Heiko Flottau

Saudischer Monarch in der Islamisten-Falle - ein Portrait

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König Fahd Bin Abdul Asis. ()

(SZ vom 25.9.2001) Als Fahd Bin Abdul Asis im Jahre 1982 den Thron Saudi- Arabiens bestieg, fragte ihn ein Journalist, was er als das größte Problem seiner bevorstehenden Regentschaft betrachte. Der neue Monarch sagte nur ein einziges Wort: „Fanatismus“. Es ist eines der großen Paradoxa des Hauses Saud, dass es jenen Fanatismus selber gezüchtet hat, der ihm jetzt Probleme zu bereiten droht. Denn ein fanatisch puritanischer Islam bildet die ideologische Grundlage der saudischen Macht.

Als in Iran Schah Reza sein Land reformierte und Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei das Kalifat abschaffte, errichtete Fahds Vater, Staatsgründer Abdul Asis Ibn Saud, auf der Arabischen Halbinsel einen archaisch anmutenden Gottesstaat. Dieser Staat beruht auf einer Variante des Islam, die zur gleichen Zeit die ägyptischen Muslimbrüder predigten: Frauen unter den Schleier und ins Haus, Anwendung der Scharia. Mit seinen immensen Ölgeldern finanziert das Königreich seitdem islamische und radikal islamistische Bewegungen überall auf der Welt – in den USA, in Europa, in Palästina die Hamas und in Afghanistan die Taliban. Nun aber ist Saudi-Arabien durch seinen abtrünnigen Sohn Osama bin Laden selbst vom Fanatismus bedroht.

Das Königreich und sein Herrscherhaus sitzen in der Falle. Allerdings ging es dem Haus Saud erst in zweiter Linie um den Islam. Ein intimer Kenner des Königreiches hat einmal das eigentliche Ziel der Herrscher von Riad in einem simplen Satz zusammengefasst: „Die Politik des Hauses Saud dient der Machterhaltung des Hauses Saud.“ Das Mittel zur Rechtfertigung dieser Macht in der muslimischen Umwelt ist ein „islamistischer Islam“.

König Fahd Bin Abdul Asis jedoch kann so gut wie nichts mehr tun, um sein Königreich aus jener Misere zu retten, in welche er es selbst mit hineingeführt hat. König Fahd ist krank. Die Staatsgeschäfte hat er deshalb an Kronprinz Abdallah übergeben. Der ist nur wenig jünger als Fahd. Doch beide sind sie in ihrer Ideologie und in ihren Familienbanden gefangen.

Fahd, 1921 geboren, ist der elfte von – mindestens – 43 Söhnen des Staatsgründers Abdul Asis Ibn Saud. Seine königliche Karriere wurde durch die Tatsache gefördert, dass er der zweite Sohn von Hassa Bint Sudairi, der Lieblingsfrau Ibn Sauds, ist. Der Sudairi-Clan ist einer der bedeutendsten auf der Halbinsel. Die acht Söhne, die Ibn Saud mit Hassa Bint Sudairi zeugte, bilden die Elite des Königshauses.

Es hält sich seit 1932 an der Macht – länger als viele vorausgesagt haben. Krisen hat es allerdings einige durchgemacht: 1979 eine Revolte islamistischer Heloten in Mekka, 1987 einen von Ayatollah Chomeini inszenierten Aufstand während der alljährlichen Wallfahrt, dazu zwei Kriege am Golf. Und nun die Taliban. Der kranke König Fahd, Kronprinz Abdallah und Tausende von Prinzen des Hauses Saud müssen umdenken. Erstmals in ihrer Geschichte müssen die Saudis den Islamismus bekämpfen. Und dabei gilt mehr denn je: Politik des Hauses Saud ist Politik zur Machterhaltung des Hauses Saud.

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