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"Sie wird ein Wunder benötigen"
Ex-Präsidentschaftskandidat McGovern
15.05.2008, 17:46
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Glücklichere Tage: Im Herbst 2007 absolvierte George McGovern sogar Wahlkampfauftritte für Hillary Clinton. (Foto: AP)
Für Hillary Clinton wird es eng bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft. Was eine Niederlage nach Jahren des Kampfes für sie bedeuten würde, kann wohl kaum einer besser beurteilen als George McGovern. Zweimal, 1968 und 1984, unterlag der heute 85-jährige Demokrat bei den Vorwahlen. 1972 fügte ihm Richard Nixon eine heftige Niederlage zu, von der sich McGovern bis heute nicht erholt hat. Trotzdem hat auch der langjährige Senator seine einstige politische Ziehtochter gerade fallen lassen.
SZ: Senator McGovern, welche Chancen hat Hillary Clinton jetzt noch, das Ruder herumzureißen?
McGovern: Ich denke, es ist vorbei, Barack Obama dürfte das Rennen für sich entschieden haben. Er liegt in jeder Hinsicht vorn: bei den Delegierten, bei den Superdelegierten und in den Umfragen.
SZ: Trotzdem verkündet sie, es sei erst vorbei, wenn die Frau im Hosenanzug sagt, es sei vorbei. Die pure Verzweiflung?
McGovern: Oh, sie hat jedes Recht weiterzumachen. Das würde ich nie kritisieren. Sie ist eine Kämpferin, ich bewundere ihre Standfestigkeit und ihren Mut. Sie wird ein Wunder benötigen, um Amerika umzustimmen, aber in der Politik ist alles möglich, man weiß erst, wie es ausgeht, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist.
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SZ: Es sind die teuersten und härtesten Vorwahlen der US-Geschichte. Seit Jahren arbeitet Clinton darauf hin, Präsidentin zu werden. Wie fühlt man sich, wenn alles zusammenbricht? Kapiert man das?
McGovern: Natürlich ist die Enttäuschung riesig. Es ist unglaublich hart, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Aber ich weiß darüber hinaus, dass auch nach einer Niederlage die Sonne im Osten wieder aufgeht. Das Leben geht weiter. Hillary Clinton wird eine sehr einflussreiche Politikerin bleiben, egal, wie dieses Rennen ausgeht. Sie ist noch relativ jung.
SZ: Clinton hat vor 36 Jahren in Ihrem Wahlkampfteam angefangen. Sie war Ihre Kandidatin. Erst vor wenigen Tagen haben Sie ihr die Unterstützung entzogen und sich Obama zugewandt. Warum?
McGovern: Es stimmt, dass ich sie zuerst unterstützt habe, aber ich kannte Barack Obama ja nicht, ich hatte ihn nie getroffen. Je länger ich seinen Wahlkampf verfolgte, desto beeindruckter war ich von ihm. Beide Kandidaten sind sehr erfolgreich, aber am Ende geht es einzig darum, wer von beiden bei den Amerikanern besser ankommt. Obama erscheint als das frischere Gesicht mit den frischeren Ideen. Er wird auch John McCain schlagen.
SZ: Kommt diese Erkenntnis nicht ein wenig spät? Man könnte Ihnen Loyalitätsmangel vorwerfen. Oder Opportunismus.
McGovern: Nein, so ist Politik. Auch Senator Clinton weiß, dass man da abwägen muss: Auf der einen Seite steht die Loyalität zu ihrer Person und auf der anderen die Loyalität zu meiner Partei, zu meinem Land, zu meinem Gewissen. Senator Clinton ist jetzt vielleicht etwas enttäuscht von mir, aber unsere enge Freundschaft wird das nicht beschädigen.
SZ: Was bedeutet eine solche Niederlage in einem Land, das wie kein zweites seine Sieger feiert und Verlierer vergisst?
McGovern: Das ist schwer einzuschätzen. Sicherlich lieben wir Sieger hier ungemein. Aber zu verlieren ist selbst in den USA nicht das Ende. Wir lieben auch zweite Chancen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Hillary Clinton zu einem späteren Zeitpunkt wieder Kandidatin wird. Denken Sie an Richard Nixon. Der hat nach seinen Misserfolgen gegen John F. Kennedy und bei den Governeurswahlen in Kalifornien verbittert seinen Rückzug aus der Politik verkündet. Er sagte: Richard Nixon stoßt ihr nicht mehr herum! Wenige Jahre später war er Präsident.
SZ: Nixon hat Ihnen 1972 eine historische Wahlschlappe zugefügt. Wie haben Sie den Tag erlebt? Hofft man bis zuletzt oder sieht man die Niederlage kommen?
Im zweiten Teil verrät McGovern, was er dachte, als er am Grab seines ehemaligen Rivalen Richard Nixon stand.
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