Verdächtiger von Potsdam verwechselt

    Überfall auf Deutsch-Äthiopier

    27.04.2006, 20:13

    Von Philipp Grassmann und Annette Ramelsberger

    Einer der mutmaßlichen Täter sollte ein bekannter Extremist mit dem Szene-Namen "Hitler" sein - schließlich stimmen Namen und Aussehen überein. Doch der Schein trügt.

    Die Ermittlungen im Fall des in Potsdam überfallenen Deutsch-Äthiopiers Ermyas M. haben bisher offenbar keinen erkennbaren rechtsextremistischen Hintergrund ergeben.

    Ein in Potsdam bekannter Sympathisant der Rechtsextremisten mit dem Szenenamen „Hitler“ ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht identisch mit dem Tatverdächtigen Thomas M., der in Untersuchungshaft sitzt.

    Beide haben jedoch den gleichen Namen und sehen sich offenbar auch sehr ähnlich. Ein Ermittler sagte der SZ: „Der ,Hitler‘ ist nicht unserer.“

    Über den Beschuldigten Thomas M. und seinen möglichen Mittäter Björn L. liegen nach Erkenntnissen von Polizei und Verfassungsschutz bisher keine Hinweise auf eine Nähe zur rechtsextremen Szene vor.

    Dagegen hatten Opferhilfegruppen den verhafteten Thomas M. als Mitglied der rechtsextremen Szene Potsdams bezeichnet.

     
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    Der in der Extremistenszene bekannte Thomas M. hat enge Kontakte zu einem vor kurzem zu einer langen Haftstrafe verurteilten Neonazi. Außerdem soll dieser Thomas M. im Sommer 2005 immer wieder Zeugen vor dem Landgericht Potsdam eingeschüchtert haben.

    „Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen gehen wir davon aus, dass der Verhaftete nichts mit dem in der Öffentlichkeit bekannten Thomas M. zu tun hat“, heißt es in Ermittlerkreisen. Der Anwalt des in Haft sitzenden Verdächtigen beantragte Haftprüfung für seinen Mandanten.

    Auch für den zweiten Verdächtigen wurde ein solcher Antrag gestellt. Beide Beschuldigten bestreiten die Tat, obwohl sie durch Indizien belastet werden.

    Einer der zwei Tatverdächtigen wird von Polizisten zum Hubschrauber geführt. (Foto: ddp)

    Das Opfer liegt noch im künstlichen Koma. „Er atmet weiterhin teilweise selbst, aber verändert hat sich sonst nichts“, sagte eine Sprecherin des Klinikums.

    Im Fall des in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) überfallenden Togoers hat der Richter am Donnerstag Haftbefehl gegen alle drei Täter erlassen. Die jungen Männer hatten das 39-jährige Opfer in der Nacht zum Mittwoch in der Innenstadt von Wismar umstellt und niedergeschlagen.

    Der Mann erlitt schwere Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus. Der Schweriner Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick sagte, der jüngste Täter habe erklärt, der Togolese habe kritisiert, dass die drei Deutschen betrunken gewesen seien.

    Daraufhin sei es erst zum verbalen Streit und dann zu dem Überfall gekommen. Innenminister Gottfried Timm (SPD) sagte, die Verdächtigen seien bei der Polizei bereits erfasst gewesen, allerdings nicht im Zusammenhang mit rechtsextremen Taten. Die Staatsanwaltschaft schließt einen ausländerfeindlichen Hintergrund nicht aus.

    Auch in München kam es zu einer Attacke auf einen dunkelhäutigen Mann. Ein 18-jähriger Kongolese wurde am Hauptbahnhof von einer jungen Frau mit mehreren Bierflaschen beworfen und schwer am Kopf verletzt. Die Frau soll den Mann laut Polizei mit den Worten „Verpiss dich, Scheiß-Neger“ beschimpft haben.

    (SZ vom 28.4.2006)

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