Nach Aussage des Chefs der Atomenergiebehörde ist Iran noch Jahre von der Atombombe entfernt - selbst wenn sich Teheran zur Entwicklung entschlösse. Gleichzeitig fordert el-Baradei eine drastische Reform der Atomaufsicht.

Mohammed el-Baradei

Der Direktor der internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el-Baradei Foto: AFP

Der Iran braucht nach Einschätzung von IAEA-Chef Mohammed el-Baradei noch drei bis acht Jahre für den Bau einer Atomwaffe.

Selbst wenn die Islamische Republik sich heute zur Entwicklung einer solchen Waffe entscheiden würde, werde ihr diese nicht vor Ende oder Mitte des kommenden Jahrzehnts gelingen, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde in Luxemburg.

Einen Tag nach der Vorlage seines neuen Berichts zum Atomkonflikt rief el-Baradei die Regierung in Teheran und die westlichen Staaten dazu auf, so bald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Der Iran müsse vertrauensbildende Schritte vornehmen und seine Urananreicherung wie vom UN-Sicherheitsrat gefordert aussetzen, sagte el-Baradei bei einer Konferenz über die Gefahren der Atomtechnologie. "Aber auch die internationale Gemeinschaft sollte ihr Möglichstes tun, um den Iran zu einem umfassenden Dialog zu verpflichten.“

El-Baradei forderte des Weiteren eine drastische Reform der internationalen Atomaufsicht. Er werde in den nächsten Wochen ein Maßnahmenbündel vorlegen, um die offenkundigen Mängel bei der Kontrolle des Atomwaffensperrvertrags zu beseitigen, kündigte el-Baradei an.

Der Chef der Atomenergiebehörde verwies darauf, dass der Aufstieg Indiens, Pakistans, Israel und Nordkoreas zu Atommächten durch strukturelle Defizite bei der derzeitigen Atomaufsicht begünstigt worden sei. Einer seiner Vorschläge ziele deshalb auf die Schaffung einer internationalen „Atombrennstoffbank“ ab: Damit würde für jeden Staat mit einem rein zivilen Atomprogramm der Grund entfallen, selbst Uran anzureichern.

Dem IAEA-Bericht zufolge hat der Iran im Widerspruch zu den UN-Forderungen seine Urananreicherung zuletzt massiv ausgebaut. Damit droht dem Land zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Verschärfung der internationalen Sanktionen. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel seines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Er hat dies zurückgewiesen.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte "erhebliche Sorge" über den IAEA-Bericht. Der Iran müsse nun bei den bevorstehenden Gesprächen mit EU-Chefdiplomat Javier Solana "die Voraussetzungen für einen Verhandlungsweg schaffen", drängte die Bundesregierung.

Der US-Botschafter bei der IAEA, Gregory Schulte, kritisierte die Zusammenarbeit Irans mit der UN-Behörde: "Warum sollte die Welt der iranischen Behauptung eines friedlichen Programms Glauben schenken, wenn das Land zunehmend Informationen von der IAEA fern hält?", sagte er.

El-Baradei sagte, seine oberste Priorität sei es, den Iran von einer Urananreicherung in großem Maßstab abzuhalten und damit Spielraum für Verhandlungen zu gewinnen.

Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad kündigte unterdessen weiteren Druck auf Iran an, die Urananreicherung zu stoppen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass der Atomstreit mit dem Iran Thema beim Spitzentreffen der führenden Industrienationen in Heiligendamm sein werde.

Sie forderte Teheran erneut dazu auf, internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Dann wäre die Staatengemeinschaft auch zu einer weit reichenden Kooperation bereit. „Wenn das nicht der Fall ist, wird der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weiter entschlossen reagieren“, sagte Merkel in einer Regierungserklärung.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigte dagegen seine Entschlossenheit, das Atomprogramm weiter voranzutreiben. "Wir fürchten uns nicht vor der psychologischen Kriegführung unserer Feinde, und mit Gottes Hilfe sind wir unseren endgültigen Zielen schon sehr nahe gekommen", sagte er in einer Rede.

(Reuters/AP)