Chávez reicht Merkel die Hand
EU-Lateinamerika-Gipfel
16.05.2008, 19:11
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Bundeskanzlerin Merkel und Venezuelas Präsident Hugo Chávez reichen einander die Hände (Foto: AP)
Nach mehreren scharfen Attacken gegen Angela Merkel hat der venezolanische Präsident Hugo Chávez eingelenkt und der Bundeskanzlerin die Hand zur Versöhnung gereicht. Zum Auftakt des EU-Lateinamerika-Gipfels in Lima ging er am Freitag gleich zwei Mal auf Merkel zu und versicherte ihr, er habe sie nicht beleidigen wollen. Es seien "ein paar freundliche Sätze" ausgetauscht worden, hieß es aus dem Umfeld Merkels.
Noch kurz vor seinem Abflug nach Lima hatte Chávez die Kanzlerin erneut scharf angegriffen. Der deutschen Regierungschefin fehle es an allem, "sogar an der Vernunft", sagte er in Caracas. Er ermahnte sie, sich wie eine Staatsfrau zu benehmen und aufzuhören, "Pfeile auf uns zu schießen oder Steine auf uns zu werfen".
Ausgelöst worden war der Streit durch ein Interview, in dem Merkel Chavez das Recht absprach, die Interessen anderer lateinamerikanischer Staaten zu vertreten. Der venezolanische Präsident hatte sie daraufhin in die Nähe von Adolf Hitler gerückt. Merkel hatte die Attacken nicht kommentiert und auf Deeskalation gesetzt: "Ich glaube, wir werden uns gut vertragen, und es wird ein
guter EU-Lateinamerika-Gipfel."
Zu den Begegnungen der beiden kam es beim traditionellen Foto nach der Eröffnungssitzung des Gipfels, dessen inhaltliche Schwerpunkte die Armutsbekämpfung und der Klimaschutz waren. Zu der Konferenz kamen 27 europäische und 33 lateinamerikanische Delegationen nach Lima. Aus den 27
EU-Mitgliedstaaten reisten 15 Staats- und Regierungschefs an. Die lateinamerikanischen und karibischen Staaten waren fast durchgehend mit ihren Spitzenleuten vertreten.
Merkel versicherte in Lima, dass Deutschland seine Hilfszusagen für die Armutsbekämpfung einhalten werde. Auf einem Gipfelforum zu dem Thema erinnerte sie daran, dass die Vereinten Nationen sich zur Jahrtausendwende eine Halbierung der Zahl in extremer Armut lebender Menschen vorgenommen habe.
"Deutschland bekennt sich zu diesem Ziel", betonte die Kanzlerin laut vorab veröffentlichtem Redetext: "Wir wissen uns hier im engen Schulterschluss mit den anderen europäischen Staaten und unseren Partnern in Lateinamerika und der Karibik." Es dürfe nicht nur ein Bekenntnis bleiben, sondern müsse ernsthaft und konkret in die Tat umgesetzt werden.
Schätzungen zufolge leben etwa 19 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut. Das heißt, sie müssen mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Betroffen sind weltweit rund eine Milliarde Menschen, davon etwa 47 Millionen in Lateinamerika. Das sind neun Prozent der Bevölkerung dieser Region.
Chávez schlug einen gemeinsamen Hilfsfonds von Europäern und Lateinamerikanern vor, der arme Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen soll. Der Fonds solle einen Umfang von einer Milliarde Dollar (650 Millionen Euro) haben.
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