George W.'s Palace
Irak
23.10.2006, 09:06
Alltag in Bagdad: US-Soldaten bewachen einen Anschlagsort. (Foto: dpa)
Die Baustelle mit dem halben Dutzend Hochkränen ist das einzige Großprojekt im Irak, das streng nach Plan vorankommt: Schon im nächsten Juni soll Amerikas neue, 592 Millionen teure Botschaft im Zweistromland fertig sein.
Dann, so schwärmt einer der Architekten, werde der Koloss aus Stein, Beton und Panzerglas "sogar aus dem Weltraum zu erkennen sein". Der im Bagdader Volksmund spöttisch "George W.'s Palace" genannte Komplex wird direkt am Ufer des Tigris eine Fläche von 42 Hektar ausfüllen.
Das entspricht etwa 80 Fußballfeldern - und ist größer als die Vatikanstadt zu Rom. Die nächtliche Illumination zur leichteren Verortung aus dem All scheint ebenfalls garantiert: Die größte und bestgesicherte US-Botschaft aller Zeiten ist durch mächtige Generatoren abgekoppelt von Iraks nach wie vor unzuverlässigem Stromnetz.
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Anderswo stehen die Bagger zumeist still. Aufgrund massiver Sicherheitsprobleme kommen die Arbeiten an neuen Straßen, Wasserpumpen, Kläranlagen oder Kraftwerken nur langsam voran.
Dass ausgerechnet Amerikas Eigenbau planmäßig entsteht, hat einen simplen Grund: Die Mammutbotschaft der ehemaligen Befreier und Besatzer wächst in Bagdads "Green Zone" gen Himmel, jener hermetisch abgeriegelten Enklave, in der auch die irakische Regierung Unterschlupf gefunden hat.
Bisher hausen die etwa tausend Amerikaner in Iraks Hauptstadt nebenan in Saddam Husseins Republikanischem Palast, einem abscheulichen Denkmal wüstendiktatorischen Größenwahns.
Auch das neue Refugium der Schutzmacht fällt eher klobig aus. "Safety first" hieß die Parole der Washingtoner Bauherren. Schließlich ist Amerikas ständige Vertretung für noch unbestimmte, eher ferne Zeiten angelegt, da Bagdad wieder eine sichere Metropole und die hohen Betonmauern um die Grüne Zone geschleift sein werden.
Bis dahin wird es sich leben lassen in der neuen Botschaft. Neben zwei großen Verwaltungskomplexen und einem dritten Gebäude, das später zu einer Schule für Diplomatenkinder umgerüstet werden soll, will die US-Regierung ihren Beamten ein regelrechtes Schlaf-und-Freizeitstädtchen errichten:
619 Ein-Zimmer-Appartements, eine Turnhalle samt Fitnesszentrum, der angeblich größte Swimmingpool im Irak sowie ein gepflegter Club und eine kleine Shoppingmall sind geplant, samt Friseur und Schönheitssalon. Neben je einer üppigen Residenz für den regierenden Botschafter Zalmay Kahlilzad und seinen Stellvertreter entsteht auch eine Kaserne - für die US-Marines, die den Komplex ab Sommer 2007 bewachen.
Zum Ärger der Iraker beschäftigt der Bauunternehmer, der Konzern "First Kuwaiti Trading and Contracting", fast nur ausländische Bauarbeiter, Ingenieure und Statiker. Die meisten leben in Baracken gleich neben der Baugrube, stammen aus Asien und würden, so jedenfalls kritisierte die linke US-Organisation CorpWatch, für zwölf Stunden tägliche Maloche mit monatlich 500 Dollar abgespeist.
Auf Drängen des US-Senats mussten die Kuwaitis zuletzt zwar vermehrt einheimische Maurer und Poliere anheuern. Aber die leben gefährlich. Terrorgruppen lauern den "Kollaborateuren der Gottlosen" auf. Die Arbeiter müssen sich jeden Tag einen anderen Pfad suchen, auf dem sie nach Feierabend zurückkehren können - ins reale Bagdad.
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