Die sueddeutsche.de-Leser haben ihren alternativen Bundespräsidenten gewählt: Die älteren Semester liegen klar vorn, eine herbe Abfuhr gab es für die Showbiz-Vertreter.
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Siegerin der sueddeutsche.de-Abstimmung zur Bundespräsidentenwahl: Jutta Limbach. Foto: AP
Vergangene Woche fragten wir: Wen hätten Sie gerne als Bundespräsidenten? Etwa 200 Vorschläge gingen ein, die Redaktion wählte zehn besonders häufig genannte Kandidaten aus und stellte diese in einer zweiten Umfrage zur Wahl.
Knapp 1900 Leser bewerteten die Nominierten Joschka Fischer, Günther Jauch, Heiner Geißler, Jürgen Klinsmann, Jutta Limbach, Dieter Bohlen, Loriot, Gerhard Polt, Renate Schmidt und Florian Silbereisen. Die Skala reichte von "Die Traumbesetzung für dieses Amt" (4 Punkte) über "Ein passabler Kandidat/eine passable Kandidatin" (3 Punkte) und "Lieber nicht, wenn es sich verhindern lässt" (2 Punkte) bis zu "Auf gar keinen Fall!" (1 Punkt). Unter dem Strich gab es für jeden Kandidaten einen Durchschnittswert.
Das Ergebnis: Die sueddeutsche.de-Leser ziehen altgediente Politiker TV-Stars und Sportgrößen vor. An der Spitze gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Jutta Limbach, die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, erhielt im Schnitt 2,7 Punkte und lag nur im Nach-Kommastellenbereich vor dem Komödianten Loriot. Limbach genießt breites Vertrauen: 20 Prozent der Wähler hielten sie für eine "Traumbesetzung", 47 Prozent für eine "passable Kandidatin".
Die Leserwahl Limbachs ist also ein Indiz dafür, dass die Bevölkerung von einem Bundespräsidenten vor allem Seriosität und Integrationsfähigkeit erwartet.
Eine weitere Eigenschaft, die sich die Wähler wünschen, wurde bisher offenbar unterschätzt: Humor. Viktor von Bülow alias Loriot hatte das Ranking zwischenzeitlich angeführt, am Schluss landete er mit hauchdünnem Rückstand hinter Limbach auf Platz zwei. Für eine "Traumbesetzung" hielten Loriot 32 Prozent der Wähler, in dieser Kategorie liegt er sogar vor der Erstplazierten.
Auch Gerhard Polt, bayerisches Kabarett-Urgestein, schnitt gut ab und wurde Vierter hinter Ex-Außenminster Joschka Fischer. Seit Jahrzehnten widmet sich Polt der Politik zwischen Filz und Fiskus; damit verfügt er über mehr Erfahrung als so mancher Jungpolitiker.
Die sueddeutsche.de-Leser wollen offenbar einen Präsidenten mit Sinn für Humor, nicht mit zwanghaft guter Laune: Ganz hinten streiten sich drei notorische Dauergrinser um den letzten Platz: Vor Dieter Bohlen, Florian Silbereisen und Jürgen Klinsmann im Schloss Bellevue scheinen die User regelrecht Angst zu haben: Mehr als 80 Prozent klickten bei ihnen "auf gar keinen Fall!" an.
Überraschend schwach schnitt Günther Jauch ab: Der Moderator, der als einer der bekanntesten und beliebtesten Deutschen gilt, landete in der unteren Tabellenhälfte: Mehr als 50 Prozent der Wähler wollten ihn auf gar keinen Fall als Präsidenten sehen.
(sueddeutsche.de/jab/bosw)
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