Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Demokraten nimmt kein Ende: Hillary Clinton bekräftigt, auch nach der klaren Niederlage in North Carolina im Rennen zu bleiben.

Für Hillary Clinton wird die Luft im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten dünn - doch aufgeben will sie nicht. Bei den jüngsten Vorwahlen konnte sie sich nicht entscheidend gegen ihren Rivalen Barack Obama durchsetzen. Schlimmer noch: In North Carolina deklassierte der 46-Jährige die Senatorin aus New York regelrecht. Die ehemalige First Lady verbuchte zwar den Sieg in Indiana, doch fiel dieser denkbar knapp aus.

Einige Beobachter mutmaßten, dass Clinton sich nun doch zurückziehen könnte, da sie Obamo de facto nicht mehr einholen kann. Doch Clinton denkt gar nicht daran. Sie bleibe so lange im Rennen, bis ein Kandidat feststehe, sagte die New Yorker Senatorin am Mittwoch. Bei den noch ausstehenden sechs Vorwahlen kann sich rein rechnerisch weder die ehemalige First Lady noch Obama die notwendige Mehrheit der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende August sichern.

Will bis zum Ende weiterkämpfen: Hillary Clinton. Foto: Reuters

Dabei steckt Clintons Kampagne offenbar weiter in ernsthaften Geldschwierigkeiten. Aus ihrem Lager war am Mittwoch zu vernehmen, dass sie deshalb bereits zum zweiten Mal auf ihr Privatvermögen zurückgriff. 6,4 Millionen Dollar soll sie allein im vergangenen Monat aus eigener Tasche berappt haben.

Obama baute hingegen seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen aus. Wichtiger noch: Clinton verpasste bei den beiden Vorwahlen am Dienstag die Chance, sich mit zumindest einem souveränen Sieg den dringend erhofften psychologischen Vorteil im Ringen um die Gunst der knapp 800 ungebundenen Superdelegierten zu verschaffen.

Diese werden wegen des immer noch engen Rennens zwischen den Kontrahenten mit ihrem Votum letztendlich den Ausschlag geben, wer für die Demokraten im November in die eigentliche Präsidentschaftswahl zieht.

Clintons hauchdünner Sieg in Indiana stand erst Stunden nach Schließung der Wahllokale fest. Sie kam dort auf 51 Prozent, Obama auf 49. In North Carolina landete Clinton mit 42 Prozent volle 14 Punkte hinter ihrem Rivalen.

Der Senator aus Illinois konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, als sein Flugzeug am Mittwochmorgen in seiner Heimatstadt Chicago landete. "Gute Arbeit", bescheinigte er seinem Wahlkampfstab. "Wir haben gesehen, dass es möglich ist, die Politik des Spaltens und des Ablenkens zu überwinden, dass es möglich ist, die üblichen alten, negativen Angriffe zu überwinden", rief er zuvor seinen Anhängern in Raleigh in North Carolina sichtlich erleichtert zu.

Die vergangenen Wochen waren nicht leicht für Obama, der der erste schwarze Präsident der USA werden könnte. Vor allem die umstrittenen Äußerungen seines früheren Pastors Jeremiah Wright, die als rassistisch und amerikafeindlich eingestuft wurden, machten ihm zu schaffen.

Obama wirkte deshalb zeitweise müde und gelegentlich auch gereizt.
Doch nach seinem Triumph in North Carolina, wo überdurchschnittlich viele schwarze Wähler leben, nahm er selbstbewusst McCain ins Visier.

Der 71-Jährige steht seit Wochen als Kandidat der Republikaner fest. Auf keinen Fall dürfe McCain ins Weiße Haus einziehen und die Politik von George W.
Bush fortsetzen, forderte Obama. "Wir brauchen einen Wechsel in Amerika, und deswegen werden wir im November vereint antreten", schwor er die Demokraten auf sich ein. Die Partei fürchtet, aus dem ungewöhnlich langen und inzwischen mit harten Bandagen geführten Vorwahlkampf zerstritten und geschwächt hervorzugehen, bevor die eigentliche Schlacht um die Präsidentschaft überhaupt beginnt.

(sueddeutsche.de/AP/Reuters/woja)