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Seit Juni liegt CDU-Ministerin Schavan offenbar ein Gutachten vor, das die Beteiligten erst im Herbst vorstellen wollen - damit es nicht im "Wahlkampf zerredet wird".

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) dpa

Gilt als Vertraute von Angela Merkel: Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) (Foto: dpa)

Ein bislang unbekanntes Gutachten könnte die Debatte um die Kernkraft in Deutschland neu befeuern. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hält laut einem Zeitungsbericht seit zwölf Wochen ein brisantes Gutachten zur Atomenergie unter Verschluss, das sie selbst in Auftrag gegeben hat.

Nach Angaben der Financial Times Deutschland regen in der Studie rund hundert Forscher unter anderem den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland an.

Außerdem werben sie dafür, an anderen Standorten als Gorleben nach atomaren Endlagern zu suchen. Schavan, die als Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt, seien die Atom-Empfehlungen offenbar zu heikel.

Obwohl sie die Studie mit dem Titel "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" bereits im Juni erhalten habe, solle diese erst im Oktober vorgestellt werden - nach der Bundestagswahl.

In der Studie plädieren die Forscher laut FTD ziemlich unverhohlen für neue Meiler: "Abhängig von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen könnte sich Deutschland aber in der Zukunft wieder an der Entwicklung und dem Bau von neuen Kernkraftwerken beteiligen, um einen erheblichen Teil des Energiebedarfs mit Kernenergie zu decken."

Trotz unbestreitbarer Risiken biete die Kernkraft "eine kostengünstige und konsensfähige Grundlast-Stromversorgung ohne CO2-Ausstoß".

Kein Kommentar aus dem Ministerium

In der Endlagerfrage erklären die Autoren des Gutachtens: "Für ein Endlager in Tongestein liegen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse aus Frankreich, Belgien und der Schweiz vor."

Unerwähnt bleibt im Gutachten allerdings eine Tatsache, die Schavans geringes Interesse an dieser Alternative erklären könnte: Die meisten Tonformationen liegen in Baden-Württemberg - Schavans politischer Heimat. Schavan hatte sich wiederholt für den Salzstock Gorleben als Endlager ausgesprochen.

Die Forschungsministerin will SPD und Grünen mit der Studie offenbar keine weitere Munition liefern. Die Union tritt wie die FDP für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ein. Jedoch wirbt sie im Wahlkampf nicht offensiv dafür. Mit Kernkraft lassen sich kaum Wählerstimmen gewinnen. Seit Monaten versucht vor allem SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel, Stimmung gegen die Atompläne von Schwarz-Gelb zu machen.

In einem Brief an die Autoren der Studie schreibt das Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), Ortwin Renn, eine Kurzfassung des Konzepts sei "am 24. Juni 2009 an Frau Schavan übergeben worden". Neben Acatech waren drei weitere deutsche Wissenschaftsorganisationen beteiligt.

"Allerdings haben sich die Präsidien der Akademien und das Bundesforschungsministerium darauf verständigt, das Konzept erst nach der Bundestagswahl der Öffentlichkeit vorzustellen, da sonst die Gefahr bestände, dass es im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird", heißt es in dem Brief, der der Zeitung ebenso wie Teile des Gutachtens vorliegt.

Das Ministerium wollte sich dem Bericht zufolge zum Inhalt der Studie nicht äußern.

(sueddeutsche.de/AFP/odg/ehr)

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Leserkommentare (253)



18.09.2009 08:28:42

selbstaendig: Der Staat hatte auch noch die Aufsicht und versagt ja dauernd

dylan51 16.09.2009 17:50:57 :

"""Die Atomindustrie hat rechtswidrig die Asse umgewidmet, indem sie ihren Dreck heimlich, still und leise dort abgeladen hat."""

Das ist ja nur eine Facette des noch ungelösten staatlichen "Endlager"-Problems.

Was machen Sie denn selber eigentlich, wenn der Staat ihnen keine längst versprochene und angemahnte Müllentsorgung mehr anbietet seit Jahrzehnten für Ihren eigenen Haushalt?

Ihre eigenen Möglichkeiten sind wie dann, @ dylan51?

Die Asse stand und steht ja auch unter der staatlichen Aufsicht insgesamt und wurde als ein Erkundungsbergwerk betrieben, da haben auch die Behörden und der Staat dann ja mitversagt und dann greift die Amtshaftpflicht und Staatshaftpflicht ja ebenfalls normalerweise.

Die staatliche und gesetzliche Verpflichtung zur Lösung des Atommüllproblems aber bleibt weiter bestehen und ist immer noch offen.

Nach dem Wahlkrampf können Sie sich ja weiter noch darum so intensiv dann kümmern, oder war's dann das wieder schon einmal gewesen?

Strom aber wollen sie Sicher noch weiter günstig beziehen, auch noch für Sie einige Jährchen, auch im Winter, ohne Sonne oder Wind.

Der Anteil der AKWs an der Stromerzeugung liegt hier bei 23,3 % und

ist die wertvolle Grundlast und keine wetterabhängige Saisonkraft und

ist nicht morgen und im nächsten Jahr zu ersetzen, und auch das Problem

mit dem vorhandenen Atommüll ist damit ja nicht im geringsten schon gelöst.

Geht also so nicht ohne schwere Einbußen dann und ändert auch nichts am

Atommüll, der bereits vorhanden ist, und auch darum ist eine Lösung der Lagerung die noch offene staatliche Aufgabe.

selbstaendig


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