Zwölf SPD-Frauen aus Hessen zeigen sich in einem Kalender ziemlich freizügig. Manche Mitglieder des Landesverbandes finden das "pfiffig" - andere eher "eigenwillig".
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Die Spitzenkandidatin der hessischen SPD für die Landtagswahl 2008, Andrea Ypsilanti (r.), bekommt in Offenbach von der Landtagsabgeordneten Heike Habermann den Kalender mit den relativ freizügigen Fotos einiger SPD-Damen überreicht. Foto: dpa
Verkehrsschilder sind in der Regel sehr einfach zu verstehen, dem Verkehrsfluss ist das ungemein förderlich. Das Vorfahrtszeichen beispielsweise vermittelt in etwa folgende Information: "Freie Bahn, abbremsen nicht notwendig", weshalb dieser Tage in Hessen ein zweiter Blick hilfreich ist, um voreilige Schlüsse zu vermeiden.
Dort kursiert ein Foto der Sozialdemokratin Heike Habermann, die bildungspolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion ist und sich für die Kamera ein Vorfahrtsschild vor den Leib hält. Das Schild ist recht groß geraten, daher wird wohl ungeklärt bleiben, wie viel oder wenig Frau Habermann darüber hinaus am Körper trägt. Zu sehen sind nur definitiv nackte Beine, Schultern und Arme. Daneben steht: "Vorfahrt für Chancengleichheit".
Das Foto stammt aus dem Kalender einiger Offenbacher SPD-Frauen, der Erlös geht an Pro Familia, Frau Habermann gibt die Mrs. Januar. Es folgen elf Parteifreundinnen zwischen 27 und 72 Jahren, die ebenfalls keine Kleidung im herkömmlichen Sinn zu tragen scheinen, sich aber mit diversen Accessoires bedecken, etwa einem Bauarbeiterhelm, Boxhandschuhen oder einem Stoppschild. Gemeinsam ist den Gegenständen die dominierende Farbe, welche denn auch im Titel auftaucht: "Perspektiven in Rot".
In Hessen läuft derzeit ein recht bedeutsamer Wahlkampf an; in zwei Monaten wird der Landtag gewählt und somit die Frage entschieden, ob Ministerpräsident Roland Koch und seine CDU das Land weiter regieren dürfen - oder Frau Habermanns Chefin Andrea Ypsilanti in die Wiesbadener Staatskanzlei einziehen darf.
Dafür aber spricht noch nicht allzu viel, weshalb man nun mutmaßen könnte, dass den Sozialdemokraten allmählich die Ideen ausgehen - zumal sie zwar im Wahlkampf viel über die Feinheiten der Bildungspolitik reden, die bildungspolitische Sprecherin Habermann aber in Sachen Kalender zu Protokoll gab, dass Programme in diesen Zeiten "weniger gefragt" seien, während Personen "in den Vordergrund" rückten.
Dass es sich jedoch um die nackte Verzweiflung handelt, bestreitet man bei der SPD: Die Sache sei seit gut einem Jahr geplant gewesen und ist laut Heike Habermann aus einer "Schnapsidee" entstanden. Während die Reaktionen im Landesverband von "pfiffige Idee" über den Hinweis auf einen eher "eigenwilligen Humor" der Offenbacher bis zum gemurmelten "Ach du meine Güte" reichen, ist nicht eindeutig geklärt, was Frau Ypsilanti von der Sache hält.
Immerhin posierte sie bereits mit dem Kalender vor der Kamera. Ihr Lächeln wirkte etwas weniger strahlend als sonst, was aber möglicherweise nur an der ungewohnten Umgebung lag: dem Offenbacher Ledermuseum.




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