Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles räumt ein, dass ihre Partei derzeit ein schlechtes Bild abgibt. Gleichwohl stärkt sie Kurt Beck demonstrativ den Rücken.

Andrea Nahles beim SPD Bundesparteitag im Oktober 2007. Foto: APBild vergrößern

Andrea Nahles liest ihren Kollegen die Leviten. Archivfoto: AP

Nach Ansicht der stellvertretenden SPD-Chefin Andrea Nahles muss die Führung der Partei künftig besser zusammenarbeiten. "Ich glaube, dass man insgesamt die Teamleistungen der SPD-Spitze noch verbessern muss“, sagte Nahles im Deutschlandfunk.

Auch sie selbst sei dafür mitverantwortlich, dass die SPD in der Öffentlichkeit Erfolge verschenke, die dann der CDU zugeschrieben würden.

"Ich habe den Eindruck, dass zu viel auf Kurt Beck abgewälzt wird, auch an Verantwortung, und dass es eine Beruhigung braucht und auch ein stärkeres Zusammenarbeiten."

Trotz des schlechten Erscheinungsbildes ihrer Partei stellte sie sich demonstrativ hinter den Vorsitzenden. Sie hoffe, dass Beck nach der Bundestagswahl 2009 Kanzler werde, sagte die Parteilinke dem Deutschlandfunk.

Sie widersprach Berichten, wonach sich die SPD-Spitze intern bereits auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier, einen der beiden anderen Beck-Vize, als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel festgelegt habe und verwies auf den vereinbarten Zeitplan: "Das entscheiden wir im Herbst.“

Seit langem wird darüber spekuliert, dass die SPD statt Beck Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Bundestagswahl im September 2009 ins Rennen schicken könnte.

"Versetzung gefährdet"

Nahles äußerte, dass im Zeugnis der SPD derzeit stehen müsse: "Versetzung gefährdet". Die Partei müsse selbstbewusster und harmonischer auftreten. Es sei aber falsch, Kurt Beck alleine für alle Probleme verantwortlich zu machen.

Außerdem verteidigte Nahles die Entscheidung der SPD, mit Gesine
Schwan eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten
aufzustellen. Bundespräsident Horst Köhler habe zwar "einen guten
Job" gemacht.

Schwan könne es aber noch besser, meinte Nahles. Zum einen wäre die Wahl der langjährigen Präsidentin der Viadrina-Universität ein Signal für eine stärkere Zusammenarbeit mit Osteuropa. Zum anderen sei es an der Zeit, dass eine Frau das höchste Amt im Staate bekleide.

Nahles fügte hinzu, man hoffe bei der Bundespräsidentenwahl auch auf Stimmen der Linkspartei für die SPD-Kandidatin. Sie hob hervor, es werde vielleicht das eine oder andere Gespräch mit der Linkspartei geben. Etwaige Koalitionen oder feste Vereinbarungen schloss Nahles dagegen erneut kategorisch aus

Die SPD kam im jüngsten ZDF-Politbarometer auf 26 Prozent, CDU/CSU auf 39 Prozent. Beck kam auf den drittletzten Platz der wichtigsten zehn Spitzenpolitiker. Hinter ihm lagen nur noch die Links-Politiker Gregor Gysi und Oskar Lafontaine. Merkel führte dagegen die Beliebtheitsskala knapp vor Steinmeier an.

(dpa/Reuters/gdo/cmat)