"Die Kultur entartet"

    Empörung über Zitat des Kölner Kardinals Meisner

    14.09.2007, 18:20

    Mit seiner Warnung, Kunst und Kultur ohne Gottesverehrung drohe zu entarten, hat sich Kardinal Joachim Meisner harsche Kritik eingehandelt. Der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Grosse-Brockhoff kritisierte die Bewertung Meisners scharf - das Wort "entartete Kunst" stehe für eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte.

    Kardinal Meisner, ddp

    Die Äußerungen Kardinal Meisners sorgen erneut für Empörung. Schon sein Kommentar zum Chorfenster im Kölner Dom hatte für Wirbel gesorgt. (Foto: ddp)

    Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat gesagt, Kunst und Kultur ohne Gottesverehrung drohe zu "entarten" - und damit nach dem Streit um das Chorfenster des Künstlers Gerhard Richter im Kölner Dom erneut eine Debatte um Kunst und Religion ausgelöst. Wo sich die Kunst vom Religiösen trenne, "erstarrt der Kultus im Ritualismus, und die Kultur entartet.

    "Sie verliert ihre Mitte", sagte der Kardinal am Freitag zur Einweihung des Kölner Diözesanmuseums Kolumba; "vergessen wir nicht, dass es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult gibt".

    Der Sinn von Kunst sei, die Schöpfungsgedanken Gottes in der Welt aufzuspüren und ihnen in Literatur, Musik, Bild oder Plastik erneut Gestalt zu geben. Der über der kriegszerstörten Gotik-Kirche Sankt Kolumba errichtete Museumsbau sei "eine neue Möglichkeit, Menschen mit der Wirklichkeit Gottes in Berührung kommen zu lassen".

    Der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) kritisierte die Bewertung Meisners scharf. "Dass Kardinal Meisner sich zu einem solchen Sprachgebrauch hinreißen lässt, ist erschreckend und zeigt, dass er keinerlei Zugang zu Kunst und Kultur hat", sagte Grosse-Brockhoff dem Kölner Stadt-Anzeiger.

    Das Wort "entartete Kunst" stehe für eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte und einen katastrophalen Umgang mit Kunst und Kultur. Bereits Meisners Äußerungen zum neuen Fenster im Kölner Dom hätten "bewiesen, dass es wenig Sinn hat, mit ihm über Kunst zu diskutieren. Und das sage ich nicht nur als Kulturstaatssekretär, sondern auch als Katholik."

    Über das Chorfenster, dessen abstrakte Gestaltung das Kölner Domkapitel befürwortet hatte, hatte Meisner gesagt, es passe "eher in eine Moschee oder in ein anderes Gebetshaus".

    (SZ vom 15.9.2007)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de