Jörg Tauss sitzt im Wohnzimmer des Hauses gegenüber, im Erdgeschoss eine Metzgerei, oben haben er und seine Frau vier Zimmer zur Miete bezogen, die waren gerade frei. Es ist ein wenig eng und das Gegenteil ihres eigenen Hauses gegenüber, das man aus dem Fenster sieht. Das alte Leben. Ohne die Diäten als Abgeordneter sei nicht genug Geld da, um das Haus abzuzahlen, die Rente gibt es erst mit 67. Bis dahin sind es noch zwölf Jahre, die es zu füllen gilt.

Jörg Tauss hat noch einen Vertrag bei der IG Metall, er war dort einmal Pressesprecher und ist jetzt beurlaubt. "Denen werde ich meine Arbeitskraft anbieten", sagt er, ahnt aber gleichzeitig, dass er dort nicht unbedingt sehnlichst erwartet wird.

Warum immer dieser Streit?

Es gab Streit, weil Tauss im Bundestag Positionen vertreten hat, die man bei der IG Metall nicht so gut findet. Es ist überhaupt oft sehr schwierig in den Beziehungen von Jörg Tauss zu seiner Umgebung. Er ist ein freundlicher Mensch, der schauen kann wie eine Mischung aus einem treuen Bernhardiner und einer Eule.

Dauernd aber gibt es irgendwo einen Konflikt: Mit Peter Struck, dem Fraktionschef in Berlin, hatte er Zoff, früher wurde er einmal aus der Gewerkschaft ausgeschlossen, das muss man auch erst einmal schaffen. Das Verhältnis zur SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart, wo er Generalsekretär war, ist völlig zerrüttet. Ute Vogt, die SPD-Landeschefin in Baden-Württemberg, mit der er ein Büro teilte und lange befreundet ist, war am Samstag die erste, die ihn aufforderte, sein Mandat zurückzugeben.

Warum also immer dieser Streit?

"Ich bin einer, an dem es sich immer entzündet hat, da gibt es keine Grautöne", sagt Tauss und sieht darin auch den Schlüssel zu der Sache mit den Kinderpornos. Er habe nie taktiert, sondern immer das getan, was er für richtig hielt. Als er vor Jahrzehnten einmal in der Werbung arbeitete, eine kanadische Fluglinie in Deutschland bekannt machen sollte, gab es noch keine digitalen Fotoarchive. Also ist Tauss selber monatelang durch die kanadische Wildnis gestreift und hat Bären und Bäume fotografiert. So ähnlich sei es nun wieder gewesen.

Ein anonymer Hinweis

Im Jahr 2007 habe er einen anonymen Hinweis bekommen, dass bei einigen Sex-Hotlines, die immer Werbung im Fernsehen machen, auch Minderjährige angeboten würden. Also habe er dort angerufen und gefragt, ob jemand Bilder habe, und irgendwann meldete sich auch ein 29-Jähriger aus Bremerhaven, der zugesagt habe, ihm Material zu schicken. Er überwies Geld und ließ sich eine CD mit Bildern schicken. Und er schickte auch Bilder zurück, um zu zeigen, dass er kein Polizist ist, der so etwas nicht dürfte.

Dass Kinder zum Missbrauch angeboten werden, wie ursprünglich vermutet, habe er nicht erlebt. Und auch der Kontakt in Bremerhaven sei nicht sonderlich ergiebig gewesen, die Sache irgendwann eingeschlafen. Ende 2008 kommt die Polizei dem Kontaktmann auf die Spur, sie geht sein Handy durch und jeder, der in der Liste steht, bekommt ein Ermittlungsverfahren.

"Es war alles ein schwerer persönlicher und politischer Fehler", sagt Tauss. Warum er sich denn nicht abgesichert habe? "Hätte ich dem Bundestagspräsidenten schreiben sollen?"

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In diesem Artikel:

  1. Zweikampf mit dem Zweifel
  2. "Es gilt die Unschuldsvermutung"
  3. Sie lesen jetzt Dauernd gibt es irgendwo einen Konflikt
  4. Ein Vorwurf, bei dem immer etwas hängenbleibt