Er wird von Interpol gesucht - und will jetzt Präsident in Iran werden: Mohsen Resai über Israel, Obama und Irans Atomprogramm.
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Will Präsident in Iran werden: Mohsen Resai. Foto: Reuters
Mohsen Resai gehört zum Revolutions-Establishment in Iran: Von 1981 bis 1997 Chef der mächtigen Revolutionsgarden (Pasdaran-Miliz) sitzt der 54-Jährige nun im einflussreichen Schlichtungsrat und gilt als Wirtschaftsexperte des Landes. Resai, der bei den Präsidentschaftswahlen kandidiert, wird von Interpol gesucht: Er ist einer der Gründerväter der libanesischen Hisbollah-Miliz und soll in Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen in Argentinien in den neunziger Jahren verwickelt sein.
Mit Resai sprach Tomas Avenarius in Teheran.
Süddeutsche Zeitung: Sie waren mit 27 Jahren bereits Chef der Revolutionsgarden. Heute, 30 Jahre nach der Islamischen Revolution, scheint es der Jugend an diesem Revolutionselan zu fehlen.
Mohsen Resai: Der revolutionäre Geist damals war etwas Kollektives, wurde durch den achtjährigen Krieg gegen den Irak gestärkt. Nach dem Krieg haben die Jugendlichen andere Ideale entwickelt. Die alten und die neuen Ideale ergänzen sich. Aus der Revolution wurde ein politisches System. Die Jugend akzeptiert dieses System, sonst würde sie nicht an den Wahlen teilnehmen. Sie übt aber auch Kritik. Wichtig ist, dass die Regierung auf diesen Protest positiv reagiert.
SZ: Steht in Irans Politik nicht längst ein Generationswechsel an?
Resai: Die Macht kann nicht ewig in den Händen der ersten Generation bleiben. Mein Ziel ist es, die Macht an die zweite und dritte Generation zu geben.
SZ: Bei der Präsidentenwahl am 12. Juni stehen sich Konservative und Reformer gegenüber. Sie selbst sind ein Konservativer. Gegen wen treten Sie an, gegen die Reformer oder gegen den umstrittenen konservativen Präsidenten Ahmadinedschad?
Resai: Ich kandidiere, weil der Weg Ahmadinedschads direkt in den Abgrund führt. Die Reformer wollen nur zurück in die Vergangenheit. Ich will einen dritten Weg für unser Land vorschlagen - ich nenne ihn den Weg der nationalen Entwicklung. Dafür habe ich einen Zukunftsplan entwickelt: "Perspektiven für ein Iran des Jahres 2025".
SZ: Was steht da genau drin?
Resai: Ich will drei Missstände beseitigen: Missmanagement im Inland, eine miserable Wirtschaftspolitik und falsche Verhaltensweisen in internationalen Beziehungen. 340 Milliarden US-Dollar an Einnahmen vor allem aus dem Öl- und Gasgeschäft sind in den vergangenen Jahren verschwunden. Dieses Geld ist wegen Missmanagements nicht investiert worden. Die schon begonnenen Aufbauprojekte wurden nicht beendet. Es wurden Konsumgüter importiert, die nicht notwendig waren. Viel Geld ist in den Regierungsapparat geflossen, der dadurch aufgebläht wurde.
SZ: Und was läuft in der Außenpolitik falsch?
Resai: Der derzeitige Diskurs in der iranischen Außenpolitik ist eine Politik der Provokation. So wie Ahmadinedschad redet, wurde aus unserer revolutionären Außenpolitik eine abenteuerliche Veranstaltung für Hasardeure. Etwa wenn er sagt, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe. Oder nehmen wir die Palästinenser. Offizielle Politik der Islamischen Republik war stets, dass die Palästinenser ihr Schicksal selbst bestimmen sollen.
SZ: Heißt das, dass die Unterstützung der Hamas durch Iran falsch ist?
Resai: Nein. Hamas verteidigt Palästina, und dies ist aus unserer Sicht legal. Aber das heißt nicht, dass es keinen Dialog geben sollte. Alle Parteien - Palästinenser und Juden, Christen und Muslime - sollten sich an einen Tisch setzen, ihr eigenes Schicksal bestimmen auf der Basis von Humanität und Demokratie. Wir wünschen die gleichen Rechte für alle Bewohner von Palästina.
SZ: Sie befürworten also die Zwei-Staaten-Lösung?
Resai: Nein, dieses Modell ist gescheitert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Was nützt es, wenn es zwei Staaten gibt, die im Konflikt liegen oder sich bekriegen. Besser wäre ein multinationaler Staat, mit einem Volk und einer Regierung - gebildet unter UN-Aufsicht.
»"So wie Ahmadinedschad redet, wurde aus unserer revolutionären Außenpolitik eine abenteuerliche Veranstaltung für Hasardeure." «
Mohsen Resai
SZ: Ahmadinedschad sagt, Israel sei ein Krebsgeschwür und müsse von der Landkarte getilgt werden.
Resai: So wie er redet, verstößt er gegen die Interessen iranischer Außenpolitik.
SZ: Akzeptieren Sie Israel als zionistischen Staat?
Resai: Warum sollen wir Iraner sagen, was für ein Staat dort zustande kommt? Das sollen die Menschen in Palästina selbst entscheiden. Die UN sollen ein Referendum abhalten zwischen den wahren Bewohnern Palästinas. Das Ergebnis wird Iran akzeptieren.
SZ: Und wenn das Ergebnis nicht in ihrem Sinne ist?
Resai: Nehmen wir den Irak: Wir lehnen ab, dass die Amerikaner dort sind. Aber wir akzeptieren die Verfassung des Iraks und die Regierung, die an der Macht ist. Die Verfassung haben die Amerikaner geschrieben. Parlament und Regierung wurden von den USA herbeigeführt. Das Volk hat diese Verfassung, diese Regierung und dieses Parlament aber gewählt, also akzeptieren wir es. In Palästina könnte die UN diesen Prozess gestalten.
SZ: Gehört die iranische Atompolitik des Iran in die Kategorie der Außenpolitik der Provokation?
Resai: Ich schlage eine gemeinsame Uran-Anreicherung auf iranischem Boden vor: durch Iran, die USA, Europa und Russland. Im Rahmen dieser Kooperation werden wir unsere friedliche Nuklearpolitik fortführen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Resai über Barack Obama sagt.
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