Der hohe Preis des schnellen Sieges

    Der Sechs-Tage-Krieg

    04.06.2007, 10:13

    Von Thorsten Schmitz, Tel Aviv

    Vor 40 Jahren jubelten die Israelis über ihren militärischen Erfolg im Sechs-Tage-Krieg. Inzwischen überwiegen Zweifel.

    Sechs-Tage-Krieg

    Siegreiche israelische Soldaten nach dem stellen nach dem Sechs-Tage-Krieg eine israelische Flagge auf besetztem Gebiet auf (Foto: AP)

    In diesen Tagen herrscht in Israel Katerstimmung, keine Freude wie noch vor vierzig Jahren um diese Zeit. Der Sieg im Sechs-Tage-Krieg 1967 drückt heute als schwere Hypothek aufs israelische Gemüt.

    Am 10. Juni bestimmte damals Euphorie das Gefühl der Menschen in Israel. Innerhalb weniger Tage hatte Israel die Armeen dreier arabischer Staaten besiegt und sich ein Territorium inklusive Grundwasserquellen und Ost-Jerusalem einverleibt, das dreimal so groß war wie Israels damaliges Staatsgebiet.

    Die Menschen in dem erst 19 Jahre jungen jüdischen Staat interpretierten den Sieg als Gottes Geschenk und sprachen fortan von einem "Groß-Israel".

    Vier Jahrzehnte später findet man in den israelischen Medien kaum einen Jubiläumskommentar, der nicht von einem Pyrrhussieg spricht. In politischen Talkshows im Fernsehen und im Radio, in Zeitungsartikeln und Leserbriefspalten wird darüber gestritten, was der Sechs-Tage-Krieg gebracht und ob es eine Alternative zu Besatzung und Annexion gegeben habe.

    Hochstimmung nicht gerechtfertigt

    Viele argumentieren, erst die Besatzung habe in den Palästinensern, die bis 1967 stets von anderen fremden Mächten regiert worden waren, ein Nationalbewusstsein erweckt. Jüngere Israelis wiederum sind zwar mit der Besatzung und palästinensischem Terror aufgewachsen, lernten aber auf Auslandsreisen heilere Welten kennen und würden die auch zu Hause haben wollen.

    Der israelische Schriftsteller Tom Segev veröffentlichte soeben ein fast 800 Seiten starkes Buch über den Sechs-Tage-Krieg und dessen Folgen. Sein nüchternes Fazit braucht nur einen Satz: Die Hochstimmung in der Bevölkerung nach dem Sieg sei nicht gerechtfertigt gewesen.

    Nach seiner Einschätzung befindet sich Israel heute in einer ähnlichen Situation wie 1967. Viel geändert habe sich nicht, trotz des Friedensabkommens von Oslo, der Bildung einer palästinensischen Autonomiebehörde, des Wye-Abkommens und des Friedensfahrplans des Nahost-Quartetts.

    Ein Blick auf die Wirklichkeit gibt Segev recht: Vierzig Jahre nach dem Krieg von 1967 wird Israel zur Zeit täglich mit Kurzstreckenraketen aus dem Gaza-Streifen beschossen - obwohl es seine Siedler und Soldaten von dort abgezogen hat.

    Die von Iran und Syrien finanzierte Hisbollah feuerte im vergangenen Sommer Tausende Katjuscha-Raketen auf Israel ab - obwohl Israel schon vor sieben Jahren den Südlibanon verlassen hatte.

    Die israelische Armee ist ihren Feinden technisch weit überlegen. Doch dieser Vorsprung nutzt ihr kaum im Guerilla- und Abnutzungskrieg gegen Hamas und Hisbollah, die sich in belebten Gegenden verstecken, damit bei Israels Vergeltungsschlägen so viele zivile Opfer wie möglich getroffen werden.

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    Leserkommentare (3)



    05.06.2007 00:02:05

    senfkugel: Schmitz mal wieder

    ein veralteter Beitrag, der nicht gerade durch Kenntnis oder Faktenreichtum glänzt. Schmitz schient von Israel hauptsächlich Tom Segev zu kennen, den er immer irgendwie zitiert. Tom Segev ist eine in Israel eher eine Randfigur und schreibt für Haaretz, die kaum ein Israeli liest.

    Ich stell mir das so vor: Schmitz liegt am Strand von Tel Aviv und liest Tag aus, Tag ein Haaretz und Tom Segev. Hin und wieder kommt ein Anruf: "Hallo, hier ist die Sueddeutsche, wir brauchen mal wieder irgendwas über Israel". Dann muss Schmitz die Nargila zur Seite stellen und ins Büro, um bis zum Sonnenuntergang am Strand noch schnell einen Pfusch herbeizuschreiben. Und immer wieder Tom Segev.


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