Koch - der Mann mit zwei Gesichtern

    Hessen

    07.01.2008, 17:17

    Von Christoph Hickmann

    Einerseits wird Roland Koch nicht müde, ein härteres Vorgehen gegen jugendliche Gewalttäter zu fordern. Andererseits hat seine Regierung Hunderte Stellen bei Polizei und Justiz gestrichen - und der hessischen SPD somit ihr Wahlkampfthema geliefert.

    Roland Koch, dpa

    Roland Koch hat etliche Stellen bei Polizei und Justiz gestrichen. (Foto: dpa)

    Die Reaktion kam schnell und entschieden, allerdings von anderer Seite als erwartet. Mehrere männliche Jugendliche, offenbar überwiegend ausländischer Herkunft, hatten in der Nacht zum Sonntag den Fahrer einer Frankfurter U-Bahn krankenhausreif geprügelt; es war einer jener Gewaltausbrüche, die derzeit besonders aufmerksam registriert werden.

    Doch statt der hessischen CDU, die seit Tagen härteres Vorgehen gegen jugendliche Gewalttäter fordert und dabei immer wieder speziell auf junge Ausländer zielt, preschte diesmal die SPD mit markigen Tönen vor.

    Die "gesellschaftliche Verantwortung" für den brutalen Angriff am Frankfurter U-Bahnhof Heddernheim liege "bei der CDU-Landesregierung", sagte SPD-Mann Jürgen Walter, der das Innenministerium übernehmen will, falls seine Partei nach der hessischen Landtagswahl am 27. Januar eine Regierung bilden kann.

    Mit Fakten untermauert

    Der Sozialdemokrat, vor gut einem Jahr seiner Konkurrentin Andrea Ypsilanti im innerparteilichen Rennen um die Spitzenkandidatur unterlegen, gab so am Sonntag jene Strategie vor, mit der seine Partei die Kriminellen-Kampagne von Ministerpräsident Roland Koch kontern will. Sie geht jetzt in die Offensive.

    Der Tenor: Neun Jahre regiere Koch nun in Hessen und habe damit Exzesse wie jenen von Heddernheim selbst zu verantworten. Viel anderes bleibt der SPD nicht übrig. Ihre Mindestlohnkampagne wird kaum wahrgenommen, dem Gewaltthema kann sie nicht ausweichen. Und die Erfolgsaussichten der Angriffslinie sind nicht die schlechtesten - zumindest lässt sie sich mit Fakten untermauern.

    So wirft Walter der Koch-CDU vor, seit 1999 fast 1200 Polizeistellen abgebaut zu haben. Die CDU nennt das "unwahr" und kontert mit dem Hinweis darauf, dass heute "über 1000 Polizisten mehr auf der Straße" seien als 1999.

    Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) allerdings kommt diese Zahl vor allem dadurch zustande, dass dabei die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden hochgerechnet wird. Tatsächlich, sagt der hessische GdP-Vorsitzende Jörg Bruchmüller, seien 700 Stellen gekürzt worden, bis Ende 2008 würden es knapp 970.

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    Leserkommentare (26)



    09.01.2008 13:07:25

    bruxx: Zwei Gesichter?

    Zwei Gesichter? Ich sehen nur eines, und das hat Schmisse. Der reaktionäre Rest erklärt sich damit von selbst.


    1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet




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