Bayerns Innenminister Beckstein hat die zugespitzte Terrorwarnung des Bundesinnenministeriums als "etwas überzogen" kritisiert. Terrorismusexperten sehen das jedoch anders.
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Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) hat vor Panikmache mit Terrorwarnungen gewarnt. Ihm erscheine die Zuspitzung der Terrorwarnung durch den Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, „aus bayerischer Sicht eher etwas überzogen“, sagte Beckstein der Passauer Neuen Presse vom Samstag. Es gebe keine konkreten Hinweise auf besondere Anschlagsziele, etwa konkrete Orte oder bestimmte Verkehrsmittel.
Gleichzeitig bestätigte Beckstein Informationen, wonach Deutsche in Terror-Ausbildungslagern in Pakistan seien. „Und man muss damit rechnen, dass diese Personen wieder nach Deutschland zurückkehren, weil es im Nahen und Mittleren Osten derzeit so viele freiwillige Kämpfer gibt, dass man dort nicht auf Europäer angewiesen ist“, sagte der CSU-Politiker der Zeitung.
Die Organisation Ansar-al-Islam habe vor einiger Zeit Kämpfer aus Deutschland, die in den Irak gegangen waren, um sich an den Kämpfen dort zu beteiligen, wieder zurückgeschickt, berichtete Beckstein. Vor diesem Hintergrund hätten die Sicherheitsbehörden die Sicherheitsvorkehrungen bereits „vor einigen Wochen deutlich angehoben“. Konkrete, darüber hinausreichende Maßnahmen seien aber nicht veranlasst, berichtete Beckstein.
Dagegen sieht der Direktor der Europäischen Polizeibehörde Europol, Max-Peter Ratzel, die Terrorplanung schon weit fortgeschritten. Auch der Terrorexperte Rolf Tophoven rechnet nach eigenen Angaben jederzeit mit einem Anschlag.
Europol-Direktor Ratzel sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung : „Die Lage ist ernster denn je.“ Die Vorbereitungen auf Anschläge seien in der islamistischen Terroristen-Szene bereits fortgeschritten. Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob etwas passiere, sondern nur noch wann und wo der nächste Anschlag Europa treffe, wird Ratzel zitiert.
Nach den Erkenntnissen Europols hätten die islamistischen Fanatiker in Europa wachsenden Zulauf. „Die Rekrutierung und Radikalisierung junger Menschen in Moscheen oder über Internetseiten schreitet schnell voran“, sagte der Europol-Chef.
Man dürfe sich von der vermeintlich geringen Zahl ausgeführter oder vereitelter Anschläge in Europa täuschen zu lassen. „Tatsache ist, dass etwa ein halbes Dutzend Fälle Jahr für Jahr schon weit im Vorfeld abgebogen wird. Das bekommt die Öffentlichkeit gar nicht mit“, sagte Ratzel. Die Zahl terroristischer Straftaten, zu denen Europol hinzugezogen werde, sei von 40 Verfahren 2005 auf 60 im vergangenen Jahr gestiegen.
Der Terrorismusexperte Tophoven sagte der in Hannover erscheinenden Neuen Presse, er halte in Deutschland jederzeit einen Anschlag islamistischer Extremisten für möglich. „Es ist Konsens in den deutschen Sicherheitsbehörden, dass es nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann ist, dass auch in Deutschland ein Anschlag verübt wird“, wird Tophoven zitiert.
In Afghanistan und Irak geschulte Kämpfer könnten in Europa Terrorzellen aufbauen. Al Kaida sei heute gefährlicher als vor dem 11. September 2001, „weil die Organisation zerfasert ist, weltweit eine Vernetzung hat“.
Auch das Risiko für die Bundeswehr in Afghanistan steige. „Für die Taliban und die mit ihnen verbündeten Al-Kaida-Kommandos sind wir Kriegspartei“, begründete Tophoven seine Einschätzung.





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