Der Vatikan hat die Hinrichtung Saddam Husseins als "tragische Nachricht" bezeichnet. US-Präsident Bush begrüßte den Tod des Ex-Diktators hingegen ausdrücklich.
Es bestehe „das Risiko, dass dies den Geist der Rache noch anstachelt und neue Gewalt säht“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.
Die Vollstreckung des Todesurteils gebe „auch dann Grund zur Traurigkeit, wenn es sich um einen Menschen handelt, der schwerer Verbrechen schuldig ist.“ Die Position der Kirche, die schon mehrmals ihre Ablehnung der Todesstrafe betont habe, sei klar, fügte Lombardi hinzu.
„Die Tötung des Schuldigen ist nicht der Weg, um Gerechtigkeit wiederherzustellen und die Gesellschaft und vereinen.“
US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Hinrichtung hingegen als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak, der sich selbst regieren und verteidigen könne und ein Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus werde.
Wie es in einer am Freitagabend (Ortszeit) verbreiteten Erklärung von Bush weiter hieß, sei die Vollstreckung der Todesstrafe zum Abschluss eines schwierigen Jahres für die Iraker und die US-Truppen erfolgt.
Nach Darstellung von Bush hat Saddam ein faires Verfahren erhalten, das er den Opfern seines brutalen Regimes verweigert habe.
Nach Jahrzehnten der Unterdrückung könnten die Iraker jetzt in die Zukunft schauen.
Zum Zeitpunkt der Hinrichtung Saddams schlief Bush allerdings. Der Präsident habe seinen Tag mit dem Wissen beendet, dass die „letzte Phase“ der Verurteilung Saddam Husseins begonnen habe, sagte Scott Stanzel, Sprecher des Weißen Hauses, am Freitag (Ortszeit).
Auf die Frage, ob Bush im Moment der Hinrichtung geschlafen habe, sagte er: „Das ist korrekt.“ Zum Zeitpunkt der Hinrichtung Saddams gegen 04.00 Uhr MEZ war es im texanischen Crawford, wo Bush auf seiner Ranch ins Neue Jahr feiern will, 22.00 Uhr Ortszeit.
Der Sicherheitsberater des Präsidenten, Steven Hadley, hatte Bush persönlich über den Ablauf informiert. Hadley wiederum war vom US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, in Kenntnis gesetzt worden, der seine Informationen wiederum vom irakischen Regierungschef Nuri el Maliki hatte, wie der Sprecher sagte.
Die Bundesregierung in Berlin bekräftigte hingegen ihre grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe. Vertreter der großen Koalition wie der CDU-Politiker Ruprecht Polenz und der SPD-Europaparlamentsabgeordnete Martin Schulz verurteilten die Hinrichung ebenfalls scharf.
„Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe und auch gegen die Todesstrafe im Fall von Saddam Hussein“, sagte Polenz dem Deutschlandfunk. Mit der Vollstreckung des Urteils sei zudem die strafrechtliche Aufarbeitung der unter Saddam begangenen Verbrechen gestoppt worden, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag weiter. Bevor sich ein Land versöhnen könne, müsse es sein Verhältnis zur Vergangenheit klären.
Schulz sprach sogar von „staatlich sanktioniertem Mord“. Ein solcher könne nicht zur Befriedung des Iraks beitragen. Zugleich kritisierte der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, die Reaktion von US-Präsident George W. Bush. Die Hinrichtung als einen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak zu bezeichnen sei völlig inakzeptabel, sagte Schulz.
Die britische Regierung, wichtigster Verbündeter der USA im Irak-Krieg, kritisierte die Hinrichtung des irakischen Ex-Machthabers aus prinzipiellen Gründen. „Wir treten für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein, unabhängig von dem jeweiligen Verbrechen“, erklärte Außenministerin Margaret Beckett.
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