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Das Gebet des Evangelikalen
Amtseinführung von Obama
19.12.2008, 11:56
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Von Christian Wernicke |
Grossbild
Rick Warren (Foto: AFP)
Dies war ein tolles Jahr für Rick Warren, und der Pfarrer weiß, dass er nicht allein dem Herrn im Himmel dafür Dank schuldet. Denn es ist eine rein weltliche Macht, die den kalifornischen Prediger 2008 zu Nordamerikas wichtigstem Kirchenmann gekürt hat:
Barack Obama, der designierte Präsident, hat persönlich verfügt, dass dieser beleibte, stets frohgelaunte Baptist im Januar das Eröffnungsgebet bei der Feier zu seiner Amtseinführung sprechen möge. Rick Warren gilt deshalb als neuer Billy Graham, als Nachfolger von Amerikas bislang berühmtestem TV-Pastor.
Der 44. US-Präsident vertraut diesem konservativen Gottesmann. Während des Wahlkampfs suchte der Kandidat regelmäßig Rat, und da sich Obama von seinem schwarzen Pastor aus Chicago hatte lossagen müssen, fand er bei Warren per Telefon neuen Trost und die Zeit zum Gebet.
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Befreundet sind die beiden Männer erst seit zwei Jahren: Damals öffnete Warren dem linksliberalen Politiker die Türen seiner Mega-Kirche in Südkalifornien für eine Gastpredigt zum Welt-Aids-Tag, und der Auftritt half Obama, sein Image als Christenmensch und als Brückenbauer zum rechten politischen Ufer zu untermauern.
Warren wirkt stets konziliant, umarmt herzlich Andersdenkende und Andersgläubige. Doch lässt er keinen Zweifel, dass er selbst sehr stramm auf der rechten Seite steht: Das Recht auf Abtreibung etwa hat der 54-jährige Theologe indirekt mit dem Holocaust gleichgesetzt, und die Schwulenehe ist für ihn eine ähnliche Sünde wie Inzest oder Pädophilie.
Vor der Wahl warb Warren massiv für ein kalifornisches Volksbegehren, mit dem die Homosexuellen-Ehe per Verfassungsgebot im Bundesstaat untersagt werden sollte. Das Referendum wurde angenommen, übrigens mit den Stimmen vieler schwarzer und hispanischer Obama-Anhänger. Auch das mag erklären, warum nun linke und homosexuelle Demokraten so empört reagierten, als Warren Inaugurations-Pastor wurde.
Warren selbst räumt ein, seine Popularität beruhe auf einem verbreiteten Missverständnis. Seine evangelikalen Predigten und die mit Millionenauflagen in aller Welt vertriebenen Bücher über "zielgerichtetes Leben" loben zwar den Kampf gegen Massenarmut und globalen Klimawandel, weshalb Kritiker diesen Pfarrer voreilig zu einem Vordenker für die vermeintliche Öffnung von Amerikas christlicher Rechten erklärten.
Aber, so Warren, "es ist Wunschdenken zu glauben, dass ich deshalb meinen Kampf für das Leben aufgebe". Ein überzeugter Christ könne keinen Politiker unterstützen, der nicht den Kindesmord per Schwangerschaftsabbruch stoppe.
Weshalb Warren, wie die meisten protestantischen Amerikaner, gegen Obama gestimmt haben dürfte: Am 4. November votierten mehr weiße Evangelikale für McCain als vor vier Jahren noch für George W. Bush.
Obama stört das nicht. Er bewundert, wie Warren seit 1980 aus dem Nichts die viertgrößte US-Kirchengemeinde aufbaute. Und er will ein Zeichen setzen: Warren soll für ihn all jene konservativen Landsleute umwerben, die der demokratische Präsident selbst noch nicht erreichen kann.
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