Von Antje Vollmer

Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer wirft den westlichen Staaten vor, gegen Peking einen "neuen kalten Krieg" vorzubereiten. Es handele sich um einen "mentalen Krieg gegen das gerade zur Weltmacht aufsteigende China", schreibt sie in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung.

Antje Vollmer; AP

Die Tibetfrage sei "zu einem Pop-Phänomen" geworden, sagt die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer. Foto: AP

I. Jede Generation braucht offenbar ihren eigenen Krieg, bevor sie fähig und weise genug ist, daraus ihre Lehren zu ziehen. Das gilt für die heißen wie für die kalten Kriege. Der letzte Kalte Krieg hat mit einem umfassenden, die ganze Welt faszinierenden "Sieg" westlicher Demokratien, westlicher Werte und Ideale geendet, deren eigentliche Essenz die Lehren aus der Epoche der beiden Weltkriege waren.

Es dauerte keine zehn Jahre, bis ein neuer heißer Krieg erklärt wurde: der Krieg gegen den Terror. Anlass dieses Krieges - nicht seine Ursache - waren die Ereignisse des 11. September 2001. War diese Kriegserklärung die einzige Möglichkeit, auf die Gewalttat, das Entsetzen und die von der ganzen Welt geteilte, tiefsitzende Trauer zu reagieren? Nein. Kann dieser Krieg gegen den Terror mit Waffen gewonnen werden? Ebenfalls nein.

Aber bevor die Lehren aus der voraussichtlichen Niederlage gezogen werden können, beginnen die westlichen Staaten und Gesellschaften bereits mit den Vorbereitungen eines neuen kalten Krieges: Es ist der mentale Krieg gegen das gerade zur Weltmacht aufsteigende China. Nachdem wir uns schon in einer ideologischen Konfrontation gegen die nicht gerade bevölkerungsarmen islamischen und arabischen Länder befinden, nachdem wir uns in eine zumindest diplomatische Dauerkonfrontation mit Russland hineinmanövriert haben, nun auch noch eine generelle Systemkonfrontation mit China? Jeder fünfte Mensch in der Welt ist ein Chinese oder eine Chinesin. Der Westen traut sich offensichtlich sehr viel zu!

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die westliche Welt derzeit so eint und worin die Tragödie in der Tibetfrage liegt...

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