85.000 jüdische Soldaten zogen im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich an die Front. Viele von ihnen wurden später in Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Der neu gegründete "Bund jüdischer Soldaten" in der Bundeswehr erinnert daran.
Im Ersten Weltkrieg zogen 85.000 jüdische Soldaten für das Kaiserreich an die Front, mehr als 12.000 von ihnen verloren ihr Leben.
Ab 1933 wurden Soldaten jüdischer Abstammung aus der Armee gedrängt, viele der zum Teil hochdekorierten Soldaten wurden später in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet.
Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehören der Bundeswehr auch wieder jüdische Soldaten an. Ihre genaue Zahl ist unbekannt, liegt aber wohl im dreistelligen Bereich.
Einige von ihnen haben sich inzwischen im "Bund jüdischer Soldaten" zusammengeschlossen, der am Wochenende in Berlin zu seiner ersten Tagung zusammenkommt. Der "Bund jüdischer Soldaten" versteht sich nicht als Interessenvertretung jüdischer Soldaten in der Bundeswehr und will auch nicht zu parteipolitischen, innerjüdischen und religiösen Fragen Stellung nehmen.
Es gehe dem Verein vielmehr darum "an die Geschichte zu erinnern", sagt Hauptmann Michael Berger, der den "Bund jüdischer Soldaten" vor einem Jahr mit acht Gleichgesinnten gegründet hat.
Vielmehr will der Verein, dessen Mitgliederzahl im zweistelligen Bereich liegt, das Andenken an die Juden bewahren, die in den vergangenen 200 Jahren in den Armeen des Kaiserreiches und der Weimarer Republik Dienst taten.
Die historische Rolle der Juden in den deutschen Streitkräften ist auch Thema der Konferenz am Sonntag und Montag. Neben jüdischen Soldaten stehen auch Vertreter des Bundeswehrverbandes, des Zentralrates der Juden in Deutschland und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz auf der Teilnehmerliste.
Zum Volkstrauertag am Sonntag erinnert zudem die Israelitische Kultusgemeinde in München an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten. An dem Feierlichkeiten auf dem Neuen Israelischen Friedhof nimmt auch Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) teil.
Besonders am Herzen liegt dem "Bund jüdischer Soldaten" zu erforschen, "wie es den ehemaligen jüdischen Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs und ihren Familien in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erging", sagt der Berufsoffizier Berger.
Der Verein sieht sich in der Tradition des 1919 gegründeten "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten", dessen Abkürzung "RjF" er auch übernommen hat. Der "Reichsbund", dem zeitweise 40.000 Mitglieder angehörten, hatte in der Weimarer Republik mit dem zunehmenden Antisemitismus zu kämpfen.
Nach der Machtübernahme Hitlers erklärten die Nationalsozialisten die Juden für "wehrunwürdig. Ab 1936 verboten die Nazis dem "RjF" jegliche politische Betätigung. Nach der Pogromnacht 1938 musste er wie alle anderen jüdischen Organisationen seine Arbeit einstellen. "Die Geschichte der jüdischen Soldaten endete auf den Höfen der Konzentrationslager", sagt Berger.
Wie viele jüdische Soldaten heute in der Bundeswehr Dienst tun, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, denn die Angabe der Religionszugehörigkeit ist freiwillig. Nachkommen von Holocaust-Opfern können sich außerdem vom Wehrdienst zurückstellen lassen.
Das sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr schätzt die Zahl jüdischer Soldaten auf rund 150. Der Rabbiner Walter Homolka hält dies für den maximalen Wert. Im Unterschied zu den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten die Vorbehalte von Juden, in der Bundeswehr Dienst zu tun, allerdings stark abgenommen. Auch, weil die Bundeswehr "auf dem Weg zu einer Truppe" sei, "die mit anderen Truppen gemeinsam Friedensmissionen wahrnimmt", sagt Homolka.
(afp, Rita Nikolow/jkr)



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