"Das Regime hat viel zu fürchten"
Kuba nach Fidel Castros Rückzug
19.02.2008, 11:32
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Er tritt ab: Fidel Castro. (Foto: Reuters)
Bedeutet Castros Ämteraufgabe auch seinen Rückzug aus der Politik?
Seitdem Fidel Castro schwer erkrankt ist, war erwartet worden, dass der Maximo Lider entweder stirbt oder seine Ämter aufgibt. Bislang hatte der kranke Castro seine Macht immer nur vorübergehend delegiert - mit dem heutigen Schritt sei dies nun "formalisiert" worden, so Bert Hoffmann vom Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg (Giga).
Dieses "Ende einer verlängerten Nachfolge-Periode" wurde von der kubanischen Führungselite sorgsam inszeniert. Denn das "sozialistische Regime kann ohne das symbolische Kapital Fidels nicht auskommen", sagt Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.
Kann das kubanische Regime ohne Castro überleben?
"Ja, das ist möglich", sagt Günther Maihold, "aber es lebt gegenwärtig mit Castro in einer symbolischen Begleitrolle." Die Elite um Castros Bruder Raúl weiß, wie wichtig der langjährige Staatschef für sie ist. Und deshalb "werden sie ihn solange wie möglich im Geschäft halten - als Stabilitätsanker", so Maihold.
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José Angel Sotillo Lorenzo, Politikprofessor an der Universidad Complutense de Madrid, sieht - zumindest für die nahe Zukunft - keine Abkehr vom bisherigen System. "Die Mehrheit ist zufrieden, sie sieht vor allem die Vorteile von Castros Bildungspolitik und der medizinischen Grundversorgung.“ Der spanische Professor geht nicht davon aus, dass die Kubaner für den großen Wechsel kämpfen werden. "Es ist durchaus möglich, dass sich gar nichts ändern wird."
Was für ein Typ ist Raúl Castro?
Raúl Castro ist nun auch formell der neue starke Mann im Land. Der jüngere Bruder von Fidel zählte eigentlich zum Führungspersonal aus der zweiten Reihe, der 76-Jährige gilt nicht als Vordenker wie Fidel, auch dessen Charisma fehlt ihm. Zu unterschätzen ist Raúl Castro dennoch nicht: Günther Maihold beschreibt ihn als "teilweise effizienten" Kader, der Politik "sehr hart umsetzen" kann. Gleichzeitig sei er "Pragmatiker, was Transition und Öffnung des Regimes" angeht.
Wird Castros Bruder Raúl in Kuba Reformen durchführen?
Raul sieht im Gegensatz zu seinem Bruder Reformbedarf. Fidels Triumphalismus lehnt er nach Hoffmanns Einschätzung ab: "Ihm ist vielmehr bewusst, wie prekär die Stimmung im Lande ist." Raúl Castro spreche Probleme an, wie beispielsweise die unzureichenden Löhne. Der Autor Volker Skierka weist darauf hin, dass die Kubaner ermuntert wurden, Vorschläge zur Verbesserung zu machen. "Daraufhin wurden mehr als drei Millionen Eingaben gemacht, von denen 1,2 Millionen ausgefiltert wurden."
Die Vorgehensweise Raúl Castros sei natürlich als "Top-down" gedacht, so Hoffmann: Die Reformen sollen von oben kommen. Doch es habe inzwischen auch "zu einer richtigen Glasnost von unten geführt: Viele Kubaner stehen auf und üben offen Kritik - ein Novum."
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Bedeuten die Veränderungen, dass das Regime demokratische Verhältnisse einführt?
Die Option, eine tatsächliche Demokratie einzuführen, erwägen die Machthaber in Havanna vermutlich nicht, daran ändert auch der politische Abgang Fidels nichts: "Alles, was wir gerade sehen, ist der Versuch eines sanften Übergangs von Fidels Alleinherrschaft zur Herrschaft der Kommunistischen Partei", sagt Günther Maihold. "Von Demokratie ist gegenwärtig nichts zu sehen."
Sotillo Lorenzo meint: "Es ist eine große Chance für Kuba.“ Keiner wisse jedoch, wie es nun weiter gehe. Er sieht Raúl Castro mehr als eine Übergangslösung. "Was geschieht danach mit Kuba? Das ist die Einmillion-Dollar-Frage“, sagt der spanische Politikprofessor. Bis zu einer Demokratie in Kuba sei es ein langer Weg. Es werde auch in Zukunft keine demokratischen Wahlen geben, an der Wirtschaftspolitik werde sich kaum etwas ändern.
Bert Hoffmann erklärt die neuen Bemühungen der Funktionäre, ein offenes Ohr für das Volk zu haben, schlicht damit, dass das Regime "einen Kontrollverlust vermeiden möchte". Die Machthaber hätten eine Debatte ausgelöst und "Veränderung auf die Tagesordnung gesetzt". Nun entwickele sich eine Eigendynamik.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob sich nach Castros Rückzug etwas am Verhältnis zu den USA etwas ändern wird.
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![]() 21.02.2008 09:54:43 Karl_Martell: @Peter.49 ___Abschluß zu ___"Handelt es sich bei Ihnen um einen Exilkubaner" Zu Deinem Zitat___"In Kuba gibt es durch das US-Embargo weder genug Zement, noch genug Papier, noch ausreichend Ersatzteile für die gesamte Wirtschaft usw." Schuldprojektion? Richtig ist, einerseits gibt es seit über 40 Jahren ein US-Embargo, das ja nun aus Sicht der USA auch nicht ohne Grund verhängt wurde. Dieses Embargo be- und verhindert Kubas Zugang zu hochwertigen Produkten aus der Produktion jener (westlichen) Staaten, die sich an das Embargo halten. Darüber hinaus aber bestanden bis in die 90er Jahre intensive Wirtschaftsbeziehungen mit den sozialistischen-kommunistischen Bruderländern, mit denen selbstverständlich auch heute großteils Handelsbeziehungen bestehen oder bestehen könnten, die vom Embargo nicht beeinträchtigt werden. Oder wollen Sie etwa behaupten, Russland oder China würden sich einer repressiven US-Maßnahme unterwerfen? Und dass die bis zum (weitestgehenden) Untergang der Planwirtschaft selbst technologisch nichts auf die Reihe bekommen haben, liegt das auch am "US-Embargo"? Was soll also das Hochhalten von solchen -entschuldigung- Unsinnigkeiten wie "Zementmangel"? China -nicht am US-Embargo beteiligt- ist mit über 800 Millionen Tonnen/Jahr der Weltgrößte Zementproduzent und Russland liegt mit über 40 Millionen Tonnen noch an 8.Stelle der Weltrangliste. Es ist als gelinde gesagt naiv zu behaupten, Kuba könnte keinen Zement auf dem Weltmarkt bekommen. Entscheidender für das Ausbleiben JEDER Form von wirtschaftlichem Erfolg in Kuba ist wohl mehr ein satz, der sich in der Beschreibung der kubanischen Wrtschaft auf den Seiten des auswärtigen Amtes findet: "Die kubanische Staatswirtschaft ist gekennzeichnet von einer Dekapitalisierung großen Ausmaßes in den Bereichen Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft. Entsprechend niedrig sind Produktivität und teils auch Qualität und Bedarfsdeckung in diesen Bereichen, was hohe Einfuhren nach sich zieht." auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Kuba/Wirtschaft.html DARIN, und nicht im Embargo der bösen USA liegt der Zustand Kubas begraben. Kuba hat und hatte alle Chancen, mit seinem humanen Kapital aus eigener Kraft erfolgreich Industriealisierung zu betreiben. ![]()
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