Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist ein glühender Fußballfan und könnte die WM in Deutschland besuchen - die Bundesregierung weiß nicht so recht, wie sie damit umgehen soll.
Ein Fan der iranischen Nationalmannschaft: Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Foto: AFP
Für die Regierung zu sprechen, ist manchmal wie dribbeln. Man nimmt den Ball auf, hält ihn eng am Fuß, tänzelt, wirbelt und zaubert, und wenn man nicht zum Torschuss kommt, dann dribbelt man eben weiter vor sich hin – in der Hoffnung, dass die Zuschauer auch ohne Tor, respektive ohne klare Antwort, schon Gefallen finden an der geschickten Tänzelei.
Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg gab am Freitag eine Kostprobe seines Könnens auf diesem Gebiet. Vorausgegangen war eine Meldung, wonach der Chef des iranischen Fußballverbandes, Mohammed Ali Dadkan, erklärt hatte, ein Besuch des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei der Fußball-WM in Deutschland zur Unterstützung des iranischen Teams sei "sehr wahrscheinlich".
Regierungssprecher Steg sagte auf diese Meldung angesprochen nun, man vermöge seitens der Bundesregierung derzeit nicht einzuschätzen, ob dahinter reale Absichten stünden. Daher sehe er sich "nicht in der Lage", die Frage zu beantworten, inwieweit der fußballbegeisterte Staatsgast willkommen sei oder nicht.
Iran liegt in einem eskalierenden Streit mit der westlichen Welt wegen seines beharrlichen Festhaltens an einem Nuklearprogramm, das den Bau von Atomwaffen möglich machen würde. Fußballkenner Steg dribbelte vor diesem Hintergrund um die eigentliche Frage herum und flüchtete sich in Lobpreisungen des iranischen Fußballs im Allgemeinen sowie die Aufzählung all der Qualifikationen, die ihn für Meisterschaften wie die WM interessant machen.
Er schloss mit den Worten: "Ich sehe mich nicht in der Lage, auf irgendwelche Spekulationen einzugehen, solange ich nicht weiß, was sein wird." Ebenso mauerten die Sprecher von Außen-, Innen- und Justizministerium.
Hinter den Kulissen spielt das Thema eines Besuchs des Fußballfans Ahmadineschad bei der WM schon länger eine Rolle. Am 11. Juni trifft die Mannschaft Irans in ihrem Auftaktspiel in Nürnberg auf Mexiko. Kanzleramts-Chef Thomas de Maizière und das Innenministerium treibt seit geraumer Zeit die Frage um, wie man mit dem Besuchswunsch solch eines ungebetenen Gastes umgeht.
Bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel alarmierte die kleine Meldung des Sport-Informationsdienstes schon am Donnerstagabend die Regierung. Auf offiziellem Wege, also über Irans Botschaft in Berlin, ist bisher kein Besuchswunsch angezeigt worden.
Das Bemühen der Bundesregierung geht im Moment dahin, auf Besuchs-Meldungen möglichst diplomatisch zu reagieren, um Iran nicht die Gelegenheit zur propagandistischen Ausschlachtung zu geben. Tatsächlich ist man sich in der Regierung nicht sicher, ob es sich bei den lancierten Äußerungen iranischer Fußball-Funktionäre nur um Testballons handelt oder ob Ahmadinedschad wirklich beabsichtigt, zur WM nach Deutschland zu reisen.
Bekannt ist, dass es sich bei dem radikalen Staatschef, der wiederholt den Holocaust geleugnet hat und Israel das Existenzrecht abstreitet, um einen glühenden Fußballfan handelt. Merkel hat die israelfeindlichen Äußerungen Ahmadinedschads mehrmals als inakzeptabel zurückgewiesen, einen Ausschluss Irans von der Weltmeisterschaft aber abgelehnt.

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