Tausende Dresdner auf der Straße
Protest gegen Neonazis
16.02.2008, 18:30
(Foto: )
Zu der Aktion unter dem Motto "Geh denken" hatte ein großes bürgerliches Bündnis aufgerufen, um wie in den Vorjahren an die nationalsozialistische Vorgeschichte der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 zu erinnern. Die Veranstalter sprachen von mindestens 6000 Teilnehmern.
Zeitgleich bewegte sich ein sogenannter Trauermarsch der rechtsextremen "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" durch die Innenstadt, laut Polizei ebenfalls mehrere tausend Teilnehmer.
Zudem waren mehrere hundert Anhänger der linken Szene in der sächsischen Landeshauptstadt unterwegs, darunter nach Behördenangaben auch gewaltbereite Autonome.
Die gesamte Innenstadt wurde seit dem Morgen von Polizisten aus mehreren Bundesländern abgesichert. Sie kontrollierten unter anderem an Bahnhöfen und in Straßenbahnen anreisende Demonstranten. Bis zum Nachmittag gab es laut Polizei keine größeren Vorfälle.
Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Nora Goldenbogen, sagte vor Demonstranten an der neuen Synagoge: "Nazis sollen in Dresden nicht mehr aufmarschieren können."
Auch Nicht-Juden beim Sabbat-Gottesdienst
Der amtierende Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) forderte zum Nachdenken darüber auf, "warum wir unsere Vergangenheit nicht loslassen dürfen".
Bereits am Morgen hatten mehrere hundert Menschen ihre Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde bekundet, weil der Demonstrationszug der Rechten an der neuen Synagoge vorbeiführen sollte. Jüdische und nichtjüdische Besucher nahmen am Sabbat-Gottesdienst teil.
In der vollbesetzten Synagoge sprach Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl von einem bewegenden Bild, das Hoffnung gebe. Zum Abschluss bekundeten Vertreter anderer Kirchen ihre Verbundenheit mit der rund 750 Mitglieder zählenden Jüdischen Gemeinde.
Dresden war vor 63 Jahren bei Luftangriffen US-amerikanischer und britischer Bomber stark zerstört worden. Nach Schätzungen starben etwa 35 000 Menschen. Bereits am Mittwoch - am Jahrestag der Zerstörung - hatten die Dresdner mit Kranzniederlegungen, Gottesdiensten und Konzerten an die Opfer der Bombennächte erinnert.
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