Verbunden in Feindschaft

    Regierungsbildung in Serbien

    24.06.2008, 16:32

    In Serbien werden Opfer und Täter zu Regierungspartnern. Die pro-westlichen Demokraten von Staatschef Tadic und die Sozialisten des früheren jugoslawischen Präsidenten Milosevic gehen ein Bündnis ein.

    Tadic und DacicGrossbild

    Boris Tadic (links) und Ivica Dacic wollen mit dem Bündnis die Vergangenheit ihrer Parteien vergessen. (Foto: AP)

    Sechs Wochen nach den vorgezogenen Parlamentswahlen bekommt Serbien eine neue Regierung: Die Pro-Europäer um Staatschef Boris Tadic haben sich gemeinsam mit den Sozialisten (SPS) des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung verständigt, sagte der bisherige Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic am Dienstag in Belgrad.

    Am Vorabend hatte die Spitze der Sozialisten der Regierung zugestimmt. Grünes Licht wurde auch von den oppositionellen Demokraten (DS) von Tadic erwartet. Der entsprechende Beschuss der Parteispitze sei reine Formsache, berichteten die Medien.

    Das bedeutet für Serbien eine einschneidende Wende. Denn mehr als ein Jahrzehnt hatte der nahezu diktatorisch herrschende Gründer der Sozialistischen Partei, Slobodan Milosevic, alles unternommen, um die DS zu unterdrücken.

    Mit der Auslieferung des ehemaligen Autokraten an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag durch den inzwischen zum Regierungschef aufgestiegenen Zoran Djindjic im Juni 2001 wurden die ohnehin zerrütteten Beziehungen zwischen den Demokraten und den Sozialisten noch mehr vergiftet.

    Das soll jetzt alles vergessen werden: Vor zwei Wochen hatte Tadic vor seiner Parteispitze die Parole ausgegeben, das Kriegsbeil zu begraben und die Vergangenheit zu vergessen.

    Pro-Europäer haben Mehrheit im Parlament

    Die bisher dem anti-europäischen Lager zugerechneten Sozialisten werden in der neuen Regierung die Ministerien Inneres, Infrastruktur, Energie und Bildung erhalten, bestätigte ihr Spitzenpolitiker Zoran Andjelkovic in Belgrad. Daneben werde die Partei auch die Parlamentspräsidentin stellen. SRS-Chef Ivica Dacic werde als Innenminister auch das Amt des stellvertretenden Regierungschefs bekleiden. Am Dienstag ist das Parlament einberufen worden, um erstmals mit der neuen Regierungsmehrheit die Präsidentin der Volksvertretung zu wählen.

    Die Parteien der Pro-Europäer und der Sozialisten verfügen gemeinsam mit den Vertretern der Minderheiten über eine Mehrheit von 129 Abgeordneten im Parlament mit seinen 250 Sitzen. Sie können bei einzelnen Gesetzesvorhaben und Abstimmungen noch mit der Unterstützung der reformistischen LDP rechnen, die 13 Abgeordnete stellt und die neue Regierung unterstützt.

    Der frühere Regierungschef und DS-Spitzenpolitiker Zoran Zivkovic kritisierte die Kooperation der einstigen politischen Feinde. Die Koalition habe wegen der programmatischen Unvereinbarkeit ihrer Parteien nur eine kurze Lebenszeit: "Wir haben ein verlorenes Jahr vor uns", sagte Zivkovic. Er rechne bereits im nächsten Frühjahr mit Neuwahlen.

    (dpa/hai/buma)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (1)



    25.06.2008 11:40:03

    Tigrovi:

    Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.




    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de