"Taliban stehen kurz vor Kabul"

    Afghanistan

    22.11.2007, 15:22

    Von Barbara Vorsamer

    Jahrelang gab es nur Erfolgsmeldungen: Längst wollten die Isaf-Truppen den angeblich kläglichen Rest der Taliban aus Afghanistan getrieben haben. Doch sieben Jahre nach dem Sturz hat sich das Blatt dramatisch gewendet: Nun kontrollieren die Islamisten mehr als die Hälfte des Landes.

    ein afghanischer soldat hält wache, kurz bevor er mit seiner einheit in eine schießerei mit den taliban verwickelt wird, reutersGrossbild

    Ein afghanischer Soldat hält Wache, kurz bevor er und seine Einheit in eine Schießerei mit den Taliban verwickelt werden (Foto: Reuters)

    Die heikle Nachricht kommt weder vom Militär, noch einem Politiker: Das renommierte internationale Forschungsinstitut Senlis Council hat jetzt einen Bericht darüber veröffentlicht, wer im Afghanistan wie viel Terrain kontrolliert. Das Ergebnis des Think-Tanks: 54 Prozent des geschundenen Bürgerkriegsland werden derzeit von den radikalislamischen Taliban-Milizen beherrscht.

    Kenner des Landes wie Reinhard Erös von der deutschen Hilfsorganisation Kinderhilfe Afghanistan bestätigen dieses Ergebnis im Gespräch mit sueddeutsche.de. "Wenn sich nichts ändert, stehen die Taliban bald vor Kabul", sagte Erös in Übereinstimmung mit dem Bericht des Think-Tanks.

    Das Senlis Institute empfiehlt der Nato, ihre Truppenstärke auf 80.000 Mann zu verdoppeln, um den Aufstand einzudämmen. "Die Taliban haben sich als eine wahrhaft wiedererstarkende Kraft erwiesen", schreiben die Experten über die Extremisten, die US-geführte Truppen Ende 2001 von der Macht vertrieben haben.

    "Ein trauriges Zeichen"

    Die Taliban kontrollierten inzwischen erneut weite Teile Afghanistans auf dem Land, manche Distriktzentren sowie einige der wichtigsten Straßenverbindungen.

    "Es ist ein trauriges Zeichen für den gegenwärtigen Zustand Afghanistans, dass die Frage nun nicht mehr zu sein scheint, ob die Taliban nach Kabul zurückkehren, sondern nur noch wann", heißt es in dem Senlis-Bericht weiter. Die Extremisten hätten es geschafft, in mehr als der Hälfte des Landes eine dauerhafte Präsenz zu etablieren.

    Sehr effektiv sei ihr Einsatz von Selbstmordattentätern und Straßenbomben. Damit sei es für die Taliban ein Leichtes, neue Anhänger zu rekrutieren. Vor allem dank des Opium-Anbaus in Afghanistan verfügen die Rebellen nach Ansicht der Experten zudem über eine breite finanzielle Basis.

    Auch Oxfam warnt

    Eine Aufstockung der Truppen sieht Erös hingegen nicht als Weg aus der Krise. "Dieser Krieg ist mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen", sagte er. Er betont stattdessen die Bedeutung des zivilen Wiederaufbaus, besonders von Schulen. So soll seiner Ansicht nach verhindert werden, dass immer mehr afghanische und pakistanische Schüler in Koranschulen zu Talibankämpfern herangezogen werden.

    Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Senlis-Berichtes hat auch die Hilfsorganisation Oxfam einen Bericht zu Afghanistan vorgelegt, der ähnlich ernsthafte Warnungen enthält. Wie Erös bemängelt die Organisation, dass zu viel der 15 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, die Afghanistan bisher erhalten habe, "ineffizient und wirkungslos" ausgegeben wurde.

    Außerdem schreibt Oxfam, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan massiv verschlechtert habe, vor allem wegen der ansteigenden Korruption in nationalen und lokalen Behörden.

    (sueddeutsche.de/Reuters/odg)

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    Leserkommentare (63)



    23.11.2007 17:14:30

    conreux: @Esben

    "Dabei weiß jeder, der sich ein wenig damit beschäftigt hat, daß Raketen derzeit sicher nur in der Startphase zerstört werden können. Mithin können die amerikanischen Rketen nicht gegen iranische sondern nur gegen russische gerichtet sein. "

    lieber Esben vielleicht hätten Sie sich ein wenig mehr damit beschäftigen sollen. Selbst die Russen sehen nicht ihre atomaren Angriffsfähigkeiten bedroht sondern bemängeln, dass die neuen Radarsysteme ihren Luftraum kontrollieren.

    Ein russischer Nuklearangriff mit ICBMs auf die USA käme aus ballistischen Gründen über das Nordmeer oder den Pazifik. Ist also von Polen aus nicht zu bekämpfen.

    Ausserdem haben die Russen lenkbare Wiedereintrittskörper, gegen die der Raketenschild wirkungslos ist. Sollte der Schlag aber gegen Europa gerichtet sein ist ein Abschuss mangels Vorwarnzeit nur schwer möglich.


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