Köhler will neue Auszeichnung für tapfere Soldaten

    Bundeswehr

    06.03.2008, 13:39

    Deutsche Soldaten sollen erstmals seit 1945 wieder mit einem Orden für Tapferkeit ausgezeichnet werden können. Dies befürwortet der Bundespräsident. Es gehe um eine "Neuauszeichnung", keine Wiederauflage des Eisernen Kreuzes.

    Bundeswehr Köhler Eisernes Kreuz; APGrossbild

    Das "Eiserne Kreuz" ziert alle Bundeswehrfahrzeuge, als Form für Tapferkeitsauszeichnungen ist es umstritten. (Foto: AP)

    Bundespräsident Horst Köhler hat eine neue Auszeichnung für Tapferkeit von Soldaten auf Anregung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) grundsätzlich gebilligt.

    Wie ein Sprecher des Bundespräsidialamtes in Berlin sagte, soll es eine weitere Stufe des sogenannten Ehrenzeichens der Bundeswehr für "außergewöhnlich tapfere Taten“ geben. Bisher gibt es drei Stufen dieser Auszeichnung - mit der Ehrenmedaille vier. Auch von diesen solle es Sonderausführungen für besonders herausragende Einzelleistungen geben.

    Den Angaben zufolge wird Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) formell den Antrag für das Änderungsverfahren für die neuen Auszeichnungen stellen.

    Jung bezeichnete die Tapferkeitsorden für Soldaten als richtig und wichtig. Bisher habe es nur Auszeichnungen für die Dauer des Dienstes, aber keine besondere Ordensbezeichnung für Tapferkeit von Soldaten gegeben, sagte Jung am Donnerstag in Berlin. Derartige Beurteilungskriterien seien von entscheidender Bedeutung. Die Bundeswehr sei eine "Armee im Einsatz für den Frieden" geworden. Die Soldaten im Einsatz seien mit dem Risiko für Leib und Leben besonders gefordert. Es sei richtig, besondere Leistungen zu würdigen.

    Im Gegensatz zu anderen Nato-Staaten vergab Deutschland seit 1945 keine Tapferkeitsorden mehr an seine Soldaten. Bislang gab es nur Einsatzmedaillen, die für jeden Auslandseinsatz vergeben werden, der länger als 30 Tage dauert. Das Ehrenzeichen der Bundeswehr ist vor allem mit der Dienstdauer des Soldaten verbunden. Es ähnelt der Form des Eisernen Kreuzes, dem Ehrenzeichen, das bis 1945 tapferen deutschen Soldaten verliehen wurde. Die Verleihung von Orden und Ehrenzeichen obliegt dem Bundespräsidenten.

    Dem Verteidigungsministerium zufolge wurde seit 2006 mit dem Bundespräsidialamt darüber beraten, einen neuen Orden für besondere Tapferkeit von Soldaten zu schaffen. Es gehe um eine Neuauszeichnung, sagte Jungs Sprecher Thomas Raabe. Zu keinem Zeitpunkt sei daran gedacht worden, das Eiserne Kreuz wieder aufleben zu lassen.

    Wie der Orden aussehen könne, sei offen. Es gehe auch nicht um eine Auszeichnung für Tapferkeit im Krieg, weil die Bundeswehr nicht im Krieg sei.

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass der CDU- Bundestagsabgeordnete und Präsident des Reservistenverbandes, Ernst- Reinhard Beck, für den Orden die Form des Eisernen Kreuzes vorgeschlagen habe. Schließlich trügen alle Schiffe, Fahr- und Flugzeuge der Bundeswehr dieses Symbol, sagte Beck laut FAZ.

    1813 hatte König Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung gestiftet. 1870, 1914 und 1939 wurde es neu gestiftet. Adolf Hitler ließ in der Mitte des Ordens das Hakenkreuz einfügen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es mehrere Millionen Mal verliehen - seit 1945 nicht mehr.

    Jedoch tragen alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr das Symbol des Eisernen Kreuzes als Hoheitszeichen. Es ist nach den Traditionsrichtlinien für die Bundeswehr Sinnbild für Tapferkeit, Freiheitsliebe und Ritterlichkeit.


    » Das Eiserne Kreuz ist in Krisenregionen zu einem Zeichen der Hoffnung, Hilfe und Solidarität geworden. «

    Hans-Ulrich Wehler, Historiker

    Der Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler sagte, die Bundesrepublik sei nach der Wiedervereinigung als "Normalstaat“ in das internationale Staatenbündnis zurückgekehrt. Die Konsequenz daraus seien Auslandseinsätze der Bundeswehr. Diese hätten zwangsläufig militärische Situationen zur Folge, "für die man tapfere Soldaten wird auszeichnen wollen“.

    Aber das Eiserne Kreuz wie es im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten in mehreren Abstufungen mit und ohne Eichenlaub verliehen wurde, hält er für zu stark belastet.

    Beck sagte laut FAZ, zwar sei mit dem Eisernen Kreuz entsetzliches Unrecht durch die Wehrmacht verbunden, doch reiche die Tradition weit darüber hinaus. "Das Eiserne Kreuz ist in den Krisenregionen der Welt zu einem Zeichen der Hoffnung, der Hilfe und der Solidarität geworden, für das wir uns keinesfalls schämen müssen.“

    Der Petitionsausschuss des Bundestags hat dem Blatt zufolge eine Eingabe mit wohlwollender Prüfungsempfehlung weitergegeben, wonach angesichts der Einsatzwirklichkeit der Bundeswehr eine Tapferkeitsauszeichnung eingeführt werden sollte.

    (dpa/grc/bavo/jkr)

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    Leserkommentare (69)



    07.03.2008 14:04:28

    Expat: Noch'n Gedicht...

    ... von Erich Kästner. Lesenwert. Titel: "Wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte"

    (nachzulesen unter:http://www.gedichte.vu/?die_andere_moeglichkeit.html).

    Wie wir wissen, haben wir den Krieg nicht gewonnen. Dafür suchen wir uns jetzt Stellvertreterkriege ("Auslandseinsätze" zur Verteidigung Groß-Deutschlands, das vorerst am Hindukusch endet - so die Sprachakrobatik, um die Umgehung des Grundgesetzes zu rechtfertigen). Natürlich brauchts da auch all das dazugehörige Drum und Dran, die Stimmungsmacher,die den Verstand vernebeln, zum Beispiel :Blechmusik und Blech an der Brust.


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