Barack Obama hat Hillary Clinton bei den Superdelegierten überholt - mit einigen Überläufern. Damit schwinden Clintons Chancen auf die Kandidatur weiter. Ihr bleibt nur die Hoffnung auf einen Skandal Obamas.

Wichtiger Etappensieg für Barack Obama im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten: Der Senator aus Illinois hat jetzt erstmals mehr Superdelegierte hinter sich als seine New Yorker Rivalin Hillary Clinton.

Vier weitere dieser Parteifunktionäre, die bei ihrer Abstimmung auf dem Nominierungsparteitag freie Hand haben, stellten sich am Samstag hinter Obama. Darunter waren auch zwei Delegierte der Jungferninseln, die bislang Clinton unterstützt hatten. Die beiden anderen kamen aus Utah und Ohio.

Beobachter werteten die Tatsache, dass Obama bei den Superdelegierten so kräftig aufholen konnte, als Zeichen, dass er innerhalb der Demokratischen Partei zunehmend als Sieger betrachtet wird. Ursprünglich galten diese Funktionäre eher Clinton zugeneigt.

Vor vier Monaten hatte sie noch 169 von ihnen hinter sich, Obama lediglich 63. Mit den neuen Zusagen für Obama verfügt dieser nun über 275 Superdelegierte, wie die jüngste Zählung der Nachrichtenagentur AP ergab. Clinton hat 271,5 von ihnen auf ihrer Seite.

Insgesamt liegt Obama um rund 165 Delegiertenstimmen vor Clinton.
Auf dem Parteikonvent Ende August in Denver sind 2025 Stimmen für eine Nominierung notwendig. Diese können die beiden Bewerber nur erreichen, wenn sie möglichst viele der insgesamt fast 800 Superdelegierten für sich einnehmen können. Rund 250 von ihnen haben sich noch nicht festgelegt.

Obama macht Wahlkampf in Oregon

Obama machte am Wochenende Wahlkampf im nordwestlichen US-Staat Oregon, wo die Vorwahl am 20. Mai stattfindet. Dabei konzentrierte er sich ganz auf den republikanischer Bewerber John McCain, dessen Kandidatur bereits feststeht, allerdings noch vom Parteitag bestätigt werden muss. Seine Rivalin Clinton ignorierte Obama fast ganz. Dies werteten Beobachter als Zeichen, dass er sich schon sicher sein dürfte, gegen McCain anzutreten.

Clinton will das Blatt unter anderem dadurch wenden, dass die Ergebnisse aus Florida und Michigan miteinbezogen werden. Am Donnerstag appellierte sie in einem Schreiben direkt an Obama, er solle dem ebenfalls zuzustimmen. Die Senatorin hatte die Vorwahlen in beiden Staaten gewonnen, aber der Parteivorstand hatte schon zuvor beschlossen, das Ergebnis wegen einer regelwidrigen Vorverlegung der Abstimmungen nicht zu berücksichtigen.

Beide Bewerber hatten in den Staaten daher keinen Wahlkampf geführt, und Obamas Name stand in Michigan nicht einmal auf dem Wahlzettel. Vor diesem Hintergrund lehnt dieser eine Anerkennung der Delegierten ab, hat aber die Bereitschaft zu einem Kompromiss signalisiert. Obama bliebe trotzdem bei den Delegiertenstimmen insgesamt in Führung. Der für Regeln zuständige Ausschuss des Parteivorstands will Ende Mai beraten.

Trotz ihrer von Experten nur noch als sehr gering eingestuften Chancen auf eine Nominierung lehnt Clinton einen Ausstieg aus dem Rennen weiterhin ab. Sie wehrte sich auch gegen die Unterstellung, sie warte jetzt nur noch auf den richtigen Moment zum Rückzug und wolle ihr Gesicht wahren.

Ihr gehe es darum, die Präsidentschaftskandidatin der Partei zu werden und dafür werde sie weiter kämpfen, betonte sie. Sie versicherte jedoch auch, dass sie den demokratischen Kandidaten in jedem Fall unterstützen werde.

Der Diskussion in amerikanischen Medien zufolge ist Clintons einzige Chance auf die Kandidatur ein Skandal Obamas, der so gravierend ist, dass er die Superdelegierten in Scharen zurück ins Clinton-Lager treibt.

Da kamen der Senatorin die Gerüchte um Hamas-Kontakte eines Obama-Beraters vermutlich gerade recht. Dessen informeller Nahost-Berater Robert Malley hat sich nach Berichten über seine Kontakte zu der radikalislamischen Organisation nun aus der Kampagne zurückgezogen. Er halte es für das Beste, wenn er nicht mehr mit Obamas Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in Verbindung gebracht werde, sagte Obamas informeller Nahost-Berater Robert Malley am Freitag dem US-Fernsehsender NBC.

Seine Arbeit bei der regierungsunabhängigen Organisation International Crisis Group bringe es mit sich, dass er alle möglichen "angenehmen und unangenehmen Menschen" treffe und über deren Ansichten berichte, sagte Malley. Er habe niemals verschwiegen, wer seine Gesprächspartner seien.

Mit dem Schritt reagierte Malley auf Nachfragen der Londoner Zeitung The Times zu seinen Hamas-Kontakten. Seine Kontakte könnten zu sehr von den eigentlichen Inhalten der Obama-Kampagne "ablenken", sagte er NBC. Er wies darauf hin, dass der republikanische Bewerber John McCain bereits versuche, daraus Profit zu schlagen.

Obamas Sprecher Ben LaBolt sah sich am Freitag zu dem Hinweis genötigt, dass Malley niemals Teil von Obamas Wahlkampfteam gewesen sei. Obwohl Barack Obama die Hamas als "Terrororganisation" einstuft, versucht McCain seit einigen Wochen, den jungen Senator als Favoriten der islamistischen Palästinenserbewegung hinzustellen. Nach jüngsten Meinungsumfragen ist jeder siebte US-Bürger davon überzeugt, dass der schwarze Senator muslimischen Glaubens ist.

(dpa/AFP/bavo/bosw)