Moderation: Thorsten Denkler

Hat Schwarz-Grün Zukunft? Die Chefs der Jugendorganisationen von Union und Grünen antworten: Philipp Mißfelder und Max Löffler im Streitgespräch.

Philipp Mißfelder und Max Löffler

Die Milieus, aus denen Junge Union und Grüne Jugend ihre Mitglieder rekrutieren, sind ähnlich. Für Schwarz-Grün können sich Philipp Mißfelder (li.) und Max Löffler derzeit dennoch nicht erwärmen. Foto: Thorsten Denkler

Das Café am Neuen See, direkt am Tiergarten in Berlin. Hier haben sich vor einigen Jahren Angela Merkel und Renate Künast getroffen, um schwarz-grüne Gemeinsamkeiten auszuloten. Diesmal stellen sich der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, 29, und sein Pendant von der Grünen Jugend, Max Löffler, 21 der Herausforderung.

sueddeutsche.de: Herr Löffler, Herr Mißfelder, würden Sie zusammen Urlaub machen?

Philipp Mißfelder: Nein.

Max Löffler: Ich auch nicht.

sueddeutsche.de: Was halten Sie dann von der These, Grüne und Union seien sich inzwischen so nahe gekommen, dass dort jeder mit jedem Urlaub machen könne?

Mißfelder: Dafür sind die Unterschiede wohl doch noch zu groß. Aber ich fahre ohnehin lieber mit meiner Frau in den Urlaub.

»Viele von uns begreifen die Junge Union noch als ihr Feindbild.«

Max Löffler

Löffler: Ich fahre auch nicht mit Parteifreunden in den Urlaub. Aber es stimmt schon: Die Junge Union begreifen viele von uns noch als ihr Feindbild.

sueddeutsche.de: Grüne und Schwarze werden von bürgerlichen Schichten gewählt. Irgendwas muss doch dran sein an der politischen Konvergenztheorie.

Mißfelder: Es stimmt, dass die Milieus, aus denen Mitglieder der Jungen Union und der Grünen Jugend kommen, ähnlicher geworden sind. Ich bin Sohn eines Stahlfacharbeiters aus dem Ruhrgebiet, der Mitglied der IG Metall ist. Aber wir sprechen ein breites Spektrum an und haben auch Kinder von Ärzten, Selbständigen und Ingenieuren in unseren Reihen.

sueddeutsche.de: Wie sieht es mit Ihnen aus, Herr Löffler?

Löffler: Mein Vater ist Chemiker.

Mißfelder: Sehen Sie.

Löffler: Halt, halt. Ich bin nicht ganz in das klassische bürgerliche Schema einzuordnen. Ich bin in der DDR geboren, heute wohne ich in Köln. Aber es stimmt schon, was die Eltern angeht, sind die Hintergründe oft recht ähnlich.

sueddeutsche.de: Die Grünen-Chefin Claudia Roth hat einmal gesagt, für sie seien Bürgerliche im Sinne der Union engstirnige und verschlossene Spießer. Sind Sie ein Spießer, Herr Mißfelder?

Mißfelder: (lacht) Ich finde zum Beispiel, dass Münster eine schöne Stadt ist. Meine Frau hat dort studiert und ich mag die modern-bürgerliche Atmosphäre. Möglicherweise ist das in den Augen einiger Grüner schon spießig.

Löffler: Also ich finde Münster auch ganz schön. Es ist eher eine Frage der Geisteshaltung, die uns voneinander unterscheidet. Die Grüne Jugend würde sich prinzipiell eher in Berlin wohlfühlen - modern, kreativ, offen, ein bisschen ausgeflippt.

»Es gibt kaum einen JU-Landesvorsitzenden, der sich nicht wünscht, das konservative Profil der Union stärker zu betonen. «

Philipp Mißfelder

sueddeutsche.de: Dann scheint es eher schwierig zu werden mit einem schwarz-grünen Projekt.

Mißfelder: Daran allein lässt sich diese Frage nicht festmachen. Aber Junge Union und Grüne Jugend trennen Welten. Wir als Junge Union sind Mitte-rechts positioniert. Und das gilt auch innerhalb der Union. Sie werden kaum einen JU-Landesvorsitzenden finden, der sich nicht wünscht, das konservative Profil der Union stärker zu betonen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Schwarz-Grün an der Frage der Atomkraft scheitern würde.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt "Uns trennen Welten"
  2. "Das ist doch alles Quatsch!"
  3. "Wir sind nicht das Anghängsel der SPD"