Merkel strikt gegen Kinder als Testkäufer

    Jugendschutz

    15.10.2007, 17:40

    Von Nico Fried und Paul-Anton Krüger

    Familienministerin von der Leyen ist mit ihrem Plan, Jugendliche für Spitzeldienste anzuheuern, gescheitert. Nun soll ein runder Tisch darüber beraten, wie die Kontrollmöglichkeiten der Behörden verbessert werden können.

    Von der Leyen; Gesetzesentwurf; Testkäufer

    Ursula von der Leyen: Die Familienministerin zieht ihren Gesetzentwurf zu jugendlichen Testkäufern zurück. (Foto: ddp)

    Die Idee, minderjährige Jugendliche als Testkäufer für Alkohol, Tabak oder Gewaltfilme einzusetzen, ist endgültig vom Tisch. Während das Familienministerium am Montag noch von einer "Atempause‘‘ bei den entsprechenden Überlegungen sprach, wollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung weder das Kanzleramt noch die Koalitionsfraktionen die Idee weiterverfolgen lassen.

    Minderjährige als Testkäufer einzusetzen, sei "schlicht nicht vorstellbar", hieß es. Offenbar ist die Entscheidung insbesondere auf Druck aus der Unions-Fraktion zurückzuführen. Demnach protestierte Fraktionschef Volker Kauder bereits Ende der vergangenen Woche gegen einen entsprechenden Gesetzentwurf aus dem Familienministerium seiner Parteifreundin Ursula von der Leyen.

    Von der Leyens Sprecherin Iris Bethge hatte zuvor gesagt, wegen der emotionalen Diskussion habe sich die Ministerin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine Atempause verständigt. Von der Leyen wolle das Gesetz "nicht durchpeitschen", sei aber nach wie vor davon überzeugt, dass es sinnvoll sei, Heranwachsende freiwillig als Testkäufer einzusetzen.

    Bethge betonte, der Vorschlag sei sowohl innerhalb der Bundesregierung als auch mit den Ländern abgestimmt gewesen. Auch Fachleute hielten Testkäufe durch Jugendliche für effektiv.

    Runder Tisch im November

    Eigentlich sollte das Kabinett an diesem Mittwoch die Änderungen am Jugendschutzgesetz beschließen. Nun soll ein runder Tisch voraussichtlich noch im November darüber beraten, wie die Kontrollmöglichkeiten der Behörden verbessert werden können. An den Beratungen sollen die Länder, die kommunalen Spitzenverbände und Jugendschutzverbände teilnehmen.

    Die Politik müsse angesichts der steigenden Zahl von Alkoholexzessen handeln, da Alkohol für Kinder und Jugendliche zu leicht zugänglich sei, sagte Bethge. Für flächendeckende Kontrollen hätten die Behörden jedoch nicht genügend Personal.

    Die Drogenbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Maria Eichhorn (CSU), sagte, Jugendliche als Testkäufer einzusetzen "kann man durchaus verantworten, weil dadurch viele Jugendliche geschützt werden können. Ich habe dagegen keine moralischen Bedenken, wenn die Eltern einverstanden sind und die Jugendlichen entsprechend vorbereitet werden". Man solle aber nochmals über deren Mindestalter diskutieren.

    Bereits Testkäufe in Nordrhein-Westfalen

    Auch der nordrhein-westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU), der federführend für die Länder den Entwurf mit vorbereitete hat, will daran festhalten. "Ich halte es für richtig", sagte er dem WDR. Die Händler seien dafür verantwortlich, den Ausweis zu verlangen. "Das können Sie nur nachweisen, wenn man potentiell die Angst haben muss, hier ist jemand, der etwas kauft, der eigentlich nicht 18 Jahre alt ist."

    In Nordrhein-Westfalen hat es bereits Testkäufe durch Jugendliche mit Einverständnis von deren Eltern gegeben. Die Koordinierung dieser Testkäufe habe in den Händen der Kommunen gelegen, sagte eine Sprecherin von Minister Laschet.

    SPD-Generalsekretär Hubertus Heil begrüßte den Rückzieher von der Leyens. Die Ministerin habe nicht sauber gearbeitet, sagte er. Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, Jugendliche als Hilfssheriffs der Ordnungsämter einzusetzen, sei Missbrauch. Von der Leyen habe sich offenbar keine Gedanken darüber gemacht, welche Einstellungen bei den Jugendlichen eingeübt würden.

    FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, Kinder müssten geschützt werden, anstatt sie als "Staatspetzen" zu missbrauchen. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist der Anteil der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, seit 2005 wieder gestiegen und liegt derzeit bei 22 Prozent.

    (SZ vom 16.10.2007)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (1)



    15.10.2007 19:34:03

    plexar: bitte etwas mehr information

    da lese ich die überschrift diese artikels:

    "Merkel strikt gegen Kinder als Testkäufer"

    und erhoffe mir dazu eine information und? nix! ich kann im text nicht eine stelle finden, in der konkret auf das strikte ablehen von frau merkel eingegangen wird. wenn ich in der schule einen solchen aufsatz abgegeben hätte, wär dieser mit 5 oder 6 benotet zurückgekommen.

    WARUM in aller welt lehnt frau merkel diesen vorstoß von frau von der leyen ab?

    abgesehn davon, könnt ihr politiker nicht mal was zusammen durchziehen ohne euch gegenseitig zu beschimpfen? was ein theater. ich warte ja schon gespannt auf die rücktrittsforderungen an frau von der leyen. ich mag diese frau auch nicht, aber so langsam nervt mich dieses kasperltheater


    1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet



    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de