Warum Deutschland beim Weihnachtsfest einen Sonderweg geht, Santa Claus eine beachtliche Laufbahn hingelegt hat und der Nikolaus der "Sieger des Volkes" ist. Eine sprachliche Einführung in die wichtigsten Weihnachtsbegriffe von Wolfgang Koydl.

Santa Claus; ReutersBild vergrößern

Wurde unter amerikanischem Einfluss zum Xmas-Werbeträger: Santa Claus Foto: Reuters

Weihnachten, Christmas, Noël, Roschdestwo, Navidad, Natale oderJul - die ganze Christenheit feiert dieses Fest. Da sollte man meinen, dass es auch denselben, oder zumindest einen ähnlich klingenden Namen hat.

Tatsächlich ist dies der Fall, einmal abgesehen von deutschen, englischen und skandinavischen Besonderheiten. Denn die französische, italienische, spanische und sogar die russische Version umschreiben nichts anderes als wortwörtlich und buchstäblich die Geburt - mithin den Geburtstag des Herrn. (Das ebenfalls romanische Rumänische liebt es noch ein wenig bombastischer und nennt Weihnachten Crăciun - die Schöpfung.)

Die deutsche Weihnacht freilich geht andere Wege, sprachlich gesehen. Sie ist die geweihte Nacht, und die gemeinhin gebräuchliche Pluralform Weihnachten leitet sich aus dem althochdeutschen Dativ von ze wihen nahten (in den heiligen Nächten) ab. Gemeint war nicht allein die Christnacht, sondern alle Mitwinternächte rund um den Jahreswechsel.

Das Wörtchen wih bedeutete übrigens ausschließlich im Süden Deutschlands soviel wie heilig. Nach Norddeutschland brachten angelsächsische Missionare von den britischen Inseln stattdessen das alt-englische Wort halig mit, das zuerst heil oder unversehrt bedeutete, bevor es sich zum Begriff heilig verdichtete und allmählich wih verdrängte. Es blieb nur erhalten im Verb weihen, im Weihrauch und in Ortsnamen wie Weihenstephan. Vor dessen Produkten sind freilich schon viele andächtig auf die Knie gegangen.

Christmas wiederum bezeichnet einfach die Messe (mass), die zu Ehren Christi gelesen wird. Es ist vergleichbar mit Michaelmas, an dem in ländlichen englischen Gebieten am 29. September noch immer das Fest des heiligen Michaels gefeiert wird.

Am resistentesten gegen christliche Einflüsse haben sich die Skandinavier erwiesen. Ihr Jul-Fest mag zwar Weihnachten beschreiben, doch das Wort ist viel älter und geht auf ein heidnisches Mitwinterfest zurück, das insofern an moderne Weihnachten erinnert, weil es von Ende Dezember bis Anfang Januar stattfand und mit gigantischen Fressorgien begangen wurde.

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