Von Patrick Illinger

Geophysiker können nicht ausschließen, dass Pjönjang nur einen konventionellen Sprengsatz gezündet hat - für einen Nukleartest war die Explosion erstaunlich schwach.

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Karte japanischer Seismologen von der Explosion in Nordkorea Foto: AP

Wenn es irgendwo auf der Welt knallt, dann setzt sich sofort eine den Globus umspannende, vollautomatische Maschinerie in Gang. Mehr als 50 seismologische Stationen weltweit, eine davon im Bayerischen Wald, registrieren jede Schwingung des Erdbodens. Elf Unterwasser-Horchposten belauschen die Weltmeere, an 60 Orten über der Erde werden Töne aufgezeichnet, die unter dem hörbaren Frequenzbereich liegen, und 80 Spektrometer schnüffeln in der Atmosphäre nach Spuren verdächtiger Radioaktivität.

Zusammengeführt wird diese Datenfülle über ein Satellitennetzwerk in Wien bei der CTBTO, einer internationalen Organisation, deren Aufgabe es ist, heimliche Kernwaffentests noch im hintersten Winkel der Erde aufzuspüren. Von Wien aus fließen dann die Informationen über verdächtige Ereignisse nach einem genau festgelegten, automatisierten Stufenplan an die Unterzeichnerstaaten des Atomwaffenteststopp-Vertrags von 1996, dem Comprehensive Nuclear-Test-Ban-Treaty, CTBT. Eines der letzten Glieder in der Informationskette ist das Handy von Manfred Henger.

"Eigentlich hatte ich die Nachricht schon am Sonntag erwartet", sagt der Geophysiker, der das Referat für seismische Datenanalyse bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover leitet. Montagfrüh, kurz nach sechs, habe er dann gewusst: "Jetzt gibt’s Arbeit." Als deutsche Kontaktstelle für die CTBTO bekam Hengers Abteilung im Laufe des Montags aus Wien weitere Daten über die Explosion in Nordkorea.

Nach einer ersten Analyse der CTBTO-Daten und einem Vergleich mit anderen wissenschaftlichen Messstationen, kamen auch Manfred Henger und sein Team zu dem Ergebnis: Eine Explosion hat am Montag um 3:35 Uhr deutscher Zeit den Erdboden im Nordosten Nordkoreas mit der Stärke 4 erschüttert.

In der ersten CTBTO-Mitteilung war die Magnitude noch mit 3,3 angegeben. In jedem Fall sprechen Experten von einem "relativ schwachen Ereignis". Dennoch registrierte auch das seismische Observatorium der BGR im Bayerischen Wald die Stoßwellen, die 11,6 Minuten von Fernost nach Bayern brauchten.

Aus dem derzeit vorliegenden Datenmaterial schätzt Henger die Stärke der Explosion auf eine halbe bis eine Kilotonne TNT. Sollte es sich also, wie von Pjöngjang behauptet, um einen Nukleartest gehandelt haben, so wäre der Sprengsatz erstaunlich klein gewesen.

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