Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und mageren Jahren für Rüstungskonzerne steigen die Militärausgaben wieder an. Auch deutsche Firmen mischen kräftig mit. Doch mit den Merkmalen des Krieges haben sich auch die Wünsche an die Industrie gewandelt.
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Israelische Soldaten im Einsatz: Nach vergleichsweise mageren Jahren freuen sich die Rüstungskonzerne wieder über steigende Umsätze. Foto: AFP
Es sind anspruchsvolle Händler, die ihre Ware alle zwei Jahre in Abu Dhabi ausstellen.
Einen kleinen Hafen lassen sie für ihre Schau errichten, dazu eine Tribüne für Paraden und ein Schießgelände mit künstlichen Sanddünen. Ausreichend Platz für Korvetten und Kampfpanzer, denn in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate trifft sich alle zwei Jahre die internationale Waffenindustrie.
Auf einer ihrer größten Messen, der Idex, finden Besucher das Rüstzeug für einen Landkrieg und Seegefechte. Die wertvollen Geschäftskontakte locken auch deutsche Unternehmen und Vertreter der Bundesregierung an den Golf.
Denn die säbelrasselnd aufrüstenden Herrscher im Nahen und Fernen Osten, die Fehden in Nigeria und auf den Philippinen, vor allem aber die Kriegseinsätze in Afghanistan und im Irak sorgen für ein grausames Bombengeschäft. Wissenschaftler des renommierten Sipri-Instituts in Stockholm schätzen, dass global allein im vergangenen Jahr 1,2 Billionen US-Dollar für den Kauf konventioneller Waffen wie Kampfjets und Streubomben ausgegeben wurden.
Und der Congressional Research Service (CRS), die wissenschaftliche Abteilung des US-Kongresses, berichtet, dass weltweit in den vergangenen drei Jahren Verträge über Rüstungsexporte im Wert von 160 Milliarden Dollar unterzeichnet wurden.
Die vergleichsweise mageren Jahre für Rüstungskonzerne nach Ende des Ost-West-Konflikts scheinen vorüber: "Nach einem Jahrzehnt der Abrüstung steigen die Militärausgaben seit 1998, 1999 wieder deutlich an", erklärt Michael Brzoska, Professor am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg. In den vergangenen zehn Jahren hätten die weltweiten Ausgaben für Kriegsgerät um 37 Prozent zugenommen, meldet Sipri.
Vor allem seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wirken die USA wieder bis an die Zähne bewaffnet, 500 Milliarden Dollar investierte das Land im vorigen Jahr in seine Armee.
Berührungsängste vor Despoten und Feldherren haben die Waffenhändler keineswegs: Spendabelster Käufer der vergangenen fünf Jahre ist China - ein Staat, an den die Europäische Union seit 1989 Waffenverkäufe verbietet. Dem CRS-Bericht zufolge schlossen 2006 Pakistan, Indien und Saudi-Arabien die lukrativsten Kaufverträge ab, dahinter folgten Venezuela, Algerien und Israel.
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Deutschland ist unter den fünf größten Exporteuren der Welt. Nur Russland und die USA verkaufen mehr Waffen. Foto: SZ-Grafik
Auch Deutschland, drittgrößter Waffenexporteur hinter den USA und Russland, liefert Torpedos an Pakistan und Waffen an die algerische Marine. Im Jahr 2005 exportierte die Bundesrepublik Kriegswaffen im Wert von 1,6 Milliarden Euro, heißt es im Rüstungsexportbericht. Hinzu kamen Ausfuhrgenehmigungen für militärische Ausrüstung für 4,2 Milliarden Euro - Tendenz steigend.
Mit den Merkmalen des Krieges haben sich auch die Wünsche an die Rüstungsindustrie gewandelt. Statt bunt uniformiert in Feldschlachten zu exerzieren wie zu Zeiten Clausewitz', belauern sich in den "neuen Kriegen" multinationale Armeeverbünde und Rebellen in abgelegenen Tälern. Soldaten und Terroristen liefern sich aufreibende Häuserkämpfe. Das Militär setzt zunehmend kleine Gruppen technisch hoch gerüsteter Soldaten in Marsch. Außerdem versuchen westliche Staaten, den Feindkontakt und damit Verluste auf eigener Seiten zu vermeiden.
Notwendig dafür sind flexiblere Waffen und moderne Ortungs- und Kommunikationstechnik. Militärs schwärmen von ferngesteuerten, präzisen Bomben, die im richtigen Stockwerk eines Hauses explodieren können. Der Krieg der Zukunft findet scheinbar fast ohne Beteiligung von Menschen statt: Opfer unter den eigenen Kämpfern und Zivilisten werden angeblich verhindert, sogar den Akt des Tötens sollen irgendwann einmal Kampfroboter übernehmen.
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