Rice und Steinmeier eilen in den Nahen Osten

    Kurz vor der Bodenoffensive

    21.07.2006, 22:44

    Die Zeit für internationale Vermittlungen im Nahen Osten wird knapp: Zwar reist schon morgen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in die Region. Am Sonntag folgt seine amerikanische Kollegin Condoleezza Rice. Israel hat aber am Freitagabend ein Großaufgebot von Soldaten und Panzern an der Grenze zum Libanon zusammengezogen.

    Israelischer Panzer, Foto: dpa

    Ein israelischer Panzer an der Grenze zum Libanon. (Foto: dpa)

    Für die unmittelbar bevorstehende Bodenoffensive waren zuvor bereits weitere Reservisten mobilisiert worden.

    Der Libanon drohte seinerseits mit dem Einsatz von Streitkräften, wie Verteidigungsminister Elias Murr ankündigte. Zu Vermittlungsmissionen wollen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und US-Außenministerin
    Condoleezza Rice am Wochenende in die Region reisen.

    Steinmeier fliegt nach Angaben des Auswärtigen Amtes am (morgigen) Samstag los. Ziel ist zunächst Ägypten und dann Israel. Nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel hat die Bundesrepublik allerdings keine Vermittlerrolle im klassischen Sinne. „Aber Deutschland leistet einen Beitrag dazu, dass die internationale Staatengemeinschaft möglichst gemeinsam agiert“, sagte die CDU-Politikerin im ZDF-Sommerinterview.

    Rice: Sofortiger Waffenstillstand ist „falsches Versprechen“


    Rice wird am Sonntagabend in Israel erwartet. Für kommenden Mittwoch ist dann ein internationales Krisentreffen in Rom geplant, an dem die Außenminister der Europäischen Union und Russlands sowie Ägyptens, Jordaniens und Saudi-Arabiens teilnehmen sollen.

    Es gehe darum, die Grundlagen für Stabilität und einen dauerhaften Frieden zu schaffen, betonte die US-Außenministerin. Einen sofortigen Waffenstillstand, wie ihn UN-Generalsekretär Kofi Annan fordert, wies Rice als „falsches Versprechen“ zurück.

    Israel erklärte, die Militäraktion werde erst beendet, wenn die Hisbollah hinter den 30 Kilometer nördlich der libanesischen Grenze verlaufenden Fluss Litani zurückgedrängt sei. Hunderttausende Anwohner wurden zur sofortigen Flucht aus den Regionen südlich des Flusses aufgerufen. Die Vereinten Nationen gehen von mittlerweile rund 500.000 Binnenflüchtlingen im Libanon aus.

    Weitere Raketen auf Israel


    Die Hisbollah schoss derweil mindestens elf weitere Raketen auf die nordisraelische Hafenstadt Haifa ab. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die israelische Luftwaffe bombardierte erneut Ziele in Beirut sowie
    in Tyrus und im östlichen Bekaa-Tal.

    In Baalbek schossen Kampfjets nach Augenzeugenberichten Raketen auf Wohngebiete ab. Auch die Hauptverbindungsstraße nach Damaskus wurde getroffen. Der Gewalt fielen seit dem 12. Juli etwa 360 Libanesen und 35 Israelis zum Opfer.

    Bei Sarit an der israelisch-libanesischen Grenze schlug ein Geschoss in einem Posten der UN-Beobachtertruppe UNIFIL ein. Die israelischen Streitkräfte machten eine Hisbollah-Rakete dafür verantwortlich, ein UN-Offizier sprach jedoch von einem israelischen Artilleriegeschoss. Verletzt wurde niemand.

    Ausländer auf der Flucht


    Unterdessen hielt die Massenflucht von Ausländern an. Bis Freitag verließen schon rund 40.000 Menschen den Libanon. Außerdem verschlechterte sich die Versorgungslage der libanesischen Bevölkerung immer weiter, wie die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
    beklagten. Insgesamt sind nach Angaben der vereinten Nationen 500 000 Menschen im Libanon auf der Flucht.

    Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy kündigte bei einem Besuch in Beirut Hilfslieferungen an. Israel ließ ein französisches Schiff im Hafen von Tyrus andocken. Auch ein Konvoi des Roten Kreuzes traf im südlibanesischen Kampfgebiet ein.

    In den palästinensischen Gebieten gingen die Kämpfe ebenfalls weiter.
    Bei einer Explosion im Haus eines Hamas-Aktivisten in Gaza wurden nach Krankenhausangaben vier Palästinenser getötet. In Nablus im Westjordanland sprengten die israelischen Streitkräfte ein Gebäude der Hamas-Regierung. Dabei kam nach palästinensischen Angaben ein Mensch ums Leben.

    (AP)

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