Unter Berufung auf anonyme Quellen aus dem Verteidigungsministerium berichten US-Medien, Washington prüfe auch den Einsatz spezieller Atomwaffen. Diese sollen Teherans unterirdisches Nuklearprogramm zerstören. Das Weiße Hause verweigerte jeden Kommentar.
Ein Sprecher des Weißen Hauses erinnerte an Erklärungen von Präsident George W. Bush, er unterstütze die Bemühungen der Europär für eine diplomatische Lösung im Atomkonflikt mit Teheran. Das iranische Außenministerium warf den USA „psychologische Kriegsführung“ vor.
Nach Informationen des renommierten Journalisten Seymour M. Hersh hofft die US-Regierung, mit einem Militärschlag das derzeitige Regime in Teheran stürzen zu können. Im Weißen Haus setze sich zunehmend die Auffassung durch, nur ein gewaltsamer Regimewechsel könne Irans Atomprogramm noch stoppen. „Und das bedeutet Krieg“, zitiert die Zeitschrift New Yorker einen hochrangigen Berater des Pentagons.
Präsident Bush und seine engsten Berater betrachteten Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als „potenziellen Adolf Hitler“ und eine Gefahr für den Weltfrieden. Ahmadinedschad hatte in Ansprachen dazu aufgerufen, „Israel von der Landkarte zu wischen“ und „eine Welt ohne die Vereinigten Staaten“ als seine Wunschvorstellung beschrieben.
Auch die Washington Post berichtete am Sonntag von konkreten Militärplänen im US-Verteidigungsministerium. Geprüft würden zwei Optionen für Luftangriffe: Ein eher begrenztes Szenario sehe gezielte Schläge gegen die Atomanlagen in Natanz und Isfahan vor, verbunden mit der Drohung weiterer Bombenangriffe, falls Iran auf den US-Angriff mit Terroranschlägen reagieren sollte.
Eine zweite Option sehe zusätzlich den Einsatz von Marschflugkörpern auch gegen Militäranlagen und insbesondere gegen die Revolutionären Garden vor. Die Szenarien seien bisher jedoch eher Teil einer „Strategie harter Diplomatie“, um Iran mit der Androhung militärischer Gewalt zum Einlenken in internationale Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm zu bewegen.
Auf Skepsis bei Washingtons Verteidigungsexperten stießen am Sonntag Spekulationen, wonach das Pentagon notfalls sogar hochmoderne Atombomben (so genannte „Bunker-Buster“) gegen Irans unterirdische Atomanlagen einsetzen wolle. „Ich habe nie von einem Streit gehört, ob Nuklearwaffen auf dem Tisch sind oder nicht“, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums der New York Times.
Das Weiße Haus und George W. Bush haben die Medienberichte bisher nicht kommentiert Foto: Reuters
Der New Yorker hatte berichtet, in den vergangenen Monaten habe die Generalität vergeblich versucht, diese Option aus den Militärplänen zu streichen. Das Weiße Haus habe jedoch auf ein solches Szenario bestanden. Daraufhin hätten etliche Offiziere bereits über ihren Rücktritt geredet.
Weitgehend unstrittig ist hingegen, dass das Verteidigungsministerium jüngst die Liste möglicher Ziele von Bombenangriffen in Iran aktualisiert hat. Auch sollen derzeit verdeckt operierende Kampfeinheiten in Iran auskundschaften, wie genau Teheran seine im Land verstreuten Atomanlagen geschützt hat.
Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes braucht Iran noch etwa acht bis zehn Jahre, um eine Atomwaffe zu bauen. Israels Geheimdienst soll jedoch die USA jüngst gewarnt haben, Teheran könnte dazu noch in diesem Jahr „ein entscheidender Durchbruch“ gelingen.
Allerdings dürfte ein Militäreinsatz in weiten Teilen der US-Bevölkerung auf Ablehnung stoßen. Die Rückschläge im Irak belasten das Image der Bush-Regierung. Laut Umfragen befürwortet eine Mehrheit von 68 Prozent der US-Bürger, Teheran mit diplomatischen Mitteln und wirtschaftlichen Sanktionen zum Einlenken zu zwingen.
Bush hatte mehrmals betont, er unterstütze die Bemühungen der Europäer für eine Verhandlungslösung. Bei seinem Besuch vorige Woche in Washington hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier vergeblich dafür geworben, dass die USA sich an den internationalen Verhandlungen mit Teheran direkt beteiligen.
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