Palästinenser sagen Friedensgespräche ab

    Kämpfe im Gazastreifen eskalieren

    01.03.2008, 21:31

    Die palästinensische Führung hat die Friedensgespräche mit Israel abgesagt. Bei den schwersten Gefechten im Gazastreifen seit dem israelischen Abzug vor zweieinhalb Jahren hatten Soldaten bislang mehr als 50 Palästinenser getötet.

    Gazastreifen, afp

    Ein Mitarbeiter eines Rettungsdienstes evakuiert eine Familie, deren Haus im nördlichen Gazastreifen von einer israelischen Bombe getroffen wurde. (Foto: afp)

    Angesichts der israelischen Angriffe im Gazastreifen mit 58 Toten hat die palästinensische Führung am Samstagabend die Friedensgespräche mit Israel abgesagt. Der palästinensische Chefunterhändler Ahmed Kureia habe dies der israelischen Außenministerin Zipi Liwni mitgeteilt, bestätigte Liwnis Sprecher Arye Mekel auf Anfrage. Israel bedauere diese Entscheidung, die in die Hände der radikal-islamischen Hamas spiele. Mekel betonte allerdings, dass die Friedensverhandlungen zu jeder Zeit wieder aufgenommen werden können.

    Die Gefechte waren die heftigsten seit mehreren Monaten: Kämpfer der radikalislamischen Hamas feuerten am Samstag über 40 Raketen und unzählige Gewehrsalven auf den Süden Israels ab. Die israelischen Truppen schossen zurück, unterstützt von Panzern und Kampfflugzeugen. Jerusalem drohte zuletzt mit einer großangelegten Bodenoffensive, wenn der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen nicht eingestellt werde. Ein Israeli wurde vor wenigen Tagen von einer palästinensischen Rakete getötet. Seit dem Ausbruch der jüngsten
    Gewaltwelle am Mittwoch wurden bereits 75 Palästinenser getötet.

    Die Palästinenser im Westjordanland wollen das Leiden im Gazastreifen offenbar nicht länger hinnehmen. Chefunterhändler Ahmed Kureia erklärte am Samstag in Ramallah, die palästinensische Führung habe die Absage von Friedensgesprächen während eines Treffens vereinbart. Kureia sprach von einem Massaker an Zivilpersonen, einem Völkermord, den Israel im Gazastreifen anrichte. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte die Tötung von Zivilpersonen. Die Welt müsse urteilen, wer es sei, der Terrorakte begehe, sagte er. Der oberste Hamas-Führer im Exil, Chaled Maschaal, verurteilte Israels Offensive im Gazastreifen und bezeichnete sie als „wahren Holocaust“.

    In Jerusalem berieten Vertreter des Außenministeriums über die Lage im Gazastreifen und die Auswirkungen. Die Regierung müsse die Offensive weiter fortsetzen, um die rund 200.000 Bürger zu schützen, die permanent mit der Bedrohung der Raketen aus dem Gazastreifen leben müssten, erklärte Regierungssprecher David Baker.

    Am Sonntag wird EU-Chefdiplomat Javier Solana in der Region erwartet. Kommende Woche wird US-Außenministerin Condoleezza Rice in die Region reisen. Israel hat sich 2005 aus dem Gazastreifen zurückgezogen und ihn seit der Machtübernahme der Hamas im vergangenen Jahr quasi hermetisch abgeriegelt.

    Am Morgen brachen schwere Kämpfe östlich der Stadt Dschebelija aus, bei denen mindestens elf militante Palästinenser, aber auch mindestens 16 Zivilpersonen getötet wurden. Drei Menschen wurden nach palästinensischen Angaben getötet, als eine Panzergranate zwei Häuser trafen. Rettungskräfte bargen einen sieben Monate alten Jungen unverletzt aus einem der Häuser. Zudem erlag in der Nacht ein Hamas-Kämpfer seinen am Vortag erlittenen Verwundungen. Nach israelischen Angaben wurden nur Raketenabschuss-Stellungen ins Visier genommen, doch agierten Extremisten teilweise in Wohngebieten. Bei den Kämpfen seien fünf Soldaten verletzt worden.

    In Dschebelija geriet eine Gruppe Journalisten unter Feuer. Ein Kameramann für Dubai TV wurde verletzt. Als Reaktion auf die Kämpfe schlossen die UN 37 von ihnen betriebene Schulen im nördlichen Gazastreifen. Betroffen seien rund 40.000 Schüler, erklärte ein UN-Sprecher.

    Der Beschuss der israelischen Stadt Aschkelon erhöht den Druck auf die Regierung, gegen Raketen aus dem Gazastreifen militärisch vorzugehen. Aschkelon war von den militanten Gruppen bisher häufig anvisiert worden, hatte aber nie direkte Treffer erlitten.

    (AP/dpa/lala/jkr)

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