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Von Louay Yassin

Die Taliban wollten ihn zum Selbstmord-Attentat zwingen, in letzter Minute weigerte er sich: Der dramatische Bericht eines 14-Jährigen.

Pakistan, ReutersGrossbild

In den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans werden Jungen zu islamistischen Fanatikern herangezogen. (Foto: Reuters)

Der 14-jährige Junge stammt aus der pakistanischen Stammesgebiet Bajaur, nördlich von Waziristan. Dort haben die Taliban ihre Machtbasis und greifen immer wieder Ziele in Pakistan und Afghanistan an. Und sie rekrutieren dort ihren Terrornachwuchs.

In einem Interview mit der BBC-Korrespondentin Orla Guerin gab dieser 14-Jährige einen seltenen Einblick in die brutale Rekrutierungsarbeit der Islamisten. Die Terroristen hätten ihn gekidnappt, geschlagen, unter Drogen gesetzt und dazu gezwungen, sich als Selbstmord-Attentäter in einer Moschee in die Luft zu sprengen, erzählte er Guerin. Erst in letzter Minute habe er sich besonnen und von dem Vorhaben abgelassen.

"Sie waren zu fünft hinter mir her in einem Ort in der Provinz Bajaur", berichtete der Junge. "Sie fesselten mich und sagten: 'Du hast die Wahl: Entweder wir enthaupten dich oder du wirst ein Selbstmord-Bomber.' Ich weigerte mich."

Man brachte den Jungen in ein Taliban-Camp. "Dort waren zwei weitere Jungs in meinem Alter. Auch sie wurden trainiert, um Selbstmord-Attentäter zu werden. Wenn wir uns widersetzten, banden sie uns die Hände hinter den Rücken, verbanden uns die Augen und schlugen uns."

Gehirnwäsche mit Verheißungen und Schlägen

Außerdem, so der 14-Jährige, wurden sie einer "Gehirnwäsche" unterzogen: "Sie erzählten uns vom Himmel. Sie sagten, dort flösse Milch und Honig und Gott würde direkt vor uns auftauchen. 'Du wirst ein wunderschönes Haus im Himmel haben'. Als wir sie fragten, ob wir beten könnten, meinten sie: 'Du bist bereits auf dem Weg in den Himmel. Du musst nicht beten.'"

Moschee, APGrossbild

Auch Moscheen werden bei Selbstmord-Attentaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Geistlichen waren meist gegen die Taliban. (Foto: AP)

Neben den Verheißungen hagelte es immer wieder Schläge - mit Erfolg. "Sie haben mich fünf Tage lang brutal geschlagen. Man gab mir kein Essen", erzählte der Junge weiter. "Während sie mich schlugen, stimmte ich zu, ein Selbstmord-Bomber zu werden. (...) Sie steckten mich in einen dunklen Raum und gaben mir Pillen. Dann wurde ich an Maulvi Fakir (den Taliban-Chef in Bajaur) übergeben."

"Man sagte mir, ich müsse meinen Job tun in einer Moschee", berichtete der 14-Jährige der BBC. "Es war eine gewöhnliche Moschee, aber der Geistliche wetterte gegen die Taliban. So erklärten sie ihn zum Feind. Sie sagten mir, der Geistliche sei ein Ungläubiger, ein Nichtmuslim."

"Sie zogen mir mein Hemd aus und eine Jacke an. Die hatte zwei Haken an der Brust. Sie sagten mir: 'Du gehst da hinein, sagst Allahu akbar (Gott ist groß) und ziehst dann an den beiden Haken. Sie brachten mich zu der Moschee und gingen weg."

"Sie nannten mich 'Sohn einer Hure'"

Aber Gehirnwäsche, Schläge und Drogen war offenbar noch nicht intensiv genug gewesen. "Ich war mit Drogen vollgepumpt und fühlte nichts. Aber in der Moschee kam ich zu Sinnen. Ich sah das friedvolle, nette Gesicht des Geistlichen und ich sah, dass die Moschee voller heiliger Bücher war. Und ich dachte: Das sind alles Muslime. Wie kann ich das tun? Ich entschied mich dagegen und ging hinaus."

Trotz seines "Versagens" ging der Junge zurück zu den Taliban. "Sie nannten mich 'Sohn einer Hure' und fragten mich, warum ich es nicht getan hatte. Ich erzählte ihnen, ich hätte das Attentat nicht ausführen können, weil sie alle Leute, die hineinkamen, untersuchten. (...) Sie glaubten mir. Sie nahmen mir die Weste weg und übergaben mich Maulvi Fakir."

Dort konnte der Junge dann entkommen. Er lief nach Hause. "Die Taliban", erzählte er weiter, "hatten mich so schrecklich geschlagen, dass mein ganzer Rücken vernarbt war. Als meine Eltern das sahen, begann meine Mutter zu weinen."

"Taliban ausrotten"

Nach seinen dramatischen Erlebnissen hat der 14-Jährige eine Entscheidung getroffen. "Ich will zur Armee, weil sie das Land verteidigen", erzählte er der BBC. "Sie kämpfen für das Richtige. Ich will gegen die Taliban kämpfen. Ich habe keine anderen Absichten mehr, als mein Land zu verteidigen. Die Taliban sollten ausgerottet werden."

Die BBC legt Wert auf die Feststellung, dass der Bericht des Jungen nicht von einer unabhängigen Quelle verifiziert werden konnte.

(sueddeutsche.de/woja)

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