Klar will Kampf gegen das Kapital fortsetzen

    Marxistisches Gedankengut

    26.02.2007, 18:52

    Die Weltanschauung des früheren RAF-Terroristen Christian Klar scheint sich auch in 24 Jahren Haft nicht geändert zu haben. CSU-Chef Stoiber ist erbost und will Klar weiter hinter Gittern sehen.

    Das Schreiben, das Klar zur Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz am 13. Januar verfasste, wurde am 15. und 31. Januar in der Zeitung Junge Welt veröffentlicht. Die marxistische Tageszeitung hatte die Konferenz organisiert.

    In seiner Grußbotschaft äußert Klar die Hoffnung, dass die Zeit gekommen sei, „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen“.

    Außerdem prangert der 54-Jährige in seinem Brief ein imperiales Bündnis in Europa an, "das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln." Das Motto der Konferenz "Das geht anders" ergänzt Klar mit dem Satz: "Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen?"

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    RAF-Bildstrecke Die Opfer, die Täter, der Terror Rahmen
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    Klar würdigte zudem die sozialistischen Bestrebungen in einigen Ländern Südamerikas. Anders als in Europa werde dort "nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse - endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet."

    Das Grußwort wurde laut ARD von Heinrich Fink, dem ehemaligen PDS-Abgeordneten und wegen Stasi-Vorwürfen entlassenen Rektor der Humboldt-Universität Berlin, vorgetragen. Fink hatte Klar nach eigenen Angaben mehrmals im Gefängnis besucht.


    » Aus den Tiraden des Christian Klar spricht die unveränderte Grundhaltung eines RAF-Terroristen. «

    CSU-Chef Edmund Stoiber

    Klar, der in der Haftanstalt Bruchsal einsitzt, kann frühestens 2009 regulär entlassen werden. Bundespräsident Horst Köhler prüft derzeit, ob er Klar früher begnadigen soll.

    Der Freiburger Kriminologe Helmut Kury, der im Auftrag des baden-württembergischen Justizministeriums ein Gutachten über Klar erstellt hat, zeigte sich überrascht über die Äußerungen.

    Klar haben seinem Gnadengesuch mit seinen Äußerungen sicher nicht genützt, sagte Kury. "Jeder normale Bürger, der das hört, wird sagen, das ist ein Unverbesserlicher, der hat sich nicht weiterentwickelt“.

    Klars Anwalt verteidigt Mandanten

    Klars Anwalt Heinz-Jürgen-Schneider meinte hingegen, für das Gnadenverfahren spiele das Grußwort keine Rolle. So wie Klar das formuliere „würde jeder Attac-Aktivist auch sprechen“, sagte Schneider dem Tagesspiegel.

    Mit harscher Kritik reagierte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auf die Äußerungen Klars. Dessen Wortmeldung sei eine „verblendete Aggression gegen die deutsche Demokratie und den deutschen Rechtsstaat“, sagte Stoiber am Montag in München. „Aus den Tiraden des Christian Klar spricht die unveränderte Grundhaltung eines RAF-Terroristen“, fügte er hinzu.

    Statt sich von seinen Taten zu distanzieren, rufe Klar weiter zum Kampf gegen die deutsche Gesellschaft auf. Die Äußerungen seien eine „eiskalte Verhöhnung der Familien und Hinterbliebenen seiner Opfer“.

    Es sei der „Gipfel der Unverschämtheit“, dass der frühere Terrorist Gnade von dem Staat erwarte, den er weiter bekämpfen wolle. „Nach diesem Aufruf zum Kampf gegen unsere Grundwerte stellt sich grundsätzlich die Frage, ob lebenslange Freiheitsstrafe gegen Christian Klar nicht bedeuten muss, dass er auf Dauer hinter Schloss und Riegel gehört“, betonte der Ministerpräsident.

    Ähnlich äußerte sich CSU-Generalsekretär Markus Söder sowie Vertreter der anderen Parteien.

    (AP/AFP/ddp-bay)

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    Leserkommentare (95)



    02.03.2007 11:33:59

    nawerwirddenn: Politische Gewalt

    Es ist doch einer Kugel im Kopf nun wirklich „völlig egal“, ob sie kraft einer demokratischen Gesinnung getötet hat oder aufgrund irgendeiner sonstigen Ideologie abgeschossen wurde. Der so niedergestreckte Mensch ist dann auch kein Held, Freiheitskämpfer, Märtyrer oder sonst was, sondern nur ganz einfach eine entstellte Leiche und für immer tot. Keines der Ideale oder der Ideologien, die verteidigen zu müssen man sich oder anderen einredet, reichen über die Schwelle des Todes hinaus, schon gar nicht der völlig verlogene „Dank des Vaterlandes“. Wir alle sollten endlich keiner Manipulation durch leere Phrasen dieser Art mehr auf den Leim gehen.

    Auch der Wahrheit ist es egal, von wem sie ausgesprochen wird. Wenn ein Terrorist das rücksichtslose und zerstörerische Wesen des Raubtierkapitalismus kritisiert, so liegt er richtig. Wir erleben doch gerade die ersten Auswirkungen eines Klimawandels bisher nie erreichten Ausmaßes! Der Kapitalismus wird erst halt machen, wenn er Erde in eine öde Wüste verwandelt und ihre Reichtümer gänzlich in die nackten Zahlen der Börsenticker und Bilanzen gepresst haben wird.

    Diese harte Tatsache wird auch keine Art von Propaganda oder Repression auf Dauer verdrängen können, die jeden Kritiker dieser Gesellschaftsordnung in die Nähe von Terroristen rücken will.


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