Niebel fordert Auflösung der BA

    Reaktionen auf Hartz-IV-Urteil

    20.12.2007, 13:58

    Das Urteil, in dem das Verfassungsgericht die Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit für verfassungswidrig erklärte, hat hohe Wellen geschlagen. FDP-Politiker Niebel will die BA abschaffen, Arbeitsminister Scholz will Ruhe bewahren.

    FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hat die Auflösung der Bundesagentur für Arbeit gefordert. Der Arbeitsmarktexperte sagte, die Freien Demokraten hätten von Anfang an die Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaften von kommunalen Trägern und der Bundesagentur für Arbeit abgelehnt.

    Niebel sagte, es sei nicht sinnvoll, dass eine zentral organisierte Behörde Langzeitarbeitslose betreue. Es dürfe auch keine neue Behörde geschaffen werden.

    Der FDP-Politiker warnte die Bundesregierung vor der Errichtung eines "Bundessozialamtes". Vor Ort sei die Betreuung der Langzeitarbeitslosen am besten gewährleistet. Dabei gehe es oft auch um die Beratung in Suchtfragen und um Schuldnerberatung.

    Mit heißer Nadel gestrickt

    Berlins Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts als "Blamage" für die Hartz-Gesetzgebung bezeichnet und damit Widerspruch im rot-roten Senat provoziert. Die Karlsruher Entscheidung belege, "mit welcher heißen Nadel die Gesetze seinerzeit gestrickt wurden und welche Zumutung sie für die betroffenen Menschen sind", kritisierte Knake-Werner.

    Sie forderte den Bundestag zu inhaltlichen Korrekturen der Hartz-Gesetze auf, etwa zur Erhöhung der Regelsätze. "Dass die Struktur der Arbeitsgemeinschaften verfassungsrechtlich angreifbar ist, hätte man vorher wissen können."

    Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) betonte jedoch, das Bundesverfassungsgericht habe damit das Arbeitslosengeld (ALG) II im Grundsatz bestätigt. Auch werde sich durch das Urteil zunächst nichts für Hartz-IV-Empfänger ändern.

    Scholz will Arbeitsvermittlung bei BA lassen

    "Auch nach dem Urteil werden alle Betroffenen ihre Leistungen wie bisher erhalten", erklärte Scholz in Berlin. Es sei ausreichend Zeit, "die Grundsicherung für Arbeitssuchende langfristig tragfähig und effizient zu organisieren".

    Scholz sprach sich dafür aus, die Vermittlung von Arbeitslosen bei der Bundesagentur für Arbeit zu belassen. Davon könnten Fragen der Unterkunft und der begleitenden Betreuung, für die die Kommunen zuständig sind, deutlicher getrennt werden.

    Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich ebenfalls dafür aus, dass diese Kompetenzen bei den Kommunen bleiben. Das Bundesverfassungsgericht hatte gefordert, dass die Verwaltungsträger ihre Aufgaben jeweils eigenverantwortlich und mit eigenem Personal regeln müssen.

    BA-Angestellte brauchen nicht um Arbeitsplatz fürchten

    Die Bundesagentur für Arbeit (BA) beruhigt derweil ihre Mitarbeiter. Die etwa 56.000 Beschäftigten der für verfassungswidrig erklärten Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaften müssen sich keine Sorgen um ihren Job machen, teilt BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt in einem Schreiben mit.

    "Sie müssen weder den Verlust Ihres Arbeitsplatzes befürchten, noch müssen Sie sich auf kurzfristige Veränderungen einstellen", heißt es in dem vorliegenden Schreiben. "Unsere Kunden werden ihre Leistungen wie bisher erhalten“, sagte Alt zudem bei der Urteilsverkündung in Karlsruhe. Die BA wolle gerne weiter mit den Kommunen eng zusammenarbeiten, wenn dies rechtlich möglich sei.

    Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages, Hans-Günter Henneke, begrüßte, dass die Richter die sogenannte Mischverwaltung nun definitiv ausgeschlossen hätten. Der Landkreistag hatte die Klage von elf Landkreisen gegen die Arbeitsgemeinschaften unterstützt. In Zukunft sei als Lösung denkbar, dass die BA für das aus Beiträgen finanzierte ALG I zuständig sei, während die Kommunen die alleinige Verantwortung für ALG II übernähmen.

    (AFP/dpa/AP/Reuters/bavo/gba)

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    Leserkommentare (4)



    21.12.2007 09:35:16

    rick.sander: BA abschaffen

    Die immer wieder "reformierte BA" war von Anfang an ein Monster. jetzt ist die Gelegenheit und der Grund da, dem spuk ein Ende zu bereiten.

    Was wir brauchen ist eine qualifizierte Förderung und Betreuung der Arbeitslosen und keine Verwaltungs-Hydra, die immer neue Schapsideen produziert und Kosten erzeugt.

    Was wir vor allem nicht brauchen ist eine solche Schnüffelorganisation die in den Bäder und Betten anderer Leute nach dem berühmten Haar sucht.

    Das ganze Hartz IV gehört weg. rick.sander. Es war von Anfang an nmenschlich


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