Von Belinda Cooper

Unsicherheit und Angst dominieren den Umgang vieler weißer Amerikaner mit Schwarzen. Auch ein Sieg Obamas wird daran wenig ändern.

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Wie viele Amerikaner werden Barack Obama nicht wählen, weil er schwarz ist? Foto: AP

In North Carolina ist ein toter schwarzer Bär mit einem Plakat von Barack Obama versehen worden. In Missouri wurde auf eine Plakatwand eine Karikatur von "Barack Hussein Obama" geklebt, auf der man den Kandidaten mit einem Turban ausgestattet hatte. In Tennessee wurde ein etwas unbeholfenes Mordkomplott zweier Rassisten gegen Obama aufgedeckt. Und auf einer Party in New York sagen mir Bekannte aus Long Island, dass sie Obama nicht wählen werden - weil er schwarz ist.

Keiner soll sich täuschen: Immer noch gibt es in den USA offenen Rassismus, und er wird manchmal ohne Schamgefühl ausgedrückt. Viele haben während des Wahlkampfs ungenierte rassistische Äußerungen über Obama gehört. Und dort, wo der Rassismus verschwunden zu sein scheint, ist er oft nur subtiler geworden.

Auch deswegen wird nun oft vom "Bradley-Effekt" gesprochen: dem Phänomen, dass schwarze Kandidaten in Amerika bei Umfragen oft weitaus bessere Resultate erzielen als bei der Wahl. Man gibt die Abneigung in Umfragen nicht zu, lebt sie aber in der Wahlkabine aus. Deshalb verlor im Jahr 1982 der demokratische, afroamerikanische Kandidat Tom Bradley überraschend die Gouverneurswahl.

Diffuse Ängste und Vorurteile

Im täglichen Leben spürt man noch die subtilen Formen von Rassismus, in denen weniger bewusste Ablehnung zum Ausdruck kommt - als vielmehr diffuse Ängste und Vorurteile, die auch von den Medien transportiert werden.

Schwarze gelten als eher arm, ungebildet und gefährlich. In dem schwarzen Stadtteil von Brooklyn in dem ich wohne, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Wohnungen verkauft. Gutsituierte weiße Eigentümer sind eingezogen, die jetzt neben langjährigen schwarzen Mietern wohnen. Die meisten der neuen Nachbarn würden sich selbst sicherlich als Liberale bezeichnen. Trotzdem lassen sie immer wieder Bemerkungen fallen wie: "Wir haben die Gegend verbessert" oder "vor zehn Jahren hätte keiner hier wohnen können." Als ob die schwarzen Bewohner nicht da und nie dagewesen wären.

Besonders nach einigen Einbrüchen im Keller ist die Atmosphäre bei uns mittlerweile gespannt. Schwarze sind suspekt. Weiße Einwohner lassen schwarze Handwerker nicht ins Haus. In den Aufzügen und Gängen richten sie versteckte Kameras in den Aufzügen und Gängen ein.

Sie grüßen ihre schwarzen Nachbarn nicht. Dahinter steht keine bewusste rassistische Absicht - sie merken gar nicht, dass sie sich Schwarzen gegenüber anders verhalten als zum Beispiel mir, der Weißen. Ich erkenne die Unwissenheit, Unsicherheit und Angst wieder, die ich auch einmal empfand. Meine schwarzen Nachbarn sehen darin aber nur den altbekannten Rassismus.

Im Wahlkampf wurden ähnlich unbewusste Formen von Rassismus sichtbar: Anfang 2007, Joe Biden hatte gerade seine Kandidatur zur Präsidentschaft erklärt. Und wie beschrieb er seinen damaligen Gegner Barack Obama? Als "wortgewandt, aufgeweckt und gepflegt" die klassischen Code-Wörter, mit denen Weiße anerkennend über "präsentable" Schwarze sprechen.

Implizit unterstellen sie, dass Schwarze sonst eher das Gegenteil davon sind. Biden, den keiner als Rassist bezeichnen würde, war entsetzt, als er kritisiert wurde: So habe er es auf keinen Fall gemeint. Des Musters aber hatte er sich unbewusst bedient.

Wissenschaftlich bestätigt

Dieser unbewusste Rassismus ist auch wissenschaftlich bestätigt worden. Eine Gruppe Psychologie-Professoren hat neulich festgestellt, dass ihre Befragten Barack Obama als weniger amerikanisch als Hillary Clinton empfanden - und sogar als Tony Blair.

Besonders galt dies, wenn in der Frage seine Hautfarbe hervorgehoben wurde. Ähnliche Studien zeigen immer wieder, dass Weiße eher schlechte als gute Wörter mit schwarzen Menschen assoziieren. Eine zunehmende Zahl von Amerikanern will Obama als Präsidenten; Rasse bedeutet ihnen anscheinend immer weniger. Wir sollten aber nicht zu früh feiern, selbst wenn er gewählt wird. Es wird noch dauern, bevor auch die unbewussten Reste des Rassismus völlig verschwunden sind.

Belinda Cooper ist Senior Fellow am World Policy Institute in New York und unterrichtet am "Global Affairs Program" der New York University.

(SZ vom 04.11.2008)