Das bedrohliche Wort vom "Baron aus Bayern" hat nicht verfangen. Guttenberg ist zum beliebtesten deutschen Politiker aufgestiegen. Aber warum?
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Schaulaufen bei Eröffnung der Wagner-Festspiele in Bayreuth: Der 37-jährige Guttenberg mit seiner Ehefrau Stephanie Foto: dpa
Das bedrohliche Wort vom "Baron aus Bayern" hat nicht verfangen. Karl-Theodor zu Guttenberg, der kaum ein halbes Jahr amtierende Bundeswirtschaftsminister, ist zum beliebtesten Politiker Deutschlands aufgestiegen, noch vor der sorgsamst ihren Amtsbonus pflegenden, risikoscheuen Kanzlerin, und weit vor dem in alle Volksrichtungen heiratsschwindlerisch grinsenden Seehofer.
Das darf man als kleines Wunder verbuchen. Gewiss, Guttenberg hat ein paar äußerliche Vorzüge, die ihm bei seinem Aufstieg halfen, er wirkt unverbraucht, hat bessere Manieren und eine bessere Garderobe als das sonstige Berliner Personal; wobei zu bedenken ist, dass sich solche Adrettheit immer auch leicht gegen ihren Träger kehren lässt, etwa wenn man im "Brennpunkt" die heulende Quelle-Kontoristin mit dem munteren Minister gegenschneidet. Nein, dieser Publikumserfolg verdient Aufmerksamkeit.
Kultiviert und handfest zugleich
Vergessen wir das Adelsthema. Guttenberg tritt ja keineswegs gutsherrlichseigneural auf, außer dem Trippellauf die Treppen seines Ministeriums hinauf eignet ihm wenig Lässigkeit. Sein Habitus ist der eines jugendfrischen Leistungsträgers, was bis zur etwas angeberischen Bekundung sommerlicher Platon-Lektüre in der Ursprache reicht. So stellt man sich keinen Landedelmann, sondern den Erben eines wohleingeführten, vorzüglich laufenden mittelständischen Betriebs vor.
Und solche Unternehmer müssen heute sein, wie Guttenberg sich gibt: lokal verwurzelt, aber weltläufig, weltmarktfähig durch Ausbildung und Auftreten, kultiviert und handfest zugleich; dabei aber sozial aufmerksam auch auf die humanen und staatlichen Ressourcen, im Bewusstsein, dass mittelständische Betriebe sich ohne die vorzügliche Infrastruktur und das insgesamt ausgezeichnete Ausbildungswesen in diesem Land nicht behaupten könnten.
Kurzum: Guttenberg artikuliert in dem, was er ist und sagt, die marktwirtschaftliche, aber nicht marktradikale Mitte der deutschen Gesellschaft. Und nun, wo er da ist, wird schlagartig deutlich, was in all den Debatten, Talkrunden und Aufregungen der letzten deutschen Achterbahnjahre zwischen Reformen und Finanzkrise gefehlt hat. Es war die Stimme derer, die hier immer noch erfolgreich wirtschaften und den ganzen Laden am Laufen halten.
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