Bei einem Selbstmordanschlag im Parlamentsgebäude in Bagdad sind am Donnerstag nach Angaben der US-Armee mindestens acht Menschen getötet worden, unter ihnen drei Abgeordnete. Mindestens 23 Menschen seien verletzt worden. Wenige Stunden zuvor hatte sich ein Selbstmordattentäter auf einer Brücke in Bagdad in die Luft gesprengt und zehn Menschen getötet.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel in der Kantine in die Luft. Die Explosion ereignete sich zur Essenszeit um 15 Uhr Ortszeit (13 Uhr MESZ).
Das Gebäude liegt in der sogenannten grünen Zone, zu der auch die wichtigsten Ministerien und die US-Botschaft gehören. Das Viertel ist durch Betonsperren gesichert und kann nur nach strengen Kontrollen betreten werden. Wie der Nachrichtensender al-Arabija berichtete, handelt es sich bei den Toten um Mohammed Awad von der sunnitischen Nationalen Dialogfront sowie um einen Abgeordneten der Liste für Versöhnung und Befreiung.
Zu dem Anschlag bekannte sich nach einem Bericht des US-Magazins Time das Terrornetzwerk al-Qaida. Laut Time erschien auf der Website "muslim.net" ein Schreiben, in dem die von al-Qaida kontrollierte Organisation "Islamic State in Iraq" den Anschlag als eine "Botschaft an alle" bezeichnete, "die mit den Besatzern und ihren Agenten zusammenarbeiten".
Augenzeugen und Sicherheitskreise sprachen zwar von einem Selbstmordattentat. Einige Journalisten in Bagdad erklärten jedoch, es sei nicht auszuschließen, dass die zweite Etage des Kantinenblocks von einer Granate oder Rakete getroffen worden sei.
Auf einer Brücke über den Tigris im Norden von Bagdad riss ein Selbstmordattentäter am frühen Morgen zehn Menschen mit in den Tod und verletzte 26. Als sein Lastwagen explodierte, wurde ein Teil der Brücke zerstört. Etliche Menschen stürzten mit ihren Autos in den Fluss. Die El-Sarafija-Brücke verbindet das schiitische Viertel El Atafija am Westufer mit dem sunnitischen Viertel Wasirija am Ostufer. Die Brücke ist eine der höchsten und ältesten von Bagdad.
Der bisher schwerste Anschlag in der grünen Zone ereignete sich am 14. Oktober 2004, als Aufständische auf einem Markt und in einem populären Café Bomben entzündeten. Am 25. November 2004 tötete ein Granatenbeschuss vier Angestellte einer britischen Sicherheitsfirma. Und am 29. Januar 2005 griffen Aufständische die US-Botschaft mit einer Rakete an. Dabei wurden zwei Amerikaner getötet - ein Zivilist und ein Marinesoldat.
Die US-Regierung verurteilte den Selbstmordanschlag im Parlamentsgebäude. Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Donnerstag, der Anschlag sei das Werk von ,,Terroristen‘‘. Die Täter und Hintermänner wollten die Iraker um eine Zukunft in Demokratie und Stabilität bringen, sagte Rice.
Die im Irak und in Afghanistan eingesetzten US-Soldaten müssen künftig 15 statt zwölf Monate dort bleiben. Verteidigungsminister Robert Gates begründete die ,,ab sofort‘‘ geltende Regelung damit, dass sonst die Aufstockung der Truppen im Irak nicht gewährleistet werden könne. Durch die Regelung könne der erhöhte Truppenbedarf im Irak bis mindestens April kommenden Jahres gesichert werden, sagte Gates am Mittwoch (Ortszeit).
Nach höchstens 15 Monaten sollten die Soldaten dann wieder auf ihre Heimatstützpunkte zurückkehren dürfen. Zwischen zwei Einsätzen sollten sie sich mindestens zwölf Monate erholen können. Laut Generalstabschef Peter Pace gilt die Regelung nur für die Landstreitkräfte.
Bushs neue Irak-Politik sieht vor, die US-Truppen um 30.000 Soldaten zu verstärken. Derzeit sind dort etwa 145000 Armeeangehörige stationiert, bis Juni soll ihre Zahl auf 160000 steigen. Mit der Truppenaufstockung hofft Bush, die Gewalt vor allem in Bagdad eindämmen zu können.Die Demokraten kritisierten die Maßnahme. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, Robert Gates’ Ankündigung unterstreiche nur die Tatsache, dass nun die amerikanischen Soldaten und ihre Familien "die Bürde des Irak-Krieges" tragen müssten.





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