Nachdem es am Mittwochabend im schottischen Gleneagles zu unerwartet heftigen Ausschreitungen gekommen ist, hat die Polizei am Morgen einen Campingplatz der Globalisierungsgegener abgeriegelt.
Nachdem Demonstranten versucht hatten, die absperrungen um den Tagungsort zu durchbrechen gingen Polizisten massiv gegen sie vor. Foto: Reuters
Polizisten mit Schutzschilden und kugelsicheren Westen sperrten den Haupteingang des Platzes sowie die Zufahrtsstraßen in die Ortschaft Stirling ab, das etwa 20 Kilometer vom Tagungsort entfernt ist. Die Behörden wollen so weitere gewaltsame Proteste unterbinden.
Ein Polizeisprecher bestätigte, dass um den Campingplatz eine „Sicherheitsabsperrung“ errichtet worden sei. Die Polizei sei bereit gewesen, friedliche Proteste zuzulassen, hieß es in einer Erklärung. „Aber eine gewalttätige Minderheit, die kein Interesse an friedlichem Protest hat, hat gestern größere Störungen in Stirling verursacht, und wir gehen davon aus, dass eine Wiederholung geplant ist.“
Die Polizei habe nicht vor, den Platz zu betreten, auf dem etwa 5.000 Menschen untergebracht sind, hieß es weiter. „Aber jeder dort drinnen wird aufgefordert, im Interesse der Sicherheit für den Rest der Zeit im Camp zu bleiben.“ Wer nicht vorhabe, „für Unruhe zu sorgen“, dürfe „mit Hilfe von Polizisten“ den Platz verlassen. Die Lage vor Ort sei ruhig.
Am Mittwoch hatten in Stirling mehr als 100 Demonstranten die Scheiben von parkenden Autos eingeworfen und Polizisten mit Steinen angegriffen. Sie versuchten, eine der Straßen nach Gleneagles zu blockieren. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Polizisten verletzt, acht von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt.
Am Abend hatten Demonstarnten in der Nähe des Tagungshotels einen Sicherheitszaun durchbrochen, der das Anwesen weiträumig abriegelt.Eine Sondereinheit der britischen Polizei griff daraufhin sofort ein und drängte die Demonstranten zurück. An einer anderen Stelle verließen mehrere hundert Demonstranten die vereinbarte Route und liefen ebenfalls zum Zaun. Auch dort zog die Polizei Verstärkung zusammen. Die etwa 4000 Demonstranten ließen sich aber nicht zurückdrängen.
Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einer „kleinen Gruppe von internationalen Anarchisten“, die bei jedem G8-Gipfel randalieren wollten. Diese Chaoten seien schuld daran, dass sich die G8-Politiker mit einem Stahlzaun umgeben müssten: „Wir hassen das“, sagte Blair. „Die meisten von uns würden das liebend gern in irgendeinem Ort machen, wo wir uns unter die Leute mischen können.“
Die Ausschreitungen hatten bereits in der Nacht begonnen, als mehrere hundert G8-Gegner versuchten, bis zum Luxushotel Gleneagles vorzudringen. Die Polizei hielt sie zurück und nahm bis zu 70 Leute fest.
Am Morgen brachten die G8-Gegner, die von der Polizei der linksautonomen Szene zugerechnet wurden, den Verkehr auf vielen wichtigen Straßen im Raum Edinburgh zum Erliegen. Sie errichteten Straßenbarrikaden, setzten sich auf Gleise und legten sich vor Busse. Vermummte Randalierer demolierten mit Steinen und Eisenstangen Autos und Geschäfte und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei.
Augenzeugen sprachen von anscheinend gut geplanten Aktionen. Wenn die Polizei die eine Straße freigeräumt hatte, errichtete einer der kleinen Trupps schon wieder ein Hindernis an anderer Stelle. Der Chef der schottischen Regionalregierung, Jack McConnell, sprach von „Gangstertum“. Unter den Demonstranten befinde sich ein harter Kern von Krawallmachern unter anderem aus Spanien, Italien, Deutschland und England, sagte er.
Auch Bob Geldof, der Initiator der Live-8-Konzerte vom vergangenen Samstag, verurteilte die Zusammenstöße. Er hatte für diesen Mittwoch zu einer Demonstration von einer Million Menschen in der schottischen Hauptstadt Edinburgh aufgerufen, doch es kamen bloß etwa 300 Leute.
Am Nachmittag marschierten dann etwa 4000 Globalisierungskritiker durch das Dorf Auchterarder in der Nähe von Gleneagles. Einer der Teilnehmer, der Unterhausabgeordnete George Galloway, sagte, die „wahren Kriminellen“ säßen auf der anderen Seite des Stahlzauns.
Die Demonstranten kritisierten das Vorgehen der Polizei. Britische Polizisten hätten nicht so viel Erfahrung mit Demonstrationen wie etwa die deutsche Polizei, sagte Philipp Hersel, Sprecher von Attac, einer Organisation von Globalisierungskritikern: „Normale britische Polizisten sind es nicht gewohnt, Demonstranten wegzutragen.“ Das führe leicht zu „Überreaktionen“.
Die Globalisierungskritiker werfen den G8-Ländern vor, die Dritte Welt auszubeuten.
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