Von Arne Boecker

Lichtscheue rechtsextreme Kameradschaften und die aus dem Westen zugewanderte NPD haben sich in Mecklenburg-Vorpommern fest verbündet.

Wahlplakat der NPD in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: dpa

Die Rechtsextremisten sind in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen sehr gut organisiert. Laut Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums zählt die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) in Mecklenburg-Vorpommern derzeit 200 Mitglieder. Ebenfalls dem rechtsextremistischen Spektrum rechnen die Verfassungsschützer 320 Neonazis und 600 Skinheads zu. Im vorigen Jahr drängten zahlreiche Neonazis und Skinheads - oft zusammengefasst unter der Bezeichnung "Freie Nationalisten" - aus den Kameradschaften in die NPD, sodass sich deren Mitgliederzahl innerhalb kurzer Zeit verdoppelte.

Während die NPD-Spitze im westlichen Landesteil Mecklenburg sitzt, haben die Kameradschaften ihren Schwerpunkt in Vorpommern. In Mecklenburg sind die NPD-Aktivisten vor allem im Landkreis Ludwigslust zu finden, der im Süden der Hauptstadt Schwerin bis zur Elbe reicht und an Niedersachsen grenzt. In Ludwigslust stellt die SPD mit Rolf Christiansen seit Jahren den Landrat; auch der SPD-Landesvorsitzende und Agrarminister Till Backhaus stammt aus diesem Kreis, der zu den wirtschaftlich stärkeren gehört, mit einer Arbeitslosigkeit unter dem Landesschnitt.

Es fehlt das Bürgertum

Die Region profitiert von der Nähe zum Westen und von der stark verbesserten Verkehrsstruktur. Auch die meisten NPD-Spitzenleute, die im Landkreis Ludwigslust wohnen, sind schon vor Jahren aus den westlichen Bundesländern zugezogen: NPD-Spitzenkandidat Udo Pastörs, der in Lübtheen ein Schmuckgeschäft führt; NPD-Landeschef Stefan Köster, der in Pätow-Steege lebt; Klaus Bärthel, ein Veteran der braunen Bewegung, der in Ludwigslust nun zu Hause ist; in Teldau renoviert Thomas Wulff ein Gutshaus. Er ist persönlicher Referent des NPD-Bundeschefs Udo Voigt.

Auf dem Anwesen wohnt außerdem Michael Grewe, der in Schwerin für die NPD kandidiert. "Es war immer ein Makel, dass unseren nationalen Kräften nicht mal das Schwarze unter dem Fingernagel gehört hat", sagt Neonazi Thomas Wulff. Der Landkreis Ludwigslust bot aus seiner Sicht beste Bedingungen: nah dran an Hamburg, günstige Immobilien und wenig Widerstand in der Bevölkerung.

"In vielen ländlichen Gegenden fehlt das Bürgertum, das die Zivilgesellschaft stärken könnte", sagt Karl-Georg Ohse vom "mobilen beratungsteam für demokratie und kultur" in Schwerin. In letzter Zeit, sagt der Beobachter Ohse, sei der Widerstand gegen Pastörs, Köster & Co. heftiger geworden.

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