Bankier der Armen

    Friedensnobelpreis für Muhammad Yunus

    13.10.2006, 12:05

    Von bosw

    Mit einer simplen Idee hat der Wirschaftsprofessor Muhammad Yunus Zigtausenden Menschen aus der Armut geholfen - und ist dabei bescheiden geblieben.

     
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    An seinem größten Tag war Muhammad Yunus vollkommen überwältigt: „Jeder sagt mir, dass ich den Friedensnobelpreis bekommen habe. Aber ich kann es nicht glauben. Es ist so fantastisch, unglaublich. Wir sind so glücklich. Der Nobelpreis ist doch der ultimative Preis. Das große Los! Einfach fantastisch für uns, die Grameen Bank, für Bangladesch und für arme Menschen überall auf der Welt.“

    Die renommierteste internationale Auszeichnung geht also an einen Mann, der mit seiner "Dorfbank" Millionen Armen Kleinstkredite und somit Hilfe zur Selbsthilfe gibt.

    Dabei sah es anfangs danach aus, als ob Yunus eine typische Karriere als Geschäftsmann einschlagen würde. Sein Vater, ein wohlhabender Goldschmied, ermöglichte dem Sohn eine gute Ausbildung im damaligen Ost-Pakistan. Mohammed Yunus bekam ein Fulbright-Stipendium in den USA, promovierte an der Vanderbilt University in Nashville, bevor er in seine Heimat zurückkehrte und 1972 mit nur 32 Jahren Direktor der Wirtschaftsfakultät der Universität Chittagong wurde.

    Eine Exkursion mit Folgen

    Doch vor der immer schlimmeren Armut in seiner gerade unabhängig gewordenen Heimat Bangladesch konnte Junus nicht die Augen verschließen. „Während Menschen auf den Straßen vor Hunger starben, lehrte ich elegante Wirtschaftstheorien“, sagte Junus in einem Interview vor einigen Jahren. „Ich begann, mich für die Arroganz zu hassen, vorzugeben, ich hätte Antworten. Wir Universitätsprofessoren waren alle so intelligent, aber wir wussten absolut nichts über die Armut um uns herum.“

    Zusammen mit seinen Studenten besuchte er auf einer Exkursion 1974 eine Frau, die Bambusstühle fertigte. Dafür musste sie Rohbambus besorgen, was sie nur mit teuren Krediten von privaten Geldhändlern tun konnte. Die Zinsen waren derart überzogen, dass die Frau kaum mehr selbst Gewinns machen konnte.

    In seiner Autobiographie “Bankier der Armen”, die er zusammen mit dem amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Alan Jolis verfasst hat, beschreibt Yunus diesen Moment: „Da wurde mir klar, dass etwas mit der Wirtschaft, wie ich sie lehrte, vollkommen falsch lief.“


    » Ich lade jeden ein, meine Idee zu klauen. Es ist eine tolle Idee, jeder sollte das tun. Ich beschwere mich nur, dass sich nicht noch viel mehr Leute dieser Idee annehmen und sie umsetzen. «

    Muhammad Yunus

    Daraufhin gab er 42 Korbweberinnen einen Kredit von etwa 25 Dollar aus eigener Tasche.

    Es stellte sich heraus, dass dieses Geld den Armen nicht nur zu überleben half, "sondern auch persönliche Initiative und Unternehmensgeist beförderte, der nötig war, um sich selbst aus der Armut herauszuarbeiten".

    1976 gründete Yunus sein Kreditunternehmen Grameen (was so viel wie Dorf heißt), 1983 wurde daraus die Grameen Bank.

    Bis heute hat seine Bank nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Armen - zu mehr als 95 Prozent Frauen - zu Kleinkrediten verholfen. Mit überwältigendem Erfolg: Knapp der Hälfte dieser Menschen ist es gelungen, der Armut zu entkommen. In mehr als 60 Entwicklungsländern hat Yunus’ Konzept inzwischen Nachahmer gefunden. „Ich lade jeden ein, meine Idee zu klauen“, sagte der Ex-Professor im vergangenen Jahr in einem ARD-Hörfunkinterview. „Es ist eine tolle Idee, jeder sollte das tun. Ich beschwere mich nur, dass sich nicht noch viel mehr Leute dieser Idee annehmen und sie umsetzen.“

    Nun hat sich Yunus zum Ziel gesetzt, die Armut nicht nur in Bangladesch, sondern in der ganzen Welt auszurotten. Und er geht es mit großem Optimismus an: „Eines Tages“, sagte Junus vor einiger Zeit, „werden unsere Enkel in Museen gehen, um zu sehen, was Armut war.“

    (sueddeutsche.de/dpa)

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