schlimmsten Bremser kritisiert. Sein Heimatland sei hauptsächlich dafür verantwortlich, dass Fortschritte blockiert würden.
Die Reaktion auf den Klimawandel verglich Gore mit der Haltung der Westmächte im Umgang mit Nazi-Deutschland in den 30er und 40er Jahren. Der frühere US-Vizepräsident sagte, zu viele Länder warteten einfach ab. Auch während der Nazi-Zeit hätten zu viele Leute zu lange geschwiegen.
Als Juden verfolgt wurden, hätten sie sich gesagt, das betrifft mich nicht, und ähnlich sei es mit weiteren Minderheiten gegangen. Schließlich seien diese Leute jedoch selbst abgeholt worden. Gore zitierte auch Winston Churchill, der 1938 nur Zögern und Zaudern gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland festgestellt habe.
Gore forderte die Staatengemeinschaft auf, auf die US-Regierung keine Rücksicht zu nehmen und den Klimaschutz rasch voranzutreiben. "Schreiben Sie eine Fußnote, dass dieser Text unvollständig ist", forderte Gore. "Diese weiße Stelle wird gefüllt werden.“
Bevor das geplante neue Klimaabkommen 2009 fertig sein solle, werde bereits eine neue Regierung im Amt sein. Er könne zwar nicht versprechen, dass sie sich zu ehrgeizigem Klimaschutz verpflichte, doch die Wahrscheinlichkeit sei groß.
"Klimaschutz-Gegner können abgewählt werden"
Gore erinnerte ebenso wie EU-Umweltkommissar Stavros Dimas daran, dass Gegner des Klimaschutzes auch abgewählt werden können, so wie gerade in Australien. Die Wähler "haben gezeigt, dass sie diejenigen aus der Regierung herauswerfen können, die nicht auf die Sorgen der Menschen eingehen", sagte Dimas. In den USA sind 2008 Präsidentschaftswahlen.
Gore forderte die Staatengemeinschaft auch auf, das neue Abkommen bereits 2010 in Kraft zu setzen und nicht erst 2012. Man habe keine Zeit zu vergeuden. Die Wissenschaft gebe der Welt nur zehn Jahre, die Klimawende zu schaffen. "Können wir die Hälfte der Zeit dazu benutzen, nur zu reden?", fragte Gore.
Der Kampf gegen den Klimawandel sei nicht eine politische Frage, sondern eine moralische. "Wir können es uns nicht leisten, abzuwarten", sagte Gore. Die Delegierten quittierten die Rede mit stehenden Ovationen.
Offensichtlich Bewegung in den Beratungen
Kurz vor Ende der Weltklimakonferenz kam offensichtlich Bewegung in die Verhandlungen. Das UN-Klimasekretariat meldete am Donnerstag zumindest eine Einigung bei einem von mehreren Streitpunkten.
Die Konferenz mit rund 11.000 Teilnehmern aus 190 Ländern soll am Freitag zu Ende gehen. Bis dahin soll ein "Fahrplan" für die Verhandlungen für ein neues Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 ausgehandelt sein. Noch am Vormittag hatte UN-Klimachef Yvo de Boer vor einem Scheitern gewarnt.
Die Verhandlungen könnten wie ein "Kartenhaus in sich zusammenstürzen". Später sagte er jedoch: "Ich bin viel optimistischer als noch vor einigen Stunden." Es gebe eine Einigung über den Transfer von klimafreundlicher Technologie aus den reichen in die armen Länder, sagte er. Diese Frage ist den
Entwicklungsländern besonders wichtig.
(dpa/AP/maru/mako)




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