Hässliche Geschäfte

    Degler denkt

    06.09.2007, 10:10

    Von Dieter Degler

    Erst ist die Deutsche Bank als Retter des Finanzplatzes Deutschland dagestanden. Jetzt gerät sie ins Zwielicht – und mit ihr die Bankenaufseher des Finanzministeriums.

    Banken haben beim Ottonormalkontoinhaber keinen sonderlich guten Ruf. Sie rangieren, je nach politischer Einstellung und ähnlich wie Immobilienmakler, irgendwo zwischen nützlich und notwendigem Übel. Sie sorgen zwar dafür, dass man einen Überziehungskredit ausschöpfen kann, für den man dann aber bluten muss, oder leihen einem Geld für die Eigentumswohnung, das man dann ein Leben lang abstottern muss. Und es ist noch nicht so lange her, da waren sogar erhebliche Teile des linken Flügels der SPD für eine Verstaatlichung dieser Institute.

    Grossbild

    Deutsche-Bank-Chef Ackermann (Foto: AP)

    Als Erfolgreichster des Geldverleiher-Gewerbes gilt Dr. Josef Ackermann. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank führt die Geschäfte des größten deutschen Finanzinstituts so vorzüglich, dass die Gewinne von Rekord zu Rekord eilen und die Aktie seines Unternehmens bestens dasteht.

    Dass er im Prozess um die Abfindung für den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser vor der Kamera mal lächelnd das Victory-Zeichen gemacht hat – das war wohl nur ein ebenso lässlicher PR-Fehler wie die "Peanuts“ seines Vorgängers Rolf Breuer.

    Ackermann, der Retter

    Und den schien er mehr als wettgemacht zu haben, als er kürzlich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, über eine bevorstehende Schieflage der IKB Deutsche Industriebank wegen mangelhaft besicherter amerikanischer Hypothekenkredite, sogenannte subprime loans, informierte – die Initialzündung der aktuellen Bankkrise, die dann auch die Landesbanken von Nordrhein-Westfalen und Sachsen erwischte. Ackermann, der Retter, hatte größeres Unheil vom Finanzplatz Deutschland abgewendet.

    Das war die Nachrichtenlage von gestern. Doch allmählich kommt hinter der IKB-Krise der hässliche Banker zum Vorschein. Denn es war die Deutsche Bank, die, gemeinsam mit anderen, der IKB subprime loans im Volumen von wenigstens 500 Milliarden vermittelte, wie das englische Finanzmagazin "Risk“ herausfand. Es war die Deutsche Bank, die an diesem Geschäft zwischen 20 und 30 Millionen Dollar verdiente. Es war die Deutsche Bank, die der IKB als erste den Kredithahn zudrehte. Und es ist Josef Ackermann, der sich nun scheinheilig hinstellt und der IKB "mangelndes Risikobewusstsein“ vorwirft.

    Bestens verdient

    Das ruft zwar nicht die altlinke Frage nach Verstaatlichung der Schlüsselindustrien auf, aber sehr wohl die Frage, wie die 1600 Mitarbeiter des dem Finanzministerium unterstehenden Bafin ihren Job erledigen. Denn schon 2004 hätten die Bankenwächter aus der Zeitung erfahren können, dass die IKB bereits damals ein Forderungs-Portfolio in Höhe von acht Milliarden Euro angehäuft hatte, von denen mehr als die Hälfte nicht über die beste Bonitätsstufe verfügt hatte. Und dass die Deutsche Bank solche minderwertigen Papiere erst verscherbelt, dann bestens daran verdient und schließlich Alarm schlägt, ist gewiss auch eine Untersuchung wert.

    Dann könnten die Berliner Bankenaufseher auch gleich prüfen, ob ein Gerücht stimmt, das derzeit in Londoner Finanzkreisen kursiert: Bevor die Deutsche Bank das Bafin über die Probleme der IKB informierte, sei sie noch schnell in IKB-Aktien short gegangen, wie es auf Finanzdeutsch heisst. Das bedeutet, sie spekulierte auf fallende IKB-Kurse – und hatte damit natürlich Erfolg: Nach Ackermanns Alarm stürzte die IKB-Aktie um rund 50 Prozent ab.

    (sueddeutsche.de)

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