Bis zu 600 Schuss pro Minute

    US-Waffenverbot abgelaufen

    14.09.2004, 13:57

    Von Markus C. Schulte v. Drach

    Zehn Jahre mussten die Amerikaner darauf verzichten, Sturmgewehre zu kaufen. Welche Waffen nun wieder erlaubt sind und bei welchen Vorfällen in den USA sie schon für Unheil gesorgt haben.

    1994 verabschiedete Bill Clinton ein Bundesgesetz, das Waffenherstellern untersagte, Sturmgewehre für Privatkonsumenten zu produzieren.

    Das Gesetz galt für insgesamt 19 unterschiedliche Waffen, darunter

    alle Modelle der AK-47 Kalashnikow
    UZI
    Galil
    Beretta Ar70 (SC-70)
    Colt AR-15 (entspricht dem M-16-Sturmgewehr der US-Armee)
    Fabrique National FN/FAL, FN/LAR, und FNC
    SWD M-10; M-11; M-11/9, und M-12
    Steyr AUG
    INTRATEC TEC-9, TEC-DC9, AND TEC-22

    Verboten waren außerdem alle Schrotgewehre mit Kaliber 12 und rotierendem Magazin. Dazu gehören z.B. Street Sweeper und Striker 12.

    Auch Magazine mit mehr als 10 Schuss durften nicht verkauft werden.

    Das Verbot galt auch für alle Gewehre, die bestimmte besondere Eigenschaften aufweisen, zum Beispiel einen Pistolengriff, Bajonett- oder Granatwerfer-Aufsatz.

    AK-47

    Ein Klassiker unter den Sturmgewehren: AK-47, die Kalashnikow. (Foto: Reuters)

    Darüber hinaus war es untersagt, Pistolen mit besonderen Eigenschaften zu verkaufen – etwa solche mit einem Magazin außerhalb des Griffs.

    Nicht betroffen waren halbautomatische Jagdwaffen ohne die typischen Eigenschaften von Sturmgewehren. Die Unterschiede zwischen den Waffentypen sind insbesondere folgende:

    Jagdwaffen werden mit dem Kolben an der Schulter abgefeuert, das Ziel soll präzise getroffen werden. Sturmgewehre werden dagegen meist aus der Hüfte abgefeuert. Der Schütze setzt hier auf hohe Feuergeschwindigkeit. Dazu kommen große Magazine.

    Seit dem 14. September können Privatkunden nun wieder ganz legal Sturmgewehre kaufen - allerdings nicht überall.

    In einzelnen Bundesstaaten wie Kalifornien gibt es Gesetze, die den Besitz und Verkauf halbautomatischer Sturmgewehre weiterhin untersagen.

    UZI

    Eigentlich kein Kinderspielzeug: die israelische UZI. (Foto: dpa)

    Tödliche Schüsse in den USA

    Mit etlichen der jetzt wieder legal käuflichen Waffen sind bei Amokläufen und Schießerein in den USA Menschen getötet worden:

    1984 erschießt James Huberty 21 Menschen in San Ysidro, Kalifornien, mit einer UZI und einem Schrotgewehr.

    1989 tötet Patrick Purdy in Stockton, Kalifornien, fünf Schulkinder mit einer AK-47.

    Ebenfalls 1989 sterben sieben Menschen, als Joseph Wesbecker in Louisville, Kentucky, mit einer AK-47 und zwei MAC-11 Maschinenpistolen das Feuer auf ehemalige Arbeitskollegen eröffnet.

    1993 erschießt Gian Luigi Ferri in San Francisco acht Menschen mit zwei TEC-DC9.

    Im selben Jahr tötet Mir Aimal Kasi zwei Beamte im CIA-Hauptquartier in Langley mit einer AK-47.

    M-16

    Standard-Waffe beim US-Militär: Das M-16, das an private Kunden als Colt AR-15 verkauft werden darf. (Foto: dpa)

    Ebenfalls 1993 werden vier FBI-Agenten von Mitgliedern der Davidianer-Sekte in Waco, Texas, erschossen, als sie in die Farmgebäude der Sekte einzudringen versuchen. Die Davidianer haben hunderte halbautomatische Waffen gehortet, darunter AR-15, AK-47 und Street Sweepers.

    1999 töten die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold an der Columbine High School in Littleton, Colorado, zwölf Jugendliche und einen Lehrer. Sie benutzen unter anderem eine TEC-9.

    (sueddeutsche.de)

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