Von Daniel Brössler, Moskau

Wieder verschärft sich der Konflikt zwischen Russland und Georgien: Tiflis beschuldigt die russische Luftwaffe, eine Bombe über Georgien abgeworfen zu haben, Russland weist die Vorwürfe zurück. Eine Annäherung der beiden Länder scheint in weite Ferne gerückt.

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"Akt der Aggression": Die Bombe wurde im Dorf Tsitelubani, 65 Kilomenter westlich von Tiflis, gefunden. Foto: SZ-Grafik

Ein mysteriöser Bombenabwurf hat den schwelenden Konflikt zwischen Russland und Georgien gefährlich zugespitzt.

Georgien warf dem Nachbarland einen "Akt der Aggression" vor. Nach Darstellung der Führung in Tiflis verletzten am Montagabend zwei russische Kampfflugzeuge den georgischen Luftraum.

Eines der Flugzeuge habe dabei eine 700-Kilogramm-Bombe über dem Dorf Tsitelubani 65 Kilometer nordwestlich von Tiflis abgeworfen, die aber nicht detoniert sei.

Es sei niemand verletzt worden, teilte der georgische Innenminister Wano Merabischwili mit. "Eine Explosion hätte zu einem Desaster geführt", sagte er.

Die georgischen Behörden präsentierten Journalisten am Dienstag einen etwa drei Meter tiefen Krater sowie Trümmerteile der Bombe mit russischer Aufschrift.

Bei den Kampfflugzeugen habe es sich vermutlich um Bomber des Typs SU-24 gehandelt, sagte der Innenminister. "Unsere Radaraufnahmen zeigen, dass die Jets aus Russland kamen und in diese Richtung zurückgeflogen sind", fügte er hinzu.

Russland wies die Vorwürfe umgehend zurück. Es habe in der fraglichen Zeit gar keine Flüge der russischen Luftwaffe in der Region gegeben, versicherte ein Sprecher der Luftwaffe. Ähnlich äußerte sich deer russische Botschafter in Tiflis, der wegen des Vorfalls ins georgische Außenministerium einbestellt worden war. Dort musste er eine Protestnote entgegennehmen.

"Mit einer Verletzung des georgischen Luftraums haben russische Flugzeuge nichts zu tun. Das schließe ich aus", sagte Botschafter Wjatescheslaw Kowalenko nach einem Gespräch mit Georgiens Außenminister Gela Beschuaschwili. Ihm seien Radaraufzeichnungen gezeigt worden, welche die georgische Darstellung untermauern sollten, berichtete der Diplomat.

"Das hat für mich keine Bedeutung", betonte er, "Flugzeuge des Typs SU fliegen in aller Welt. Sie werden übrigens auch von den georgischen Streitkräften genutzt."

Die Feindseligkeit zwischen den früheren Sowjetrepubliken Russland und Georgien geht auf militärische Konflikte zu Beginn der neunziger Jahre zurück. Sie hat nach einer Phase relativer Entspannung in jüngster Zeit wieder deutlich zugenommen.

In der Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion hatten sich die Regionen Südossetien und Abchasien von Georgien abgespalten.

Beide abtrünnige Regionen werden politisch, finanziell und militärisch von Russland unterstützt. Formal erkennt Moskau deren Unabhängigkeit aber nicht an. Georgien wirft Russland vor, einer friedlichen Konfliktlösung im Wege zu stehen.

Deutlich stärker als sein Vorgänger Eduard Schewardnadse fordert der westliche orientierte Präsident Michail Saakaschwili Russland wegen des Territorialkonflikts heraus. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten einen Tiefpunkt erreicht, als Georgien im vergangenen Jahr vier russische Offiziere wegen angeblicher Spionage des Landes verwiesen hatte.

Russland reagierte mit einer umfassenden Verkehrs- und Wirtschaftsblockade. Die Affäre um den Bombenabwurf macht nun Hoffnungen auf eine vorsichtige Annährung der beiden Länder zunichte.

(sueddeutsche.de)