Der große Sohn ist sauer auf die Heimat

    Österreich, Schwarzenegger und die Todesstrafe

    20.12.2005, 12:33

    Von Bernd Oswald

    Lange hat Arnold Schwarzenegger seine österreichische Heimat mit Ignoranz gestraft, als sie ihn wegen der jüngsten Hinrichtung in Kalifornien anging. Jetzt hat er sein Schweigen gebrochen und einen geharnischten Brief in die Steiermark geschickt - samt Grazer Ehrenring.

    Grossbild

    Das Original des Schwarzenegger-Briefes an die Stadt Graz (Quelle: Stadt Graz, www.graz.at)

    Seit Österreich nur noch ein kleines Land in Mitteleuropa ist, ist es nicht mehr allzu weit her mit der ersten Zeile der Nationalhymne: „Heimat bist Du großer Söhne“. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Austria zur Heimat großer Sportler. Niki Lauda und eine ganze Armada von vortrefflichen Skifahrern. Auch der aktuell berühmteste Sohn ist durch den Sport groß herausgekommen – wenn man denn Bodybuilding als solchen bezeichnen will: Arnold Alois Schwarzenegger. Er brachte es zum „Mister Universum“, zum Hollywoodstar, vor zwei Jahren gar zum Gouverneur Kaliforniens.

    Schon zuvor war „Arnie“ der größte Sohn des Landes. Aber als er das Zepter in Amerikas Sunshine-State übernahm, brach sich eine nie da gewesene Heldenverehrung Bahn. Wahlparties im ganzen Land, sogar Bundeskanzler Schüssel feierte mit. „Governor Schwarzenegger“ wurde gar auf einer österreichischen Briefmarke verewigt, nicht auf einer einfachen 55 Cent-Marke, sondern gleich auf der für einen ganzen Euro.
    Das gleiche Bild in der Steiermark, der Schwarzenegger entstammt: Sein Heimatort Thal ernannte ihn zum Ehrenbürger. Die Landeshauptstadt Graz verlieh ihm den Ehrenring. Absoluter Kulminationspunkt: Die Fußballarena wurde in Arnold-Schwarzenegger-Stadion umbenannt.

    Die innige Zuwendung war aber meist eine ziemliche Einbahnstraße. Im November 2003 wollte die damalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic zur Schwarzeneggers Amtseinführung fahren, sparte sich dann aber doch die Demütigung, das ohne Einladung zu tun. Die angesehene österreichische Zeitung Der Standard höhnte jüngst gar, der berühmte Auslandsösterreicher bringe seine Grazer Wurzeln seltener zur Sprache als Kreise der ÖVP.

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